Hermesdeckung muss internationaler werden

Hermesdeckung muss internationaler werden – für eine wettbewerbsfähige deutsche Exportwirtschaft - Wertschöpfungsketten, die weltweiten Änderungen in den nationalen förderpolitischen Ansätzen sowie die Umbrüche im finanzmarktpolitischen Rahmenwerk werfen die Frage auf, ob unsere staatlichen Förderinstrumente dem veränderten Umfeld noch gerecht werden.

Die Möglichkeit, attraktive Finanzierungen anzubieten, ist immer mehr zu einem Erfolgsfaktor geworden, gerade auch mit dem zunehmenden Wettbewerb aus Nicht-OECD-Staaten. In vielen Ländern ist die staatliche Exportkreditversicherung beispielsweise im Hinblick auf internationale Wertschöpfungsketten deutlich flexibler. Dies betrifft die Flexibilität bei ausländischen Zulieferanteilen genauso wie die Einbeziehung der örtlichen Kosten. Zusätzlich sind eine größere Sensibilität hinsichtlich der Auswirkungen der Bankenregulierung auf die Exportwirtschaft und folglich eine bedarfsgerechte Finanzmarktregulierung gefragt.

Vor diesem Hintergrund muss sich auch die Hermesdeckung den geänderten Marktanforderungen anpassen und mit neuen regulatorischen Vorgaben vereinbar und praktikabel sein, damit sie weiterhin zur Förderung der deutschen Exportwirtschaft beitragen kann. Dies fordern der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesverband deutscher Banken (Bankenverband), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sowie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in einem gemeinsamen Positionspapier. „Nur wenn Hermesdeckungen sinnvoll mit den Anforderungen der exportierenden Industrie, des Handels sowie der Bankenfinanzierung abgestimmt sind, funktioniert die Exportförderung auch in Zukunft“, so die Verbände weiter. Andernfalls droht der Verlust von Arbeitsplätzen, wie dies auch von der jüngst in Auftrag gegebenen ifo-Studie herausgearbeitet wurde.

Die deutsche Exportwirtschaft ist ein Grundpfeiler des wirtschaftlichen Erfolges und der Beschäftigung in Deutschland. Um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu bleiben, haben deutsche Unternehmen ihre Wertschöpfung in den vergangenen Jahren stärker internationalisiert, d.h. einzelne Fertigungsschritte werden auf verschiedene Unternehmen und Länder verteilt. Dieser Ansatz steht jedoch immer mehr im Widerspruch zu den geltenden Kriterien der Hermesdeckung. Gleichzeitig beeinträchtigt die neue Finanzmarktregulierung hermesgedeckte Kredite. So wird die Vergabe langfristiger Exportkredite, wie sie im Investitionsgüterbereich typisch ist, durch regulatorische Vorgaben und Unsicherheiten über geplante Neuregelungen negativ beeinflusst.

„In vielen Ländern sind Instrumente nicht an vergleichbar strenge staatliche Vorgaben gebunden. Sie können Marktanforderungen daher besser erfüllen. Die Erfolgsgeschichte der deutschen Hermesdeckung muss fortgeschrieben werden“, betont Stefan Mair, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Auf den Exportmärkten fordern selbstbewusste Länder, die auf ihre eigene Industrieentwicklung bedacht sind, die Einbindung lokaler oder regionaler Zulieferer ein. „Die Möglichkeit, attraktive Finanzierungen anzu¬bieten, ist aber gerade für den deutschen Anlagenbau entscheidend, um Projektausschreibungen zu gewinnen“, sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Die umfangreichen Leistungen des Groß- und Außenhandels, das Produkt- und Markt-Know-how aber auch die Beschaffungs- und Vertriebsfunktionen müssen uneingeschränkt von Hermes berücksichtigt werden. Die Hermesdeckungen geben gerade dort Sicherheit, wo mittelständische Unternehmen die Risiken nicht alleine übernehmen können“, ergänzt Gerhard Handke, Hauptgeschäftsführer des BGA.

Erschwerend wirkt das regulatorische Rahmenwerk auf der Finanzierungsseite. „Die umfassende Finanzmarktregulierung der letzten Jahre zielt zwar nicht auf die hermesgedeckte Exportfinanzierung, beeinträchtigt diese aber an vielen Stellen“, erläutert Andreas Krautscheid, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes. „Bestehende und künftige Regulierungsvorhaben müssen die Belange der Exportwirtschaft stärker berücksichtigen, damit Banken die Exporteure auch weiterhin zuverlässig begleiten können.“