Schwacher Start in das Jahr 2026 – Folgen aus Entwicklungen im Nahen Osten nicht absehbar
Nach der konjunkturellen Belebung Ende vergangenen Jahres hat die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu Jahresbeginn 2026 an Dynamik verloren. Dies ist zusammengefasst die Einschätzung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im März 2026.
Die Industriekonjunktur hat sich zu Jahresbeginn deutlich abgeschwächt. Nachdem die Auftragseingänge infolge der umfangreichen öffentlichen Investitions- und Beschaffungsvorhaben im vierten Quartal 2025 stark expandierten, erscheint eine Konsolidierung zu Jahresbeginn nicht überraschend, so das BMWE weiter. Allerdings verzeichnet auch die Produktion im Januar ein Minus gegenüber dem Vormonat. Im Vormonatsvergleich ging sie um 0,5 Prozent zurück. Im Dezember 2025 war es bereits zu einem Rücksetzer um -1,0 Prozent gekommen. Ausschlaggebend für den Rückgang ist eine deutlich abgeschwächte Industrieproduktion (-2,5 Prozent).
Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verzeichneten zu Jahresbeginn ebenfalls einen Rücksetzer. Das Ordervolumen fiel gegenüber dem Vormonat um 11,1 Prozent deutlich geringer aus, nachdem es im Dezember um 6,4 Prozent zugelegt hatte. Die sich seit September 2025 abzeichnende Expansion der Industrienachfrage hat sich damit zunächst nicht weiter fortgesetzt. Ursächlich für die schwächere Nachfrage war insbesondere der deutliche Rückgang der inländischen Ordereingänge um 16,2 Prozent. Aber auch die Nachfrage aus dem Ausland gab mit -7,1 Prozent spürbar nach. Hierin spiegelt sich vor allem die stark schwankende Entwicklung bei Großaufträgen wider.
Die Dynamik beim privaten Konsum scheint ebenfalls nachzulassen. Die Umsätze im Einzelhandel gingen im Januar nach einem kräftigen Anstieg zum Jahresende 2025 wieder spürbar zurück, und die Indikatoren zur Konsumstimmung der privaten Haushalte schwächten sich wieder ab. Sowohl Umfragewerte zum allgemeinen Konsumklima als auch das ifo-Konsumklima im Einzelhandel trübten sich am aktuellen Rand leicht ein, so das BMWE. Dies gilt insbesondere für größere Anschaffungen, die weiterhin häufig aufgeschoben werden. Die Inflation war im Februar mit 1,9 Prozent nach 2,1 Prozent im Januar 2026 leicht rückläufig. Dazu trug neben erneut geringeren Energiepreisen vor allem eine sich verlangsamende Teuerung von Nahrungsmitteln bei. In den kommenden Monaten dürfte die Inflation infolge des Konflikts im Nahen Osten und des globalen Preisanstiegs bei Öl und Gas allerdings temporär steigen, so die Erwartung des BMWE.
Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit verharrte im Februar abermals auf Vormonatsniveau. Gleichzeitig ging die Zahl der Erwerbstätigen im Januar weiterhin leicht zurück. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im Dezember einen geringfügigen Anstieg, nachdem sie im Vormonat leicht rückläufig war. Aktuelle Frühindikatoren deuten noch auf keine absehbare Trendwende auf dem Arbeitsmarkt hin. In diesem Zusammenhang ist auch hervorzuheben, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nach amtlicher Statistik im Dezember 2025 um 13,5 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 2.037 beantragte Verfahren gestiegen ist. Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich ein Anstieg um insgesamt 10,3 Prozent.
In diesen Trends spiegeln sich die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten noch nicht. Der BGA teilt die Einschätzung des BMWE, dass die konjunkturelle Entwicklung von der Krisensituation im Nahen Osten und den damit zusammenhängenden drastischen globalen Preissteigerungen bei Rohöl und Erdgas temporär belastet werden dürfte. Der Erholungsprozess bleibt angesichts der externen Risiken fragil. Abhängig von der Dauer des Konflikts bzw. der faktischen Sperrung der Straße von Hormus sowie möglichen längerfristigen Beeinträchtigungen der dortigen Produktionskapazitäten bei Öl und Gas besteht das Risiko für einen Rückschlag bei der erwarteten konjunkturellen Erholung. Umso wichtiger ist es nach Einschätzung des BGA, dass nun rasch spürbare Reformen auf den Weg gebracht werden, die Kosten senken und Bürokratie abbauen, um die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu stärken. (Quelle: BMWE-Pressemitteilung vom 16. März 2026)
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Michael Alber (michael.alber@bga.de