Nur erhalten oder in die Zukunft investieren?
Zukunftsthemen der Logistik und Mobilität standen im Mittelpunkt der ersten gemeinsamen LOAD-Infrastrukturkonferenz. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten über die Herausforderungen, die den Verkehrssektor in den kommenden Jahren prägen werden – und wie sie zu bewältigen sind. Susanne Landwehr (DVZ) führte durch das Programm. Die „LOAD – Logistik, Optimierung, Automatisierung, Digitalisierung“ von BGA und DSLV organisiert, fand am 24. September 2025 statt.
In seiner lebhaften Eröffnung betonte BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura, dass die Optimierung von Lagerkapazitäten, On-Time-Delivery sowie die Konsolidierung von Waren- und Datenströmen entlang der Lieferkette essentiell für die Wettbewerbsfähigkeit geworden sind. Er forderte von der Politik eine mutige Vision für die Verkehrsinfrastruktur und den Willen zum Handeln.
Die fachliche Keynote von Matthias Magnor (BGL) hatte eine klare Botschaft: Deutschlands Infrastruktur ist das Rückgrat von Wirtschaft, Handel und Verteidigungsfähigkeit – doch sie ist vielerorts nicht mehr zukunftsfest. Marode Brücken, überlastete Schienenkorridore, instabile Hafenanlagen und Funklöcher sind tägliche Realität. Das kostet Zeit, Geld, Wettbewerbsfähigkeit – und Vertrauen.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, forderte in seiner Keynote einen politischen Wechsel und dass ein Ruck durch das Land geht – mit mehr Pragmatismus und weniger ideologischen Blockaden. Er betonte, dass bei der Straße der Schwerpunkt auf dem Abschluss bestehender Projekte liegen müsse.
Tarek Al-Wazir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses und Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie und Verkehr a. D., hielt ebenfalls eine Keynote. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Tarek Al-Wazir MdB, betonte die zentrale Bedeutung der Logistik für die deutsche und europäische Wirtschaft. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, müsse die Bundesregierung in den kommenden Jahren die entscheidenden Infrastrukturfragen mit hoher Priorität angehen. Dabei gelte es einerseits, marode Brücken und Straßen durch klare Sanierungsvorhaben vor Neubauten zu modernisieren. Andererseits müsse das LKW-Ladenetz an den Bundesautobahnen zügig ausgebaut werden – insbesondere an bewirtschafteten Rastanlagen. Nur so könne verhindert werden, dass Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer ihre Ruhezeiten künftig auf unbewirtschafteten Parkplätzen verbringen müssen, weil nur dort Ladepunkte vorhanden sind.
Zentrale Frage der Redner und Teilnehmenden war, wie Deutschlands Verkehrs- und Versorgungsnetze so modernisiert werden können, dass sie den steigenden Anforderungen einer exportorientierten und digitalisierten Wirtschaft gerecht werden. Einigkeit herrschte darin, dass der Investitionsstau bei Straßen, Schienen, Wasserwegen, Häfen sowie Energie- und Digitalnetzen die Wettbewerbsfähigkeit massiv belastet. Die aktuell verfügbaren Haushaltsmittel – auch unter Berücksichtigung des Sondervermögens – reichen bei weitem nicht aus, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
Die Diskussionen machten deutlich, dass die Wirtschaft bereits heute in alternative Antriebe, digitale Technologien und neue Geschäftsmodelle investiert. Ohne eine leistungsfähige Infrastruktur geraten diese Anstrengungen jedoch ins Leere. Besonders kritisch sind der schleppende Ausbau des Ladenetzes für Lkw, fehlende Netzkapazitäten, hohe Investitionskosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Unternehmen bewegen sich damit in einem Spannungsfeld zwischen ambitionierten Klimazielen und realwirtschaftlichen Hürden – mit dem Risiko einer asymmetrischen Transformation.
Abgeschlossen wurde die Konferenz durch den Präsidenten des DSLV, Axel Plaß, der betonte, dass es politischer Einsicht und Bereitschaft bedürfe, Infrastrukturinvestitionen in künftigen Haushalten zu priorisieren und die Voraussetzungen für Strukturreformen zu schaffen.
Fazit: Deutschlands Infrastruktur muss wieder leistungsfähig werden, damit Logistik-, Groß- und Außenhandelsunternehmen produktiv, resilient und zukunftsfähig arbeiten können. Dafür braucht es nicht nur zusätzliche Investitionsmittel, sondern auch politischen Gestaltungswillen und die Bereitschaft, strukturelle Reformen entschlossen voranzutreiben.
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Michael Nitsche
Abteilungsleiter Digitalpolitik
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 582
michael.nitsche@bga.de

Lena Schlett
Abteilungsleiterin Verkehr + Logistik
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 513
lena.schlett@bga.de

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