Internationaler Agrarhandel sollte ausgebaut werden und braucht handhabbare Regeln
Internationalen Agrarhandel ausbauen, Märkte diversifizieren
Der BGA setzt sich für einen regelbasierten Handel mit vielen Partnern ein. Dies gilt mehr denn je in so bewegten Zeiten wie der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart. Pandemien, weltweit auftretende Tierseuchen wie die hochpathogene aviäre Influenza (Geflügelgrippe) oder die Afrikanische Schweinepest, aber auch militärische Konflikte wie in der Ukraine oder im Iran wirken sich auf den Handel aus. Um Abhängigkeiten zu vermeiden und auf die Herausforderungen flexibel reagieren zu können, sollten möglichst viele Absatz- und Bezugsmärkte erschlossen werden.
Es braucht handhabbare Regeln
Der BGA macht sich für klare und handhabbare Regeln stark, die kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) nicht überfordern. Denn der weit überwiegende Teil der im internationalen Agrarhandel tätigen Unternehmen ist klein und mittelständisch organisiert. Diese Firmen sollen sich auf die Erfüllung ihrer wichtigen Aufgaben fokussieren können und nicht von unnötiger Bürokratie behindert werden.
Internationaler Agrarhandel sichert Ernährung, bringt Vielfalt und trägt zur Nachhaltigkeit bei
Der Handel mit Agrargütern und Nahrungsmitteln erfüllt eine Vielzahl an Aufgaben: In erster Linie sorgt er für ein vielfältiges, gesundes und ausreichendes Nahrungsangebot für alle. Agrargroßhändler liefern ihren Kunden sowohl einheimische Produkte als auch solche, die national nicht oder nicht ausreichend produziert werden.
Darüber hinaus trägt internationaler Agrarhandel zur Nachhaltigkeit bei. Zum Beispiel dann, wenn Teile von Tieren im Produktionsland nicht verzehrt werden, für diese aber in anderen Ländern ein Markt besteht. Schweineohren und -füße etwa finden in Deutschland so gut wie keine Abnehmer mehr. In China hingegen werden sie als Delikatessen sehr geschätzt. Ebenso ist es sinnvoll, dass Regionen das produzieren, was unter ihren örtlichen Bedingungen am besten hergestellt werden kann. Der Handel ermöglicht es, Ressourcen umfassend und nachhaltig zu nutzen.
Zudem leistet internationaler Agrarhandel einen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers: Die unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten auf der Welt bringen es mit sich, dass nicht überall dort, wo Menschen leben, ausreichend Lebensmittel angebaut werden können. Daher ist es richtig, an Gunststandorten, wo besonders gute Produktionsbedingungen herrschen, viel zu produzieren und national nicht benötigte Mengen dorthin zu liefern, wo diese fehlen. Beispielsweise gibt es weltweit nur zehn bis 15 Länder, die Getreide exportieren – darunter auch Deutschland –, und über 150 Länder, die auf Getreideimporte angewiesen sind.
Interessenvertretung im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft
Die politische Musik spielt im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft in Brüssel, denn weite Teile der einschlägigen Regelungen sind harmonisiert. Daher ist der BGA im regelmäßigen und engen Austausch mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament sowie dem Deutschen Bundestag. Die Abstimmung darüber, welche Positionen in den politischen Prozess eingebracht werden, erfolgt im BGA-Ausschuss für Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Herausforderungen: Misstrauen statt Vertrauen
Globale Lieferketten geraten infolge von geopolitischen Spannungen, global auftretenden Seuchen und Klimaveränderungen sowie steigenden regulatorischen Anforderungen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wächst der Anspruch an Nachhaltigkeit, Transparenz und Versorgungssicherheit. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, braucht es verlässliche Handelsbedingungen, offene Märkte sowie praktikable regulatorische Rahmenbedingungen, die internationale Warenströme nicht unnötig behindern. Den Unternehmen sollte wieder mehr Vertrauen entgegengebracht werden, anstatt sie mit immer neuen Anforderungen und Kontrollen zu belasten.
EU muss attraktiver Partner bleiben
Eine zukunftsfähige Handelspolitik für die Agrar- und Ernährungswirtschaft sollte die Bedeutung offener Märkte und funktionierender internationaler Lieferketten anerkennen. Ziel muss es sein, globale Produktionspotenziale effizient zu nutzen, nachhaltige Wertschöpfung zu fördern und gleichzeitig einen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung zu leisten. Wenn der Spagat zwischen hohen europäischen Anforderungen und Standards auf der einen sowie einer auch für KMU handhabbaren Regulierung auf der anderen Seite gelingt, bleibt die EU ein attraktiver Partner.

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Sebastian Werren
Abteilungsleiter Agrar + Ernährungswirtschaft
10117 Berlin
Nahrungsmittel sind Lebensgrundlage für alle. Sie erfordern und geben Arbeit. Und sie lösen Emotionen aus, sei es durch ihren Genuss oder den Streit über die richtige Ernährung oder Produktionsweise. Lebensmittel entsprechen in Deutschland höchsten Standards und verdienen ebensolche Wertschätzung. Daher ist es wichtig, dass für sie die bestmöglichen Rahmenbedingungen herrschen. Dafür setze ich mich ein.
- Positionspapier NGT (10. November 2025)
Tierhaltungskennzeichnung (19. Januar 2023) - Positionspapier von Verbänden der Agrar-, Gartenbau- und Ernährungswirtschaft zu der künftigen Regulierung der neuen genomischen Techniken in der Landwirtschaft (17. Januar 2023)
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