„Direkt aus Berlin“-Beitragsserie gibt Einblicke in die Arbeit des IPD an der Schnittstelle von Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit.

Seit zehn Jahren unterstützt das Import Promotion Desk (IPD) Importeure bei ihrem Sourcing und vernetzt sie mit sorgfältig ausgewählten Produzenten aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Mit Erfolg: Über 1.000 Geschäftsabschlüsse konnte das IPD bereits vermitteln. In der aktuellen Serie stellt der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA), der 2012 das IPD gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation sequa gGmbH ins Leben gerufen hat, eine Auswahl der Sektoren vor, in denen das IPD aktiv ist. Insgesamt sind dies fünf Sektoren: natürliche Zutaten für Lebensmittel, Pharmazie und Kosmetik, frisches Obst und Gemüse, Schnittblumen, nachhaltige Holzprodukte und nachhaltiger Tourismus. Der erste Teil berichtet über den Schnittblumen-Sektor, zeigt die Bedeutung dieser Produktgruppe für die wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern auf und beschreibt Angebot und Nachfrage.

Im Schnittblumen-Sektor arbeitet das IPD mit Blumenfarmen aus Ecuador, Kolumbien und Kenia zusammen. Alle drei Länder bieten hervorragende klimatische Bedingungen für den Blumenanbau. Gleichmäßiges warmes Klima und viele Sonnenstunden sorgen nicht nur für kräftige und lange Stiele, sondern auch für große Blütenköpfe mit intensiven Farben. Die europäischen Einkäufer schätzen das breite Sortiment des IPD, wie die International Floriculture Trade Fair (IFTF) Anfang November zeigte. Der IPD-Messestand wurde als „one-stop shop“ wahrgenommen und das Interesse am vielfältigen Angebot aus den drei Ländern war groß.

Wirtschaftliche, soziale und ökologische Bedeutung des Schnittblumenhandels
Ecuador, Kolumbien und Kenia sind neben Äthiopien die bedeutsamsten Exportländer von Schnittblumen. Die Schnittblumenbranche spielt in diesen Ländern wirtschaftlich, sozial und auch ökologisch eine wichtige Rolle. „Die Bedeutung des Sektors für die nachhaltige Entwicklung in Entwicklungs- und Schwellenländern war das Motiv für das IPD, sein Engagement auf den Schnittblumen-Sektor auszuweiten“, sagt Dr. Andreas Gemählich, Spezialist für Sourcing + Markets beim IPD.
Schnittblumen sind in den drei Ländern ein wesentliches Exportgut und insbesondere in den ländlichen Regionen eine wichtige Einkommensquelle. Viele Arbeitskräfte – vor allem Frauen – sind in der Produktion beschäftigt. Grundsätzlich sind die Blumenfarmen und ihre Lage in den peripheren Regionen und abseits der großen Ballungszentren ein wichtiger Faktor für die Entwicklung in den ländlichen Gebieten: Durch den internationalen Blumenhandel kann Kapital in diese häufig vernachlässigten Regionen fließen. Aus ökologischer Perspektive bietet insbesondere der Anbau von Blumen in Gewächshäusern Potentiale. So lassen sich geschlossene (Ab-)Wasserkreisläufe und verminderte Einträge von Pestiziden in die Umwelt erreichen.

Vorteile des Direkthandels
Viele kleine Produzenten in den drei Ländern können wegen des fehlenden Zugangs zum EU-Markt ihre Schnittblumen nicht selbst exportieren und müssen daher ihre Ware an größere Farmen verkaufen, wodurch sie schlechtere Preise erzielen. Hier setzt das IPD an, indem es die kleinen Farmen auf die Anforderungen des europäischen Marktes vorbereitet. In Trainings und durch maßgeschneiderte Informationsangebote vermittelt das IPD Wissen und Kompetenzen, damit die Unternehmen ihre Produkte erfolgreich vermarkten und direkt nach Europa exportieren können.



