Direkt aus Berlin

Wochennachrichten aus Politik und Wirtschaft | Ausgabe 9 | 5. Mai 2022

Aktuell

Aussichten im Außenhandel trüben sich weiter ein

„Die Lieferkettenunterbrechungen durch den Krieg in der Ukraine und die Null-Covid-Strategie der Volksrepublik China belasten den Außenhandel massiv. Das trübt die Aussichten im Außenhandel weiter ein. Die direkten Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland sind erstmalig in den Außenhandelszahlen sichtbar. Im Vergleich zum Vormonat sanken im März die Exporte in die Russische Föderation um 62 Prozent.

Lieferverzögerungen, ausgefallene Lieferketten und ein Anstieg bei den Importpreisen von zuletzt 31 Prozent im März belasten gleichzeitig die Einfuhrseite. Auf der Ausfuhrseite kommt hinzu, dass die weltweite Verunsicherung zu einem Einbruch auch bei der Nachfrage auf den Auslandsmärkten führt. Auch die Exporte nach China sind zuletzt gesunken“, so BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura heute in Berlin zur Entwicklung des deutschen Außenhandels.

„Die Unternehmen suchen in dieser Situation nach neuen Lieferanten, um noch gefüllte Auftragsbücher überhaupt abwickeln zu können. Für die Mehrheit der Unternehmen ist eine kurzfristige Auswechslung von Lieferanten jedoch nicht möglich. Darüber hinaus belasten vor allem die hohen Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit. An einer Hinwendung zu einer klimaneutralen Wirtschaft sollte natürlich festgehalten werden. Gleichwohl sollte die Bundesregierung von weiteren Belastungen der Lieferketten durch zusätzliche Bürokratie derzeit absehen und die Diversifizierung der Lieferketten durch neue Handelsabkommen vorantreiben“, skizziert der BGA-Präsident die Forderungen an die Bundesregierung.

Das Statistische Bundesamt hatte heute die Außenhandelszahlen für März 2022 bekannt gegeben. Demnach wurden Waren im Wert von 120,6 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 117,4 Milliarden Euro importiert. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Exporte somit um 3,3 Prozent. Die Importe stiegen im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Prozent. Damit schloss die Außenhandelsbilanz im März 2022 mit einem Überschuss von 3,2 Milliarden Euro.

BGA-Pressemitteilung vom 4. Mai 2022
 

Durch Fahrermangel droht Versorgungskollaps

„Ohne schnelles Handeln droht durch den aktuellen Fahrermangel ein Versorgungskollaps. Schlechte Arbeitsbedingungen und das negative Image des Berufes sind die Hauptgründe für den Mangel an LKW-Fahrerinnen und -Fahrern“, so Carsten Taucke, Vorsitzender des BGA-Verkehrssauschusses zu den heute durch das statistische Bundesamt veröffentlichten Zahlen zur Situation der Berufskraftfahrerinnen und -fahrer.

„Es fehlen aktuell 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Jeder dritte LKW-Fahrer ist bereits über 55 Jahre alt – jedes Jahr gehen 30.000 Berufskraftfahrer in Rente. Demgegenüber fehlt es an jungen Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen“.

„Die problematischen Parkplatzsituationen für die Fahrerinnen und Fahrer an deutschen Autobahnraststätten zeigt es täglich:  es besteht dringender Handlungsbedarf – mit der breiten Unterstützung aus der Politik von Bund, Ländern und Kommunen. Erforderlich ist die Steigerung der Attraktivität insbesondere durch bessere Arbeitsbedingungen und marktgerechte Entlohnung sowie eine Verkürzung der Ausbildung“, so Taucke weiter.

