Außenhandelspolitik
Unsere Position
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) setzt sich für einen regelbasierten Freihandel mit nachhaltigem Charakter ein. Freier Handel ist existenziell für das deutsche Wirtschaftsmodell und ein globaler Motor für Wohlstand und Armutsminderung. Offene Märkte stärken Wachstum, Produktivität und Beschäftigung – insbesondere der Mittelstand profitiert unmittelbar vom Abbau von Handelsbarrieren.
Der BGA befürwortet multilaterale Lösungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO), unterstützt gleichzeitig aber auch bei ausbleibendem Fortschritt umfassende bilaterale Freihandelsabkommen. Das Allgemeine Präferenzsystem (APS) für Entwicklungsländer muss in seinen Grundzügen erhalten bleiben. Handelsschutzmaßnahmen sind restriktiv einzusetzen.
Interessenvertretung und politischer Dialog
Der BGA beteiligt sich an Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission, begleitet den europäischen Gesetzgebungsprozess und bei Handelsabkommen die Verhandlungsführung der Europäischen Kommission aktiv. Wir bringen unsere Positionen auch über europäische Dachverbände sowie im direkten Dialog mit der Bundesregierung ein. Im Bereich Handelserleichterung engagiert sich der BGA in der Nationalen Allianz zur Umsetzung des WTO-Abkommens für Handelserleichterungen (Trade Facilitation Agreement, TFA), deren Geschäfte er gerade führt. Handelsschutzverfahren der Europäischen Kommission werden verfolgt und aus der Perspektive der importierenden Wirtschaft kommentiert.
Bedeutung für Branche und Wirtschaft
Freier Handel sichert Arbeitsplätze, stärkt Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht internationales Wachstum. Das EU-Freihandelsabkommen mit Südkorea (in Kraft seit 2011) baute 98,7 Prozent aller Zölle ab und steigerte das bilaterale Handelsvolumen messbar. Das APS ist beispielsweise für importierende Unternehmen ein tägliches Arbeitsinstrument, das Einkaufspreise und Lieferantenentscheidungen direkt beeinflusst. Laut WTO-Schätzungen könnten durch vollständige Umsetzung des Trade Facilitation Agreement die weltweiten Handelskosten um 12,5 bis 17,5 Prozent gesenkt werden.
Zunehmender globaler Protektionismus
Die Welthandelsordnung steht unter zunehmendem Druck. Die multipolare Welt – geprägt insbesondere durch den systemischen Konflikt zwischen den USA und China – führt dazu, dass Handelspolitik verstärkt als geopolitisches Instrument eingesetzt wird. Wirtschaftliche Verflechtung wird nicht mehr primär als Wohlstandsquelle, sondern als strategische Abhängigkeit bewertet. Die Folge: steigende Handelsbarrieren, zunehmende Abschottungstendenzen und schwindendes Vertrauen in regelbasierte Systeme.
Ein prägnantes Beispiel sind die einseitigen Pauschalzölle der US-Administration unter Präsident Trump, die ab dem Jahr 2025 auf Importe aus zahlreichen Ländern – darunter enge Handelspartner und Verbündete – erhoben wurden. Diese Maßnahmen wurden ohne WTO-konforme Grundlage eingeführt und stellen eine direkte Missachtung des regelbasierten Handelssystems dar. Für den deutschen Außenhandel entstehen dadurch unmittelbare Kostensteigerungen und Planungsunsicherheit entlang internationaler Lieferketten.
Der BGA fordert die Europäische Union auf, geschlossen und verhandlungsbasiert auf protektionistische Maßnahmen zu reagieren – mit dem Ziel, den regelbasierten Handel zu verteidigen und Eskalationsspiralen zu vermeiden.
Bilaterale Handelsabkommen
Die WTO-Verhandlungen der „DOHA Development Agenda“ stagnieren seit über zwei Jahrzehnten. Ohne bilaterale Abkommen entstehen Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen. Der BGA setzt sich insbesondere für die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten, Indien, Mexiko und Indonesien ein sowie für den Abschluss laufender Verhandlungen mit Malaysia und den Philippinen.
Reform der Welthandelsorganisation (WTO)
Die Welthandelsorganisation (WTO) ist das zentrale institutionelle Fundament des regelbasierten Welthandels. Ihre Funktionsfähigkeit ist jedoch seit Jahren eingeschränkt: Das Berufungsgremium des Streitbeilegungsmechanismus ist seit dem Jahr 2019 aufgrund von Blockaden durch die USA nicht mehr beschlussfähig, multilaterale Verhandlungen stagnieren und neue geopolitische Konfliktlinien erschweren den Konsens.
Der BGA setzt sich für eine umfassende Reform der WTO ein, die das Streitbeilegungssystem wiederherstellt, die Verhandlungsfähigkeit der Organisation stärkt und das Regelwerk an neue Realitäten – etwa digitalen Handel oder Subventionswettbewerb - anpasst. Eine handlungsfähige WTO ist keine Option, sondern Voraussetzung für stabilen, regelbasierten Welthandel.
Einsatz von Handelsschutzinstrumenten durch die EU
Der übermäßige Einsatz von Antidumpingzöllen belastet insbesondere mittelständische Importeure, die Mehrkosten nicht weitergeben können. Das Anti-Coercion-Instrument der EU (eingeführt 2023) birgt bei niedrigem Eingriffsschwellenwert das Risiko eskalierender Handelskonflikte.
Allgemeines Präferenzsystem (APS)
Häufige Änderungen der Ursprungsregeln und wachsende Dokumentationspflichten erhöhen den administrativen Aufwand für Importeure. Viele Unternehmen nutzen das APS trotz Berechtigung nicht mehr, was die entwicklungspolitische Wirksamkeit des Instruments schmälert. Das System muss benutzerfreundlich bleiben.
Politische Einordnung
Offene Märkte, regelbasierter Handel und der Abbau von Bürokratie sind für den BGA keine Einzelthemen, sondern zusammenhängende Bausteine einer funktionierenden Außenhandelspolitik.

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Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
10117 Berlin
Die internationale Handelspolitik ist von zentraler Bedeutung für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Vor diesem Hintergrund setzt sich Herr Schwenke im BGA für einen offenen, globalen und regelbasierten Handel ein. Er engagiert sich insbesondere für den Abschluss neuer Handelsabkommen, eine Stärkung und Reform der WTO sowie für die Verteidigung offener Märkte gegenüber dem weltweit zunehmenden Protektionismus. Neben der Handelspolitik verantwortet er im BGA außerdem die Abteilungen Entwicklungszusammenarbeit und Projekte.