29.10.2026

Großhandel eine unterschätzte, aber unverzichtbare Wirtschaftsgröße

„Der Großhandel ist eine zentrale Versorgungs- und Distributionsinfrastruktur der deutschen Wirtschaft. Er wird jedoch in seiner gesamtwirtschaftlichen Bedeutung systematisch unterschätzt. Ohne den Großhandel wären viele Wertschöpfungsketten anderer Wirtschaftszweige nicht leistungsfähig. Er verbindet Produzenten und Abnehmer, stabilisiert Wertschöpfungsketten und übernimmt unverzichtbare Aufgaben in der Logistik, der Sortimentstiefe, der Finanzierung, der Beratung und bei Prozessabläufen. Dank hoher Produktivität und attraktiver Einkommen trägt der Großhandel substanziell zum Wohlstand bei.“ Dies erklärt BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura zu der neuen Großhandelsstudie. Die Studie wurde von IW Consult, Köln, im Auftrag des BGA erstellt.
 

Starke Leistung, große Wirkung
 

Mehr als ein Drittel aller Handelswarengeschäfte in Deutschland wird über den Großhandel abgewickelt. Kein anderer Wirtschaftssektor erreicht einen vergleichbaren Anteil. Auch bei der Wertschöpfung spielt der Großhandel in der ersten Liga: Mit einem Anteil von 5,4 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung liegt er vor der Automobilindustrie (3,7 Prozent) und der Bauwirtschaft (5,1 Prozent).
 

Seine Bedeutung reicht weit über die eigene Branche hinaus. Jeder Euro Wertschöpfung im Großhandel löst durch Verflechtungen mit anderen Wirtschaftszweigen insgesamt 1,54 Euro Wertschöpfung aus. Der Großhandel sichert damit nicht nur die Versorgung mit Waren, sondern stärkt auch zahlreiche weitere Bereiche der Wirtschaft.
 

Produktiver, leistungsfähiger, attraktiver
 

Auch bei der Produktivität legt der Großhandel zu. Die reale Wertschöpfung je Erwerbstätigenstunde ist zwischen 2015 und 2024 stärker gestiegen als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Lag die Produktivität 2015 noch rund 13 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Mittel, waren es 2025 bereits 21 Prozent. Auch gegenüber der Industrie rückt der Großhandel näher: Der Abstand verringerte sich von 9,5 Prozentpunkten im Jahr 2015 auf 5,5 Prozentpunkte im Jahr 2024.

 

Treiber dieser Entwicklung sind wertschöpfungsintensivere Tätigkeiten, Innovationen und qualifizierte Fachkräfte und Spezialisten. Die hohe Leistungsfähigkeit zahlt sich auch für die Beschäftigten aus: Die Arbeitnehmerentgelte je geleisteter Arbeitsstunde liegen rund 17 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Der Großhandel ist damit nicht nur ein leistungsfähiger Wirtschaftszweig, sondern auch ein attraktiver Arbeitgeber.

 

Digitalisierung als Schlüssel zur Zukunft 

Trotz seiner Stärke steht der Großhandel unter erheblichem Druck. Zwischen 2015 und 2025 wuchsen seine Umsätze real im Durchschnitt nur um 0,9 Prozent pro Jahr. Angesichts globaler Herausforderungen und des tiefgreifenden Strukturwandels reicht dieses Tempo kaum aus.
 

Gleichzeitig bringt der Großhandel gute Voraussetzungen mit, um den Wandel erfolgreich zu gestalten. Im europäischen Vergleich ist er überdurchschnittlich digitalisiert: 47 Prozent der deutschen Großhandelsunternehmen weisen einen hohen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad auf. Über alle Branchen hinweg liegt der Anteil in Deutschland bei 42 Prozent, im europäischen Großhandel bei 40 Prozent.

 

Doch es bleibt Luft nach oben. Ein erheblicher Teil des Geschäfts läuft weiterhin über klassische, nicht digitale Absatzkanäle. Die konsequente Weiterentwicklung digitaler Prozesse ist deshalb entscheidend, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
 

BGA fordert bessere Rahmenbedingungen

 
Der BGA wird seine Mitgliedsverbände und Unternehmen dabei unterstützen, die Digitalisierung voranzutreiben und weitere drängende Standortfragen anzugehen. Zugleich braucht der Großhandel bessere politische Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, niedrigere Kosten sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Notwendige Modernisierungen müssen durch wirksame Reformen des Rechtsrahmens ermöglicht werden. Nur so kann der Großhandel seine Leistungsfähigkeit weiter ausbauen und einen noch größeren Beitrag zu Wachstum und Wohlstand leisten.

 

Der BGA dankt seinen Branchen- und Fachverbänden für ihre Unterstützung bei der Erstellung der IW-Studie. Ihre Hinweise und ihre Mitwirkung an der Umfrage von IW Consult haben dazu beigetragen, die volkswirtschaftliche Bedeutung des Großhandels umfassend und aktuell abzubilden. Die Ergebnisse machen deutlich: Der Großhandel ist eine unverzichtbare, aber häufig unterschätzte Größe in Deutschlands Wertschöpfungskette. 

 

Die IW-Studie „großhandel in deutschland – Eine unterschätzte Wirtschaftsgröße“ kann hier angeschaut werden. angeschaut werden und hier heruntergeladen werden.

 

Der BGA freut sich zudem, dass das Statistische Bundesamt (DESTATIS) die Erstellung der Studie auf Basis aktueller Daten ermöglicht hat.  
 

Die Studie richtet sich an Politik, Ministerien, Abgeordnete und deren Mitarbeitende ebenso wie an Wirtschaftsforschungseinrichtungen, Wirtschaftsorganisationen und nicht zuletzt an die breite Öffentlichkeit. 
 

Um die Ergebnisse und die Bedeutung des Großhandels bekannt zu machen, hat der BGA bereits verschiedene Kommunikationsmaßnahmen gestartet. Dazu zählen eine Presseinformation, eine Themenwoche in den sozialen Medien sowie Mailings an Zielgruppen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
 

Weitere Aktivitäten sind bereits in Vorbereitung. Dazu gehört insbesondere eine kompakte Zusammenfassung der zentralen Studienbotschaften, die als Information und praktische Handreichung für den Dialog mit politischen und wirtschaftlichen Gesprächspartnern dienen soll. Ziel ist es, die Bedeutung des Großhandels kurz, prägnant und überzeugend zu vermitteln.
 

Darüber hinaus bietet die Studie auch den Mitgliedsverbänden des BGA und deren Mitgliedsunternehmen eine wertvolle Grundlage für den regionalen und kommunalen Dialog. Sie liefert ihnen fundierte Informationen und überzeugende Argumente, um die Rolle und Bedeutung des Großhandels vor Ort sichtbar zu machen.

Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 571
michael.alber@bga.de