BAUPOLITIK

Wohnen heißt leben. Das wissen wir nicht erst, seitdem die Wohnungsfrage in den Ballungsräumen unseres Landes mit großer Schärfe diskutiert wird. Die deutsche Bauwirtschaft gehört zu den Schlüsselindustrien und der baunahe Handel ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Dennoch liegt einiges im Argen: In den vergangenen zwanzig Jahren ist sowohl die Zahl der Neubauten als auch die Zahl der in der Baubranche Beschäftigten deutlich gesunken. So wurden statt 502.000 Wohnungen im Jahr 1994 zwei Jahrzehnte später nur noch 216.000 Wohnungen neu errichtet. Arbeiteten Mitte der 90er-Jahre noch 1,4 Millionen Menschen in der Bauwirtschaft, hat sich die Zahl der Beschäftigten mittlerweile halbiert. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel führt jedoch zu einem rapide steigenden Bedarf an Wohnraum. Die wachsende Zahl älterer oder allein lebender Menschen, die mit der Energiewende einhergehenden Anforderungen oder der Zustrom nach Deutschland machen mehr Investitionen in Neu- und Ersatzbauten wie in die Modernisierung und Sanierung des Wohnungsbestands dringend notwendig. Deswegen macht sich der BGA für neue Impulse in der Bauwirtschaft stark.

Rahmenbedingungen verbessern

Um Investitionen in den Wohnungsbestand sowie in den Neubau attraktiver zu machen, setzt sich der BGA für eine Reihe von Förderungsinstrumenten ein, die energieeffizienten, altersgerechten und dabei bezahlbaren Wohnraum schaffen.

So würde eine Verdopplung der linearen Afa (linearen Abschreibung) von jetzt zwei auf vier Prozent sowie die Stärkung der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung stärkere Investitionsanreize schaffen. Förderprogramme der KfW könnten zusätzliche Impulse setzen. Zudem wäre es wichtig, den sozialen Wohnungsbau angemessen zu fördern. Im Vorfeld müsste jedoch eine Diskussion über zweckdienliche Standards geführt werden. Außerdem sollte der vorhandene Wohnungsbestand durch energetische Modernisierung und generationsgerechten Umbau erweitert werden. Auch das Thema Ersatzneubau darf kein Tabu sein und auch über Aufstockung und Nachverdichtung muss gesprochen werden. Um den hohen Neubaubedarf decken zu können, sollte dringend zusätzliches Bauland ausgewiesen werden. Die vielfach hohen Anforderungen, Normen und Standards müssen hinterfragt werden.

Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“

Der BGA und seine baunahen Großhandelsverbände suchen die Zusammenarbeit mit weiteren Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie der Dienstleistungswirtschaft, um für die Branche innovative Lösungen zu entwickeln und Initiativen zu rechtlichen Fragestellungen zu koordinieren. Der BGA entwickelt in Abstimmung mit dem baunahen Großhandel gemeinsame Positionen und wirkt an der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ mit, einem Bündnis auf Bundesebene aus über 30 Bundesverbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft, von Dienstleistern, dem Deutschen Mieterbund und der IG BAU.

Dipl.-Volkswirt Michael Alber
Geschäftsführer
Volkswirtschaft und Finanzen
Telefon: 030 590099-570
E-Mail: Michael.Alber(at)bga.de

Im BGA ist er Ansprechpartner für alle volkswirtschaftlichen Fragestellungen. Auf Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes und wissenschaftlicher Institutionen analysiert er die konjunkturelle Entwicklung im Großhandel und der Gesamtwirtschaft. In Veröffentlichungen wieTrends & Analysen Großhandel sowie dem monatlichen Konjunkturbarometer informierter über die Perspektiven für die Wirtschaftsstufe.