„Und dies ist dringend notwendig. Zeigen uns doch die veröffentlichten Zahlen, dass in wenigen Jahren ein Drittel aller Fahrerinnen und Fahrer das Rentenalter erreichen wird. Das kann zu einem echten Problem werden: LKW-Fahrerinnen und LKW-Fahrer stellen nach wie vor eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft dar. Sie sind die Stütze der Logistik und sichern die unsere alltägliche Versorgung. Ich wünsche mir, dass dieser Berufsgruppe mehr Wertschätzung entgegengebracht wird“, so Taucke abschließend.
Die am Mittwoch veröffentlichen neuen Zahlen des Statistischen Bundesamt zeigen, dass es keine Trendwende nach oben gibt. Hervorzuheben ist zwar, dass die Zahl der Auszubildenen Ende 2020 höher als vor 10 Jahren ist. Es zeigt sich hingegen weiterhin, dass der Anteil der über 55-Jährigen deutlich höher ist, als bei Erwerbstätigen insgesamt. Berufseinsteiger unter 25 % Jahren gibt es kaum, diese machen gerade einmal 3 % aus. Auffällig gering ist mit 3 % auch der Frauenanteil in dieser Berufsgruppe. Insgesamt betrachtet sind 47 % aller Erwerbstätigen Frauen.

BGA-Pressemitteilung vom 4. Mai 2022

Wirtschaftswachstum mit Bremsspuren

„Das Wachstum der Wirtschaft legt erfreulicherweise auch in schwierigen Zeiten weiter zu. Die Bremsspuren aus dem Ukraine-Krieg sind aber kräftig. Durch die Corona-Pandemie und den notwendigen Strukturwandel hat sich bereits erheblicher Nachfragestau aufgebaut, der sich nun in seiner Breite in Lieferengpässen und steigenden Preisen spiegelt.

Mit entschlossenem Handeln und gezielten politischen Maßnahmen zur Abfederung der Folgen des Ukraine-Krieges werden unsere Unternehmerinnen und Unternehmer die enormen Herausforderungen meistern können“, erklärt BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura zur Veröffentlichung der Entwicklung des Bruttoinlandproduktes (BIP) im ersten Quartal 2022 durch das Statistische Bundesamt heute in Berlin.

„Wir erwarten aber von der Politik, dass sie weiterhin durch Entlastungen hilft, die Folgen des Ukraine-Krieges abzumildern - sowohl für Unternehmen als auch für die Endverbraucher. Besonders die steigende Inflation ist ein enormes Problem. Die Politik des billigen Geldes ist unverantwortlich“, so Jandura.

„Zugleich muss der strukturelle Wandel durch die Modernisierung der Rahmenbedingungen vorangebracht werden. Die deutschen Unternehmen brauchen mehr Freiraum und weniger Bürokratie, um auf Störungen in den Lieferketten zu reagieren und ihre Handelsbeziehungen zu diversifizieren", so Jandura abschließend.
Preis- und kalenderbereinigt ist das BIP gegenüber dem Vorquartal um nur 0,2 Prozent gestiegen, im Vorjahresvergleich lag es im ersten Quartal 2022 um 3,7 Prozent höher.

BGA-Pressemitteilung vom 29. April 2022

Deutsch-Französischen Motor hochfahren

Zur Wiederwahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron erklärt BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura:

„Ich gratuliere Emmanuel Macron zu seiner Wiederwahl. Sein Wahlsieg ist ein wichtiges Zeichen für Europa, besonders in dieser Zeit. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie vereint Europa und die westliche Welt agieren können. Europa war immer dann stark, wenn Frankreich und Deutschland gemeinsam vorangegangen sind.

Es ist Zeit, den deutsch-französischen Motor wieder hochzufahren, damit Europa in Handelsfragen nicht von den USA und China abgehängt wird. Mehr denn je liegt Deutschlands Zukunft in einem starken Europa, das seine geopolitische Rolle wieder bewusster nutzt, sich unabhängiger macht und in einer zunehmend multipolaren Welt eigene Akzente setzt, etwa mit neuen Handelsabkommen.“

BGA-Pressemitteilung vom 25. April 2022