28.05.2026

Pharmagroßhandel 2025: Kosten fressen Handelsspanne auf

Anlässlich seiner Mitgliederversammlung in Berlin warnt der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) vor den Folgen drastisch gestiegener Kosten und fordert eine Vergütungsreform. Die Gesamtkosten im vollversorgenden Pharmagroßhandel haben 2025 mit über 1,5 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht, wie aus Zahlen des Instituts für Handelsforschung (IFH) hervorgeht. Sie übertreffen damit die Höhe der gesetzlichen Vergütung für verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx), der wichtigsten Einnahmequelle im Großhandel. „Unsere Kosten fressen auf, was wir im Rx-Bereich verdienen“, sagt der PHAGRO-Vorsitzende Marcus Freitag. „Damit erodiert die wirtschaftliche Grundlage der flächendeckenden Arzneimittelversorgung weiter.“
Im Vergleich zum letzten Vorkrisenjahr 2021, vor dem Beginn des Ukrainekriegs und anhaltender Krisen mit Inflations- und Kostensteigerungen, sind die Kosten im vollversorgenden Pharmagroßhandel um 35 Prozent in die Höhe geschossen. Besonders betroffen sind:
 

  • Fremdkapitalkosten: +164 Prozent (Zinsniveau bei immer mehr hochpreisigen Arzneimitteln)
  • Raumkosten: +51 Prozent (insbesondere Energiekosten für Betrieb der Niederlassungen)
  • IT-Kosten: +19 Prozent (u.a. für Cybersicherheit)
  • Tourenkosten: +19 Prozent (hohe Spritkosten, Mindestlohnerhöhungen)
  • Personalkosten: +14 Prozent

 
Die Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel und damit auch die Großhandelsvergütung sind gesetzlich festgelegt und reagieren nicht, wie in anderen Branchen, auf steigende Kosten. Damit fehlt den Vollversorgern ein zentraler betriebswirtschaftlicher Anpassungsmechanismus. „Wir tragen seit Jahren sämtliche Kostensteigerungen, ohne dass unsere gesetzliche Vergütung entsprechend erhöht wird“, sagt Kerem Inanc, stellvertretender Vorsitzender des PHAGRO. „Das Gesundheitswesen spart auf unsere Kosten – das ist nicht länger tragfähig.“
In einem Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatten Freitag und Inanc bereits im Februar darauf hingewiesen, dass der Großhandel 65 Prozent der Packungen mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln nicht mehr kostendeckend abgibt. Der PHAGRO fordert eine Erhöhung des Festzuschlags um 30 Cent pro Packung. „Eine strukturelle Reform der Arzneimittelpreisverordnung duldet keinen weiteren Aufschub“, betont Freitag.

PHAGRO-Pressemitteilung (Auszug) vom 20. Mai 2026