PartnerAfrika – Förderung des Exports
Dank günstiger Wirtschaftsbedingungen und politischer Stabilität zählt Ghana zu den afrikanischen Ländern mit den höchsten Wirtschaftswachstumsraten. Trotz hoher Inflation – die höchste seit 20 Jahren – rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für das kommende Jahr mit einem Anstieg des BIP um 5,1 Prozent (GTAI). Obwohl knapp die Hälfte der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiten und die Produktpalette vielfältig ist, hängt Ghanas Wirtschaft nach wie vor stark vom Export weniger Produkte – wie Gold, Erdöl und Kakao – ab. Ursache hierfür sind die Produktqualität und -quantität der ghanaischen Agrarerzeugnisse, die international oftmals nicht wettbewerbsfähig sind. Mangelnde Qualität war im Jahr 2015 auch der Grund für den von der EU erlassenen Importstopp ghanaischer Gemüsesorten. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil aller landwirtschaftlichen Produkte von Kleinbetrieben erzeugt wird, denen es an technischem Knowhow sowie finanziellen Ressourcen fehlt, um die Exporte zu steigern.
Genau hier setzt das BGA PartnerAfrika Projekt an: Seit knapp drei Jahren arbeitet der BGA mit den ghanaischen Verbänden FAGE, VEPEAG, ASPEG, SPEG und PAMPEAG an der Organisationsentwicklung, an der Professionalisierung der Lieferketten von Süßkartoffel, Mango, Ananas, Chili und Okra-Schote mit dem Ziel, Exporte zu steigern und so Arbeitsplätze im Obst- und Gemüsesektor zu schaffen. Möglich ist das durch die Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Seit 2017 zählt Ghana zu den Reformpartnern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Vorgehensweise
Der BGA entsendet Lang- sowie Kurzzeitexperten, um die Partnerverbände als Dienstleister für ihre Mitgliedsunternehmen zu stärken. Im Zuge dessen wurden seit 2019 verschiedene Anschubinvestitionen - wie z.B. der Bau eines Gewächshauses zur Reproduktion der Süßkartoffel und eines Kühlhauses – geleistet. Übergeordnetes Ziel ist die Etablierung eines Geschäftsmodells, sodass sich die Verbände langfristig finanzieren können und sich als Interessensvertreter für die Unternehmen des Obst- und Gemüsesektors einsetzen können. Darüber hinaus setzt das Projekt direkt an der Verbesserung von Qualität und Quantität der Ernte an. Am Ende der Projektlaufzeit sollen die Partnerverbände in der Lage sein, ihren Mitgliedsbetrieben und deren Vertragslandwirten Schulungen – wie zum Beispiel zu internationalen Standards oder zu Effizienzsteigerungen entlang der Lieferkette - und Beratung anzubieten.
Neben der organisatorischen Stärkung der ghanaischen BGA-Partnerverbände und der Schaffung von Arbeitsplätzen ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema im Projekt: So wurde im Verlauf der letzten zwei Jahre deutlich, dass es einen Bedarf für eine kontinuierliche Dokumentation der Arbeitsschritte sowie von Qualitätsnachweisen vom Anbau über die Ernte bis hin zu den Packhausabläufen gibt. Mithilfe eines Export-Management-Systems sollen sich Importunternehmen künftig über den Status und die Qualität ihrer Bestellung bei ghanaischen Exporteuren auf dem Smartphone informieren können. Besonders vor dem Hintergrund des Lieferkettengesetzes auf nationaler und europäischer Ebene, ist das System ein wichtiges Tool, das Transparenz schafft. Die Entwicklung erfolgt am Beispiel der Lieferkette der Ananas – die Ausdehnung auf weitere Produkte sowie Länder ist geplant.
Farmbesuche Dezember 2022
Bei Besuchen vor Ort auf den Produktionsfarmen konnte sich der BGA einen Eindruck verschaffen, wo die Partnerschaft im wahrsten Sinne des Wortes bereits Früchte trägt. Nahe Dzodze können Süßkartoffeln viermal im Jahr geerntet werden. Die Mutterpflanzen werden in Gewächshäusern, die hier vor allem Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung, starken Regenfällen und Schädlingen bieten, selber vermehrt und so eine fortlaufende Produktion gesichert. Es zeigt sich auch, dass Gewächshäuser für Tomaten und Gurken ideale Bedingungen bieten, weswegen hier eine massive Investition in den Ausbau dieser Anlagen ansteht. Ebenso wird das Packhaus auf die Farm geholt, um Transportwege zu verkürzen und so die CO2-Bilanz zu verbessern. Gleichzeitig wird damit den Bauern der Region eine zentrale Verpackungsmöglichkeit geboten.
In der Versuchsanlage der University of Ghana bei Kpong unterstützt das BGA-Projekt die Biochar Produktion. Hier wird unter wissenschaftlicher Begleitung ein Verfahren entwickelt, das aus vorhandenen Abfallprodukten der örtlichen Farmen einen hochwertigen und zeitversetzt wirkenden Dünger erzeugt. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird dabei Wert daraufgelegt, dass zum einen eine Weiterverwertung der landwirtschaftlichen Abfallprodukte erfolgt, das Verfahren aber zeitgleich auch in kleinen Mengen in den Betrieben selbst angewendet werden kann, ohne an Wirkung zu verlieren. Hier steht man bereits am Ende der vorletzten Phase und strebt bei einer Fortsetzung des Projektes eine Kommerzialisierung der Produktion an.
In der Ananas-Produktion bei Nsawan Adoagyiri hat man sich auf den europäischen Markt und seine Regulierungen eingestellt. Von Anzucht über Düngeverfahren, bis hin zu Verpackung orientiert man sich bereits an den von der EU verlangten Standards. Dieses Maß der Konformität konnte auch dadurch erreicht werden, dass die Partnerverbände hier aufklären und den Nutzen für die Farmer vor Ort in den Vordergrund stellen. Es zeigt aber auch, wie wichtig der gegenseitige Austausch ist, um die idealen Ausgangsbedingungen in Ghana für einen erfolgreichen Außenhandel nutzen zu können. Am Ende profitieren dann beide Seiten davon. Der BGA und seine Partnerverbände arbeiten daran engagiert und hoffen auf eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit auch in 2023.
Fragen und Anregungen zum Projekt können an Carla Schieb (carla.schieb@bga.de) gerichtet werden.


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