Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 16 | 11. August 2022

Aktuell

Müssen Zuversicht stärken

Zu den heute von Bundesfinanzminister Lindner vorgestellten Plänen für ein Inflationsausgleichsgesetz äußert sich der BGA-Chefvolkswirt Michael Alber wie folgt:

„Die Vorschläge Lindners sind ein längst überfälliges und wichtiges Signal an Bürger und mittelständische Unternehmen. Wirksame Entlastungen in der Breite sind längst überfällig. Sie sind ein notwendiges Zeichen gegen Rezession. Mit permanentem Klein-Klein kommen wir nicht weiter. Deswegen müssen weitere Schritte folgen. Es ist an der Zeit, wieder zu einer systematischeren Steuerpolitik zurückzukehren. Wir müssen die Zuversicht stärken, auch wenn es finanziell zuerst etwas kostet. Entlastungen zur Stärkung von Dynamik und Investitionen müssen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Steuererhöhungen würden dagegen in der angespannten wirtschaftlichen Situation ein kontraproduktives Signal setzen.“

BGA-Kurzstatement vom 10. August 2020
 

Fachkräftemangel im Großhandel auf Rekordniveau

Bei der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo Instituts klagen 36,3 Prozent der Großhändler in Deutschland über Fachkräftemangel. Dazu der BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura:

"Wir haben ein Rekordniveau beim Fachkräftemangel erreicht. Das Problem brennt uns auf den Nägeln. Dieses liegt an einer erleichterten und vor allem unbürokratischen Zuwanderung von Fachkräften. Wir müssen die Hürden zur Anerkennung der Qualifikationen senken. Es braucht zentrale Anlaufstellen, am besten bereits bei den deutschen Auslandsvertretungen und digital. Die bisherigen Verfahren, dass die Vergleichbarkeit von ausländischen Berufsabschlüssen bereits aus dem Ausland bei den örtlichen IHKs in Deutschland beantragt werden muss, macht das Verfahren undurchsichtig und unnötig schwierig. Wir brauchen die Fachkräfte, entsprechend sollten wir ihnen dienstleistungsorientiert und ortsnah bei den Formalien entgegenkommen."

BGA-Kurzstatement vom 2. August 2022
 

Wir brauchen keine weitere Eskalation

„Heute blicken wir im deutschen Groß- und Außenhandel mit Sorge auf die Entwicklungen im Pazifik. Bei den aktuellen geopolitischen Instabilitäten halten wir es für zielführender, auf Provokationen zu verzichten. Wir brauchen keine weitere Eskalation des Konflikts und Verschlechterung der Wirtschaftsbeziehungen unserer zwei größten Handelspartner, den USA und China“, sagt BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura heute in Berlin.

Die heute vom statistischen Bundesamt veröffentlichen Außenhandelszahlen interpretiert Jandura wie folgt: „Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, da sie durch die Euroschwäche und den Preisanstieg verzerrt sind. Die im Handel mit China schwächeren Importzahlen verdeutlichen, dass bei einem Festhalten der chinesischen Regierung an der Null-Covid-Strategie auch mittelfristig nicht mit einer Entspannung der Lieferbeziehung zu rechnen ist. Solange unvorhersehbar komplette Städte in den Lockdown versetzt werden, bleibt das Risiko, dass ganze Wirtschaftssektoren lahmgelegt werden. Die strikte Corona-Politik belastet die gesamte chinesische Volkswirtschaft weiterhin sehr stark und damit auch die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.“
„Der Export wird nach wie vor vom transatlantischen Handel getragen. Insgesamt kann man feststellen, dass Groß- und Außenhandel bislang stabil durch die Krisen kommen. Dort, wo Unternehmen noch von gefüllten Auftragsbüchern profitieren, blicken sie aber dennoch sorgenvoll in den Herbst. Mit immens gestiegenen Energiekosten und ungewissen Gas- und Öllieferungen wird es nicht besser. Umso wichtiger ist es, den Freihandel mit unseren Wertepartnern zügig auszubauen und zu modernisieren. Handelsabkommen wie CETA, mit den Mercosur-Staaten, Neuseeland sowie den Verhandlungen zwischen der EU und Australien sind ein entscheidender Schritt, die deutschen Lieferketten resilienter auszugestalten. Genauso wichtig ist es, weitere Abkommen abzuschließen“, so Jandura weiter.

BGA-Pressemitteilung vom 3. August 2022