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author: BGA
date: 2024-02-21
modified: 2026-09-01
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# Asien

Themenwoche Asien
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###  Tag 1 / Montag

**Ist Indien das neue China?**

 Die Region Asien-Pazifik bleibt laut Internationalem Währungsfonds (IWF) das Wachstumszentrum der Weltwirtschaft: Über 60 Prozent trägt die Region 2024 zum weltweiten Wachstum bei. Zwischen 2024 und 2029 erwartet der IWF im Durchschnitt 4,7 Prozent realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts für "Developing Asia". Darin werden 30 Volkswirtschaften Asiens zusammengefasst, ohne Industrieländer wie Australien, Japan oder Südkorea. Der Anteil Asien-Pazifiks an der weltweiten Wirtschaftsleistung hat sich seit 1960 auf über ein Drittel fast vervierfacht. Bis 2050 soll die Region über die Hälfte der Weltwirtschaft ausmachen, erwartet die Asian Development Bank.

**Schlaglicht: Ist Indien das neue China?**

 Um es klar zu sagen: Noch nicht. Denn der Wechsel bahnt sich erst an. Während sich Indien immer mehr zur Lokomotive der Region entwickelt, sinken in China die Zuwachsraten. China ist gegenwärtig die zweitgrößte und Indien fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. In den kommenden Jahren soll Indien zuerst Japan und dann auch Deutschland überholen und spätestens bis Ende des Jahrzehnts auf Rang 3 vorrücken. Ob das gelingt, ist aber nicht ausgemachte Sache. So sind die aktuellen Wachstums- und Investitionstreiber Indiens staatliche Ausgaben, besonders für den Ausbau der Infrastruktur. Laut Weltbank werden diese Bruttoanlageinvestitionen 2024/2025 um 9,7 Prozent zulegen. Trotz des kräftigen Zuwachses bleibt jedoch weiterhin Spielraum nach oben. Denn bisher investieren überwiegend Branchen, die von den staatlichen Ausgaben für Infrastruktur profitieren. Andere Bereiche der Wirtschaft haben hingegen noch nicht die Kapazitätsauslastungen erreicht, um neue Anlagen im großen Stil zu beschaffen. 

 Schließlich gibt es weitere Hindernisse, die verhindern, dass Indien kurzfristig die Rolle Chinas vollständig übernehmen kann. Dazu gehören eine teils ineffiziente Infrastruktur, bürokratische Hürden und protektionistische Maßnahmen, die den Marktzugang erschweren​. Zudem bleibt China, trotz aller Probleme, nach wie vor der größte Produktionsstandort der Welt und zieht weiterhin massive Investitionen an.
 Aber trotz alle dem und auch ohne Freihandelsabkommen erreichte der [deutsch-indische Handel](https://www.gtai.de/de/trade/indien/wirtschaftsumfeld/deutsch-indischer-handel-2023-auf-neuem-rekordhoch-804584 "Link zur Seite "Deutsch-indischer Handel 2023 auf neuem Rekordhoch"") im Jahr 2023 mit 33 Milliarden US-Dollar (US$) einen neuen Höchstwert. Das stärkt die Hoffnung auf weiterhin wachsende Handelsbeziehungen, die auch durch Freihandelsabkommen vertieft werden sollten. 

 Das 1. Quartal 2024 verzeichnete deutsche Exporte im Wert von 3,9 Milliarden US$. Importe der Bundesrepublik aus Indien kamen im gleichen Zeitraum auf einen Wert von 3,6 Milliarden US$.

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###  Tag 2 / Dienstag

**Das Verhältnis Deutschland - China**

 Das Verhältnis zwischen Deutschland und China ist seit vielen Jahren von einer starken wirtschaftlichen Verflechtung geprägt: Made in China – diese Aufschrift ist auf vielen Waren in Deutschland zu finden. Aber nicht nur bei fertigen Produkten. Auch in Deutschland weiterverarbeitete Grundstoffe und Vorprodukte stammen häufig aus dem Reich der Mitte. Im Jahr 2023 hatten 200 industrienahe Produktgruppen einen Einfuhranteil aus China von mehr als 50 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 213.

Allerdings gibt es in den letzten Jahren vermehrt Spannungen und Herausforderungen. Geopolitische Faktoren, wie der Einfluss Chinas auf die internationale Politik, Menschenrechtsfragen sowie die zunehmende staatliche Kontrolle über Unternehmen in China, haben Bedenken in Deutschland hervorgerufen. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass Deutschland seine Abhängigkeit von China kritisch hinterfragt. Der Begriff „Risikodiversifizierung“ gewinnt an Bedeutung, da deutsche Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten auf andere Länder auszuweiten, um weniger von China abhängig zu sein. Die größte Abhängigkeit gibt es im Bereich der chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse.

