Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 16 | 11. August 2022

Arbeit & Soziales

Elektronische AU-Bescheinigung ab 1. Januar 2023 verbindlich

Jährlich werden mehr als 77 Millionen Arbeitsunfähigkeiten in Deutschland festgestellt und auf Papier in dreifacher Ausfertigung bescheinigt. Mit der Einführung der elektronischen AU-Bescheinigung sollen die Papierbescheinigungen entfallen. Vertragsärzte und -zahnärzte sind bereits verpflichtet, die AU-Bescheinigungen an die Krankenkassen digital zu übermitteln. Arbeitgeber und Steuerberater können seit dem 1. Januar 2022 im Rahmen eines Pilotverfahrens die eAU-Daten von den Krankenkassen abfragen. Hierzu haben Anbieter von Entgeltabrechnungs- und Zeiterfassungsprogrammen die Software zeitgerecht zum 1. Januar 2022 auf das eAU-Verfahren angepasst.

Ursprünglich war vorgesehen, dass Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer Mitarbeiter ab 1. Juli 2022 nur noch elektronisch bei der Krankenkasse abrufen sollten. Die Papierbescheinigung („gelber Schein“) sollte bis auf wenige Ausnahmefälle ausgedient haben. Aufgrund von Verzögerungen in der Umsetzung ist der Termin für die verpflichtende eAU aber auf den 1. Januar 2023 verschoben worden. Denn noch sind nicht alle Kassenarztpraxen an die dafür nötige Telematikinfrastruktur angebunden und melden die AU digital an die gesetzlichen Krankenkassen.

Ab 1. Januar 2023 entfällt die bisher im Entgeltfortzahlungsgesetz vorgesehene Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Vorlage der AU-Bescheinigung beim Arbeitgeber und die Ärzte stellen lediglich in Störfällen noch entsprechende Bescheinigungen aus. Ist demnach ein Nachweis für den Arbeitgeber erforderlich, kann dieser ab diesem Zeitpunkt nur noch im eAU-Verfahren erlangt werden.

Dann reicht es aus, wenn die Beschäftigten den Arbeitgeber weiterhin unverzüglich, aber formlos über die Krankschreibung informieren. Arbeitgeber sollen dann die Krankheitsdaten von der Krankenkasse ihres Beschäftigten elektronisch abrufen – wie auch bisher ohne Befunde oder Diagnosen.
Arbeitgeber sollten sich frühzeitig in der jetzt verlängerten Pilotphase mit dem eAU-System vertraut machen, die Daten zur Arbeitsunfähigkeit bereits elektronisch abrufen und die innerbetrieblichen Prozesse darauf anpassen.

Weiterführende Informationen:
Erklärfilm der BDA auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=ipBF0BKUwlk oder als Datei: https://arbeitgeber.de/wp-content/uploads/2022/07/BDA-Arbeitgeber-Erklaerfilm_Elektronische_Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung-2022-07.mp4
[Denis Henkel]