Wie verändert Künstliche Intelligenz die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland?
Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) wird es zwar eine Steigerung der Produktivität geben - ein Produktivitätswunder durch KI ist in Deutschland in den nächsten Jahren aber nicht zu erwarten. Zudem: Um überhaupt die Chancen durch KI zu nutzen, muss die Politik möglichst schnell wesentliche Verbesserungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Weg bringen. Das sind Kernaussagen der Studie „Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern?“, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft erstellt hat.
Bei der Präsentation der Studie am 18.03.2025 im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin betonte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov die wachsende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für die deutsche Wirtschaft. “Wir erleben gerade spannende Tage mit enormen globalen Herausforderungen und einer schweren Wirtschaftskrise im eigenen Land. Dabei zeigt sich, dass viele der Probleme struktureller Art sind – also hausgemacht. Aber es gibt aktuell auch große Chancen, Dinge konkret zu verbessern. Das betrifft vor allem die rasante technologische Entwicklung, die wir stärker nutzen müssen. Das gilt insbesondere für den Bereich der KI.”
Bei der Veranstaltung in der DIHK mit 100 Gästen aus Politik und Wirtschaft stellte Hubertus Bardt vom IW die zentralen Ergebnisse der Studie vor. Expertinnen und Experten aus den Mitgliedsverbänden des Gemeinschaftsausschusses und aus der Politik diskutierten anschließend auf zwei Panels, ob und wie KI das Produktionspotenzial Deutschlands dauerhaft steigern kann und welche positiven Auswirkungen in verschiedenen Branchen vor allem bei der Lösung des Fachkräfteproblems zu erwarten sind.
Deutschland nutzt Potenzial von KI-Anwendungen noch unzureichend
Die Studie zeigt, dass bisher immer noch relativ wenige Unternehmen hierzulande KI aktiv einsetzen: Nur jedes vierte bis fünfte Unternehmen wendet die Technologie an. Im internationalen Vergleich ergibt sich ein gemischtes Bild. Bei der Einführung von KI in Unternehmen liegt Deutschland noch über dem EU-Durchschnitt, aber bereits hinter EU-Spitzenreitern Dänemark, Finnland und Niederlande auf Platz elf. Auch in der Forschung und bei der Anzahl der notwendigen Supercomputer belegt Deutschland einen vorderen Platz, fällt aber bei der Verfügbarkeit und Weiterverwendung der Daten im OECD-Vergleich weit zurück (Platz 24). Das Fazit der Studie: KI-Anwendungen bieten ein großes Potenzial zur Erhöhung der Produktivität in Deutschland, wir nutzen dieses Potenzial bisher aber nur unzureichend.
In einer Projektion für die Jahre 2025 bis 2030 erwartet das IW Köln für Deutschland ein jährliches Produktivitätswachstum von 0,9 Prozent und für die Jahre 2030 bis 2040 von 1,2 Prozent. In den 2020er Jahren hat Deutschland ein Produktivitätszuwachs von lediglich 0,4 Prozent erreicht, wobei die Coronazeit zu berücksichtigen ist. KI-Anwendungen erhöhen also perspektivisch unser Potenzial, ein von vielen erhofftes „Produktivitätswunder“ wird aber ausbleiben.
KI-Anwendungen dürften sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken
Mit dem Einsatz von KI gehen Hoffnungen, aber auch Sorgen bezüglich der Beschäftigung einher. Es wird erwartet, dass Arbeitsschritte automatisiert und Tätigkeiten übernommen werden – was menschliche Arbeit erweitern und ergänzen, aber eventuell auch ersetzen kann. Die Datenlage deutet insgesamt auf einen positiven Saldo dieser Effekte hin. KI wird sich also positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Dies ist jedoch kein Selbstläufer und stellt hohe Anforderungen an die Unternehmen auf allen betrieblichen Ebenen und an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Politik sollte für bessere Rahmenbedingungen sorgen und Unternehmen ihr Personal weiterbilden
Um die Nutzung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland voranzubringen, gibt das IW eine Reihe von Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. So sollte die Bundesregierung die EU-Verordnung zur Künstlichen Intelligenz („AI ACT“) zeitnah umsetzen. Das würde Rechtssicherheit für die betroffenen Unternehmen schaffen. Kleine und mittlere Unternehmen brauchen zusätzlich praxisnahe Checklisten und andere Umsetzungshilfen, um den „AI Act“ aufwandsarm und regelkonform umsetzen zu können. Weiterhin muss die Bundesregierung darauf hinwirken, dass der „AI Act“ auf EU-Ebene regelmäßig evaluiert und an aktuelle Erfordernisse angepasst wird, um neueste Entwicklungen abzubilden. Die nächste Bundesregierung sollte zudem die Infrastruktur für KI fit machen. Dazu gehören bspw. der Bau von neuen Rechenzentren und die Ausweitung des Breitbandnetzes, denn vor allem die Qualität der Dateninfrastruktur wird bestimmen, ob wir KI erfolgreich einsetzen und anwenden können. Auch bei diesen Investitionsmaßnahmen wird es auf schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren ankommen.
Auch die Unternehmen müssen bei der Ausschöpfung der Potenziale von KI aktiv werden. Digitalisierung und Datenmanagement in den Betrieben sind wichtige Grundlagen für eine erfolgreiche KI-Anwendung. Schulungen und Weiterbildungen für rechtskonforme Anwendung und unternehmensorientierte Umsetzung sind unabdingbar.
Die Studie ist im Rahmen des DIHK-Vorsitzes im Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft entstanden. Sie finden SIe hier. Dem Gemeinschaftsausschuss gehören folgende Mitglieder an:
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Handelsverband Deutschland (HDE), Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bundesverband deutscher Banken (BdB), Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV), Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), DER MITTELSTANDSVERBUND (ZGV), Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Verband Deutscher Reeder (VDR), Centralvereinigung Deutscher Wirtschaftsverbände für Handelsvermittlung und Vertrieb (CDH).
Gastverbände: Bundesverband der Freien Berufe; Deutscher Bauernverband


Iris von Rottenburg
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