**Dilemma**
 In China wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig das Risiko des Landes im globalen Portfolio begrenzen – dieses Dilemma treibt deutsche Unternehmen um. Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit vor Ort zu erhalten, ist daher auch der Hauptgrund, warum deutsche Unternehmen vor Ort weiter investieren wollen, so die AHK-Geschäftsklimaumfrage 2023/24. Tatsächlich realisierte Direktinvestitionen aus Deutschland stiegen im 1. Quartal 2024 laut chinesischem Wirtschaftsministerium um 48 Prozent, während das bilaterale Handelsvolumen bis April 2024 gemäß chinesischem Zoll (in US-Dollar) um 8,2 Prozent zurückging. 
 Aufgrund der Annäherung Chinas an Russland seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine, des wachsenden Konfliktpotenzials in der Taiwanstraße sowie der Entschlossenheit der USA, das Technologiepotenzial Chinas mit Strafzöllen und Sanktionslisten zu bekämpfen, wachsen jedoch die mit einer Geschäftstätigkeit in und [mit China verbundenen Risiken](https://www.gtai.de/de/trade/china/wirtschaftsumfeld/ist-weniger-china-bald-mehr--251370 "Link zur Seite "Ist weniger China bald mehr?""). Deutsche Unternehmen versuchen daher zunehmend, das Gewicht Chinas in ihren Lieferketten und Absatzmärkten zu begrenzen.

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###  Tag 3 / Mittwoch

**Zukunftsmarkt ASEAN?**

 Die ASEAN-Staaten (Association of Southeast Asian Nations) umfassen die zehn Länder Südostasiens: Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha. Zusammen bilden sie einen dynamischen Wirtschaftsraum mit über 600 Millionen Menschen und einer stetig wachsenden Mittelschicht. Ihre Bedeutung als Handelspartner für Deutschland und die EU sowie als Akteure für die Diversifizierung globaler Lieferketten nimmt stetig zu. Die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Störungen in globalen Lieferketten haben die Schwachstellen einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und Regionen, insbesondere China, verdeutlicht. Die ASEAN-Staaten spielen hier eine zentrale Rolle bei der Diversifizierung und Risikominderung. Mit ihrem wachsenden industriellen Potenzial und wettbewerbsfähigen Arbeitskosten bieten ASEAN-Länder wie Vietnam, Thailand und Indonesien eine attraktive Alternative zu China.

**ASEAN als Handelspartner für Deutschland und die EU**

 Die ASEAN-Staaten sind zu einem der wichtigsten Märkte für deutsche und europäische Unternehmen geworden. Im Jahr 2022 belief sich der Handelsaustausch zwischen der EU und den ASEAN-Ländern auf über 215 Milliarden Euro. ASEAN ist damit der drittgrößte Handelspartner der EU nach den USA und China. Besonders bedeutend sind die ASEAN-Staaten als Absatzmärkte für deutsche Maschinen, Chemieprodukte, Kraftfahrzeuge und pharmazeutische Produkte. Die hohe Nachfrage nach europäischen Produkten, kombiniert mit einem starken Wirtschaftswachstum in der Region, bietet deutschen und europäischen Unternehmen große Potenziale.

 Doch die ASEAN-Staaten beschäftigen gerade viele politisch sensible Themen: steigende Spannungen zwischen den Philippinen und China im Südchinesischen Meer, eskalierende Probleme in Myanmar und die wachsende Rivalität im Indopazifik zwischen den Vereinigten Staaten und China. Denn der Staatenverbund ist in sich gespalten in der Frage, ob man sich wirtschaftlich stärker an China oder die USA binden sollte. Neben historischen Verbindungen spielt zunehmend auch die religiöse Orientierung der Staaten hier eine Rolle. Dieses Jahr orientierten sich prozentual erstmals mehr Mitglieder hin zu China, trotz dessen wirtschaftlicher Schwäche.

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###  Tag 4 / Donnerstag

**Asien-Pazifik-Konferenz**

 Heute beginnt in Neu Delhi die 18. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK).

Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz gilt als die wichtigste Netzwerkplattform zwischen Deutschland und der Asien-Pazifik-Region und bringt Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik zusammen. Das Event wird von Roland Busch, dem Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA) und Siemens-CEO, gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck geleitet. Rund 800 Teilnehmende aus Politik und Wirtschaft werden erwartet, um Themen wie geopolitische Herausforderungen, die Diversifizierung globaler Lieferketten, technologische Innovation und die Rolle des Globalen Südens zu diskutieren.

