Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 18 | 8. September 2022

Aktuell

Drittes Entlastungspaket ist nicht der große Wurf

Zur Einigung der Ampel-Koalition auf ein drittes Entlastungspaket äußert sich BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura:

"Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels sind zwischen Hammer und Amboss. Die Strom-, Gas- und Spritkosten belasten uns massiv. Das dritte Entlastungspaket will darauf Antworten geben, enthält aber nur viele kleinteilige Maßnahmen. Um es deutlich zu sagen: Jeder Cent der Entlastung hilft. Aber der große Wurf für die Wirtschaft ist es nicht. Er löst nicht die der Inflation zu Grunde liegenden Probleme.“ 
"Die im Entlastungspaket angedeuteten Eingriffe in den Markt und die Höhe der weitestgehend unkonditionierten Hilfsmaßnahmen stimmt bedenklich. Wir dürfen und können nicht jedes Preissignal aus dem Markt ausgleichen. Sonst geht seine Lenkungswirkung verloren und wir verlassen Schritt für Schritt den Boden der Marktwirtschaft“, so Jandura weiter.

"Die Senkung und Dämpfung von Energiesteuern und Netzentgelten, die Verschiebung der CO2-Preiserhöhung, der Abbau der kalten Progression, die vorsichtige Anhebung der Pendlerpauschale sind positive Schritte. Eine steuer- und abgabenfreie Bonuszahlung bis zu 3.000 Euro dagegen ist in der jetzigen, angespannten Lage eher eine Belastung, die viele Unternehmen kaum schultern werden können. Ich habe den Eindruck, dass der Koalition die Entlastung aller Bevölkerungsgruppen immer noch wichtiger ist als ein koordiniertes Vorgehen für die Wirtschaft. Und das wäre dringend nötig. Ich hoffe, dass die Konzertierte Aktion stärker die Belange der Unternehmen in den Fokus nimmt“, schließt der BGA-Präsident.

BGA-Pressemitteilung vom 4. September 2022
 

Finanzierungsklima der Unternehmen gegenüber Vorjahr leicht verbessert

  • Finanzierungsklima noch unter dem Niveau der Vorkrisenjahre
  • Kreditnachfrage rückläufig
  • Corona-Pandemie hat den Trend zur Digitalisierung der Kontakte zwischen Unternehmen und Banken beschleunigt
  • Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei Unternehmen an Bedeutung
     

Das Finanzierungsklima für die Unternehmen und Betriebe in Deutschland, das heißt der Zugang zu Krediten, hat sich im Frühjahr gegenüber dem vergangenen „Lockdown-Jahr“ etwas verbessert. 41% der befragten Firmen beurteilten den Zugang zu Krediten als leicht (Vorjahr: 35%); während rund 24% die Aufnahme eines Kredits als schwierig einschätzten, was rund 2% weniger sind als im Jahr zuvor. Trotz dieser leichten Aufhellung bleibt das Finanzierungsklima unter dem Niveau der Vorkrisenjahre. Je nach Wirtschaftszweig zeigen sich deutliche Unterschiede. Vor allem im Dienstleistungssektor und im Einzelhandel bleibt das Finanzierungsklima angespannt. So schätzten mehr als 40% der befragten Dienstleistungsunternehmen den Kreditzugang als problematisch ein, weniger als 24% empfanden ihn als leicht. Unternehmen des Einzelhandels, des Groß- und Außenhandels sowie des Verarbeitenden Gewerbes bewerten den Kreditzugang etwas positiver. Am geringsten waren die wahrgenommenen Hürden im Baubereich.

Zugleich ist die Kreditnachfrage zurückgegangen, nachdem sie zu Beginn der Pandemie aufgrund des erhöhten Liquiditätsbedarfs der Unternehmen und Betriebe deutlich zugenommen hatte. Nur noch rund 44% haben im Jahr 2021 Kreditverhandlungen geführt – fast ein Drittel weniger als im ersten Corona-Jahr 2020. Dies zeigen die Ergebnisse zur Finanzierungssituation der diesjährigen Unternehmensbefragung, die die KfW jährlich gemeinsam mit Spitzenverbänden sowie Fach- und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft durchführt.

