Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 1 | 9. Januar 2019

Konjunktur

Deutsche Wirtschaft robust, aber mit immer weniger Dynamik

Die deutsche Wirtschaft behauptet sich in einem schwierigeren Umfeld insgesamt gut. Ihre konjunkturelle Grunddynamik bleibt aufwärtsgerichtet, wenngleich abgeschwächt. Dämpfend wirkten sich ein schwieriges außenwirtschaftliches Umfeld und temporäre Sondereffekte in der Automobilindustrie aus. Die Sondereffekte laufen aber allmählich aus. Ab dem Jahreswechsel ist mit zusätzlichen Impulsen durch die Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu rechnen. Dies ist die zusammenfassend positive Einschätzung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Dezember 2018.

Handelskonflikte, Währungsturbulenzen von Schwellenländern sowie geopolitische Konflikte belasten die Weltwirtschaft und haben die allgemeine Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung erhöht. Durch die Verschiebung der Abstimmung des britischen Parlaments zum Brexit-Abkommen ist das Risiko eines ungeordneten Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bis auf weiteres nicht abgewendet. Andererseits wirken ab dem Jahreswechsel zusätzliche konjunkturelle Impulse durch die Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen, wie etwa die steuerlichen Entlastungen durch die Erhöhung des Kindergeldes, des Kinderfreibetrages und des Grundfreibetrag, sowie der Ausgleich der kalten Progression.

Vom weltwirtschaftlichen Umfeld gehen gedämpfte Impulse aus. Sowohl die industrielle Erzeugung als auch der Welthandel schlossen das dritte Quartal 2018 schwach ab.

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts und kräftige Lohnzuwächse sorgen für günstige Rahmenbedingungen für den privaten Konsum. Die Erwerbstätigkeit überschritt im Oktober den Höchstwert von 45,2 Millionen Personen.

Deutschland befindet sich aktuell in einer Hochphase, aber die Wirtschaftsdynamik nimmt ab. Der BGA teilt die Einschätzung des BMWi zur aktuellen Lage, sieht die weitere Entwicklung allerdings verhaltener. Nach seiner Einschätzung belasten das erschwerte außenwirtschaftlichen Umfeld und die Engpässe bei Fachkräften das Wachstum. Hinzu kommen Erschwernisse durch die schleppende Modernisierung in der Infrastruktur. Entlastende Impulse, vor allem für Familien, fördern zwar die Binnennachfrage, ändern aber nichts an den im internationalen Umfeld immer weniger attraktiven Rahmenbedingungen für Unternehmen.  [Michael Alber]