Zusätzlich zum allgemeinen Austausch über aktuelle Marktentwicklungen soll die APK 2024 auch neue Impulse zur nachhaltigen Transformation der globalen Wirtschaft und verstärkten Zusammenarbeit mit asiatischen Unternehmen setzen. Zu den geplanten Schwerpunkten gehören Kooperationen mit Start-ups, Maßnahmen zur Innovationsförderung und Programme für die Stärkung der Resilienz in Lieferketten.

Das aus deutscher Sicht bedeutendste Netzwerktreffen in der Region bietet deutschen und asiatischen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik seit jeher alle zwei Jahre eine Plattform zum Austausch über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen sowie um persönliche und wirtschaftliche Beziehungen aufzubauen und zu stärken. Der APK 2024 kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: waren die Zeiten doch geopolitisch, wie geoökonomisch noch nie so angespannt. Der Konferenz-Dialog muss dabei helfen, aktuelle Entwicklungen, Sichtweisen und Handlungen unserer asiatischen Partner besser zu verstehen. Deutsche Unternehmen, aber vor allem unsere Politik ist dabei gut beraten aufmerksam zuzuhören. Wollen wir weiter mitspielen, müssen Politik bzw. Strategien an die realen Verhältnisse angepasst werden. Gerade für die Politik muss es heißen: weniger Ideologie, mehr Pragmatismus.

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###  Tag 5 / Freitag

 Zukunft der deutschen Handelsbeziehungen
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Die Politik wird nicht müde zu betonen, wie wichtig eine Diversifizierung der unternehmerischen Abhängigkeiten zu fordern. In den meisten Fällen trägt sie Eulen nach Athen, da kaum ein Unternehmen alle Eier in einen Korb legt. Das Ziel, eine größere Resilienz in diesen bewegten Zeiten zu erlangen, ist gleichwohl richtig. Richtig ist auch, dass das außenwirtschaftliche Förderinstrumentarium hierbei hilft. Konkret durch: Aufzeigen kritischer Engstellen – vor allem in der maritimen Logistik, um rechtzeitig Alternativen bei der Hand zu habe, sollte es „eng werden“, Porträitierung unterschiedlichster Märkte der Welt im Hinblick auf Absatz, aber vor allem Beschaffung, Analyse und Bewertung es des weltweiten Rohstoffpotenzials – mit dem Ziel Liefermengen zu sichern, laufende Analyse der eigenen Wettbewerbsposition – um rechtzeitig zu erkennen, wann nachzusteuern ist, Aufrechterhaltung des Angebots an geförderten Auslandsmessebeteiligungen sowie Unternehmens- bzw. Delegationsreisen. Schließlich durch eine klare Haltung in Brüssel für Freihandel mit der Forderung nach einer Zweiteilung der Freihandelsabkommen – in einen EU-Only-Teil und einem, an dem die Mitgliedsstaaten beteiligt werden müsse.

Ein besonderer regionaler Fokus verbietet sich, schaut man auf die breite Varianz der deutschen Wirtschaft. Viele ungenutzte Potenziale weisen aber die Weltregionen Lateinamerika, Afrika sowie Zentral- und Südostasien auf.

 Die Erschließung neuer Märkte kostet Firmen eine Menge Zeit, Energie und Geld. Es braucht daher eine Politik, die die Zugangsbedingungen verbessert und erleichtert. Dies gelingt am besten durch den Abschluss von Freihandelsabkommen. Sie sind eines der wichtigsten Elemente zur Stärkung von Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit Europas. Hätten wir heute ein transatlantisches Handelsabkommen, hätten wir viele der derzeitigen und zukünftigen Probleme nicht. Es war ein großer Fehler, TTIP scheitern zu lassen. Bei dem Abkommen mit den MERCOSUR-Staaten droht uns nun eine Wiederholung des gleichen Fehlers. Nach jahrelangen Verhandlungen geht es derzeit noch um eine Zusatzvereinbarung. Mit dieser will die EU die eigentlich auch schon in den Nachhaltigkeitskapiteln des Abkommens festgelegten Nachhaltigkeitsverpflichtungen deutlicher festschreiben. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns
 ist damit immens. Wir sind hier maßlos enttäuscht von der EU-Kommission und auch von der Bundesregierung. MERCOSUR muss endlich zur Abstimmung gestellt werden. Unsere Forderung hierzu: Die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen MERCOSUR sollten innerhalb der nächsten 12 Monate abgeschlossen und das Abkommen zur Abstimmung gestellt werden. Und weitere müssen folgen.

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