Die Chefvolkwirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, zu den Ergebnissen der Unternehmensbefragung 2022: „Nach einem deutlichen Einbruch in der Corona-Pandemie hat sich das Finanzierungsklima für Unternehmen und Betriebe bis zum Frühjahr dieses Jahres wieder verbessert. Der Ukrainekrieg und die Energiekrise stellen die Unternehmen jedoch vor neue Herausforderungen. Die schlechteren Konjunkturaussichten und die steigenden Zinsen zur Eindämmung der Inflation dürften sich perspektivisch negativ auf das Finanzierungsumfeld und den Kreditzugang der Unternehmen auswirken.“

Die Corona-Pandemie hat den Trend zur Digitalisierung der Kontakte zwischen Unternehmen und Banken beschleunigt. So gaben knapp 38% aller Unternehmen und Betriebe an, dass die Nutzung digitaler Kanäle wie E-Mail, Videotelefonie oder Chats seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 zugenommen habe, 3.6% berichteten von einer Abnahme. Zugelegt hat auch die Nutzung des digitalen Online-Bankings sowie der telefonische Kontakt. Stark abgenommen hat hingegen der persönliche Kontakt sowie die Nutzung der Bankfiliale. Je kleiner die Unternehmen sind, desto häufiger gaben sie an, die Schnelligkeit und Einfachheit der Kommunikation habe seit Beginn der Corona-Pandemie abgenommen.

Köhler-Geib weiter: “Das Thema Nachhaltigkeit ist jetzt in der Breite der Unternehmen angekommen und hat sich dort durchgesetzt. So hat es für 57% der Unternehmen aktuell einen hohen oder sogar sehr hohen Stellenwert, mehr als drei Viertel erwarten dies für die kommenden drei bis fünf Jahre, und dies unabhängig von der Branche oder Größe.“ Als wichtigsten Grund, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver auseinanderzusetzen, geben drei Viertel aller befragten Unternehmen und Betriebe gesellschaftliche Verantwortung an. Kundenanforderungen, die Senkung von Betriebskosten und gesetzliche Vorgaben sind weitere wichtige Motive.

Nachhaltigkeitsaspekte spielen auch bei Kreditverhandlungen eine Rolle. Dies bestätigen 18% der befragten Unternehmen. Unter den Unternehmen mit mehr als 50 Mio. EUR Jahresumsätzen liegt der Anteil bereits bei 30%. Die größten Hemmnisse für ein stärkeres Nachhaltigkeitsengagement sind fehlende personelle Ressourcen und fehlende finanzielle Mittel.

Gemeinsame Presseerklärung KfW, BGA, BDI, HDE, ZDH vom 1. September 2022

Über die Unternehmensbefragung: Die Befragung wurde zum 21. Mal unter Unternehmen und Betrieben aller Größenklassen, Wirtschaftszweige, Rechtsformen und Regionen durchgeführt. An der Erhebung nahmen knapp 1.700 Unternehmen aus 17 Spitzen-, Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft teil. Sie erfolgte im Zeitraum zwischen Mitte Dezember 2021 und Mitte April 2022 und bildet im Wesentlichen die Situation und Stimmungslage im Jahr 2021 ab. Die Unternehmensbefragung 2022 „Unternehmensbefragung 2022 Finanzierungsklima erholt sich von der Corona-Krise – Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung“ steht unter www.kfw.de/unternehmensbefragung zum Download zur Verfügung.
 

USA wieder wichtigster Absatzmarkt

„Die Vereinigten Staaten behaupten sich zunehmend als wichtigster Absatzmarkt für Produkte „Made in Germany“. Währenddessen nahmen die Nachfrageimpulse aus China deutlich ab, was nicht zuletzt in den restriktiven Corona-Maßnahmen begründet ist. Als Beschaffungsmarkt bleibt China aber weiterhin von überragender Bedeutung.“, so fasst BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura  die heute veröffentlichten Außenhandelszahlen zusammen.

Im Vormonatsvergleich sanken sowohl die Importe als auch die Exporte. Der langfristige Vergleich mit den Vorjahreswerten weist allerdings noch eine positive Entwicklung auf. Rückenwind erhalten die deutschen Exporte durch die Euroschwäche, die allerdings die Importe, insbesondere von fossiler Energie, zusätzlich verteuert.

„Das hoch risikoreiche weltwirtschaftliche Umfeld ist Gift für jede langfristige Investitionsentscheidung. Erschwert wird diese Situation durch die anhaltenden Lieferengpässe und Lieferverzögerungen. Für jede Unternehmerin und jeden Unternehmer steht die Diversifizierung der eigenen Lieferketten und die Sicherung der Energieversorgung daher ganz oben auf der Agenda. Dringend müssen wir gemeinsam Wege finden, diese Diversifizierung weiter voranzutreiben und nicht noch durch zusätzliche Bürokratieanforderungen zu erschweren. Daher brauchen wir ein mutiges Bekenntnis zum Freihandel. Wenn der Außenhandel uns erfolgreich durch Krisen tragen soll, müssen wir bei den Ratifizierungen schneller werden. Das CETA nun endlich durch den Bundestag geht, ist ein erstes richtiges Zeichen.“, schließt Jandura.

BGA-Pressemitteilung vom 18. August 2020