Insbesondere im Schnittblumenhandel bieten der Direktimport viele Vorteile – auch für die europäischen Einkäufer. Denn auf beiden Seiten agieren kleine und mittelständische Unternehmen und verhandeln auf Augenhöhe. Die überschaubare Unternehmensgröße vereinfacht den direkten Austausch und eine stärkere Orientierung an den individuellen Kundenwünschen.Der Direkthandel ermöglicht zudem eine gute Rückverfolgbarkeit und macht die Einhaltung von Nachhaltigkeits- und Sozialstandards in der gesamten Lieferkette nachvollziehbar.
„Das Fundament für eine gute, erfolgreiche und nachhaltige Handelsbeziehung wird meist bereits zu Beginn gelegt, z.B. beim persönlichen Kennenlernen auf einer Messe oder bei einem Besuch des Unternehmens“, so der IPD-Experte Dr. Gemählich. „Dieser direkte Kontakt spielt in unserem Programm eine große Rolle, denn uns geht es darum, transparente und langfristig angelegte Partnerschaft aufzubauen.“

Vielfältiges und hochwertiges Angebot
Ecuador ist vor allem als Rosenland bekannt. Das IPD unterstützt neben Rosenproduzenten auch Produzenten von Nelken und Callas aus Ecuador. Zudem sind die IPD-Experten immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Produkten. Eine Farm im IPD-Programm hat sich z.B. auf den Anbau von Proteen spezialisiert, die sonst vor allem in Südafrika angebaut werden.

Kolumbien ist als Herkunftsland von Schnittblumen in Europa noch weniger bekannt. Doch auch hier überzeugt vor allem das vielfältige Angebot von Chrysanthemen, Schleierkraut und Hortensien und eine gute Qualität.
Im Kenia arbeitet das IPD mit Produzenten zusammen, die neben Rosen und Alstromerien eine große Vielfalt an Summer Flowers, wie zum Beispiel Hypericum und Kängurupfote, anbauen.

IPD-Services: Vom Sourcing bis zum Matchmaking
Auf Sourcing Missions besuchen die IPD-Experten die Blumenfarmen und evaluieren das Produktangebot sowie die Herstellungsbedingungen vor Ort. Neben Produktqualität, Exportfähigkeit und -kapazität spielen Zertifizierungen sowie Umwelt- und Sozialstandards eine wachsende Bedeutung. Das IPD stellt den Importeuren nur Produzenten vor, die zuvor anhand festgelegter Kriterien überprüft und bewertet wurden. Die Services des IPD sind für europäische Importeure kostenfrei.

Das internationale Sourcing von Produkten und Lieferanten ist für Unternehmen mit großem Aufwand und Risiko verbunden. Das IPD übernimmt das Sourcing, stellt den Einkäufern fundierte Informationen über Produkte sowie neue Märkte zur Verfügung und vermittelt ihnen den Kontakt zu den Unternehmen – insbesondere auf internationalen Fachmessen, aber auch im Rahmen von virtuellen B2B-Veranstaltungen.

Darüber hinaus organisiert das IPD für Importeure Beschaffungsreisen in die IPD-Partnerländer, bei denen Importeure persönliche Kontakte zu ausgewählten Züchtern knüpfen und sich vor Ort von der Produktqualität und den Produktionsbedingungen ein Bild machen können. In diesem Jahr reisten z.B. Einkäufer aus Deutschland und den Niederlanden nach Kolumbien und besuchten 12 Blumenfarmen rund um Bogotá und in Antioquia. Eine weitere Einkäuferreise ist Anfang Juni 2023 nach Kenia geplant.



Kontakt:
Import Promotion Desk, Dr. Andreas Gemählich
Spezialist für Sourcing + Markets im Bereich Schnittblumen des IPD
E-Mail: gemaehlich@importpromotiondesk.de
www.importpromotiondesk.de