22.06.2026

Konjunktur in Deutschland: Dämpfer im Frühjahr

Im Frühjahr 2026 zeichnet sich eine Abschwächung der konjunkturellen Dynamik im zweiten Quartal ab. Dies ist zusammenfassend die Bewertung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Juni 2026. Das BMWK prognostiziert eine grundsätzlich verhaltene Tendenz in der Industrie und einen Abschwung im Dienstleistungssektor, im Einzelhandel und im Gaststättengewerbe. Auslöser dafür sind die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten und den daraus resultierenden gestiegen Preisen für Energie und Rohstoffen. Hinzu kommt eine geminderte Konsumlaune. Die Schwäche der deutschen Wirtschaftsleistung kommt im realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Ausdruck, das im ersten Quartal nur um 0,5 Prozent stieg und nun im zweiten Quartal wohl um -0,2 Prozent fallen wird. Die Inflation lag im Mai mit 2,6 Prozent noch immer deutlich über der Zielmarke.

Die Konjunkturindikatoren zeigen nach der Einschätzung des BMWK insgesamt ein ambivalentes Bild. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe fiel im ersten Quartal um -0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Produktion in der Industrie stagnierte. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Energiesektor, der mit 0,2 Prozent ebenfalls kaum Wachstum aufweist. Hingegen liegt im Baugewerbe aufgrund besserer Wetterbedingungen ein Plus in Höhe von 2,4 Prozent vor. Innerhalb der Industrie entwickelten sich die Wirtschaftszweige jedoch unterschiedlich: Produktionsausweitungen konnten bei der Herstellung Pharmazeutischer Erzeugnisse (+3,0 Prozent) und Metallerzeugnisse (+1,6 Prozent) verzeichnet werden. Hingegen wurde die Produktion in den Wirtschaftszweigen Kfz- und Kfz-Teile (-4,7 Prozent) sowie der Kokereien und Mineralölverarbeitung (-2,9 Prozent) gedrosselt.

Der weltweite Güterhandel ging im März im Vormonatsvergleich erstmals seit August 2025 mit einem Minus in Höhe von -2,1 Prozent deutlich zurück. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt er aktuell mit 2,9 Prozent im Plus. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index ist aufgrund der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus erneut gesunken und beläuft sich für den Monat April auf 141,2 Punkte. Im April verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe einen deutlichen Rückgang der Auftragseingänge, die im Vergleich zum Vormonat bereinigt um 3,8 Prozent einbrachen, wobei dieses Minus auch ohne Berücksichtigung von Großaufträgen bestand. Die Nachfrage im industriellen Sektor lag im Dreimonatsvergleich mit - 3,1 Prozent noch deutlich niedriger als vor einem Jahr. Dabei gingen im April sowohl aus dem Inland (-2,9 Prozent) als auch aus dem Ausland (- 4,2 Prozent) weniger Bestellungen ein.

Der BGA schätzt die Lage als dramatisch ein. Nicht nur weil äußere Faktoren wie die Eskalation in Nahost die ohnehin herausgeforderten Lieferketten noch weiter belasten, sondern weil die Bundesregierung sich nicht zu angebotsorientierten Reformen durchringen kann. Stattdessen werden mit neueren Vorhaben wie dem Arbeitszeitengesetz der Koalitionsvertrag erneut gebrochen. Es steht ein weiteres Quartal und - sofern weiterhin effektive Reformen ausbleiben – voraussichtlich auch ein weiteres rezessives Jahr bevor.

(Quelle: BMWK, Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juni 2026, Pressemitteilung vom 12. Juni 2026)

Bei Fragen und Anmerkungen wenden Sie sich bitte an Michael Alber (michael.alber@bga.de).