Veranstaltung zu EU-Mercosur
Wie können aus dem EU-Mercosur-Abkommen neue Handelsströme, Investitionen und langfristige Partnerschaften entstehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „After Hannover Messe and EU-Mercosur: New Drivers of Trade Flows Between Europe and Brazil“, zu der der Lateinamerika Verein (LAV), die Botschaft Brasiliens und der BGA am 2. September in die brasilianische Botschaft in Berlin eingeladen hatten.
Zum Auftakt unterstrich der brasilianische Botschafter S.E. Rodrigo Baena Soares die wachsende Bedeutung der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen. Das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2025 auf rund 21 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig beliefen sich die deutschen Bestandsinvestitionen in Brasilien bei rund 44 Milliarden US-Dollar. Mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit kündigte der Botschafter zudem eine Konferenz zu kritischen Rohstoffen für März 2027 an.
Welche konkreten Veränderungen das EU-Mercosur-Abkommen für Unternehmen mit sich bringt, erläuterte anschließend Dr. Julian Bickmann von WAGNER Arbitration. Neben dem schrittweisen Abbau von Zöllen sollen insbesondere technische Handelshemmnisse reduziert und der Marktzugang erleichtert werden. Neue Chancen ergeben sich unter anderem beim Zugang zum brasilianischen öffentlichen Beschaffungsmarkt, dessen Volumen auf rund 160 bis 170 Milliarden Euro geschätzt wird.
Mehr als Zollabbau
Im anschließenden Panel wurde deutlich, dass die Bedeutung des Abkommens weit über klassische Zollfragen hinausgeht. Unter der Moderation von Marcus Schwenke, BGA, diskutierten Sebastian Helgenberger von Siemens Energy, Matthias Engler von Fraport, Ingo Kniepert von der Saudade Group und Ingmar Heuer von der Ingmar Heuer GmbH über die Perspektiven der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen.
Die Bandbreite der Themen reichte von Energie- und Infrastrukturinvestitionen über Flughafen- und Logistikprojekte bis hin zu Frischeimporten und neuen Marktzugängen für kleinere und mittlere Unternehmen. Auch das Import Promotion Desk wurde als praktisches Instrument diskutiert, um Unternehmen aus Partnerländern mit europäischen Importeuren zusammenzubringen und neue Lieferbeziehungen aufzubauen.
Dabei zeigte sich schnell: Zölle sind zwar ein wichtiger Bestandteil des Abkommens, für den tatsächlichen Geschäftserfolg sind jedoch zahlreiche weitere Faktoren entscheidend. Dazu gehören funktionierende Logistik, regulatorische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit, lokale Marktkenntnis und verlässliche Partner vor Ort.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich europäische Unternehmen in Brasilien in einem zunehmend intensiven globalen Wettbewerb positionieren. Internationale Wettbewerber investieren stark in Infrastruktur, Energie und industrielle Wertschöpfung. Für deutsche und europäische Unternehmen kommt es deshalb darauf an, die neuen handelspolitischen Möglichkeiten mit konkreten Investitionen und langfristigen Partnerschaften zu verbinden.
Das Abkommen öffnet die Tür – die Unternehmen müssen hindurchgehen
Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen schafft das EU-Mercosur-Abkommen einen verlässlicheren Rahmen für Handel und Investitionen zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Der eigentliche Test beginnt jedoch erst mit seiner praktischen Nutzung.
Ob das Abkommen tatsächlich neue Dynamik entfaltet, wird sich an konkreten Projekten, zusätzlichen Handelsströmen, resilienteren Lieferketten und neuen Unternehmenspartnerschaften zeigen. Die Diskussion in Berlin machte deutlich: Ein Handelsabkommen kann Türen öffnen. Den wirtschaftlichen Mehrwert schaffen letztlich Unternehmen, die diese Möglichkeiten erkennen und nutzen.
Der gemeinsame Nenner des Abends war deshalb eindeutig: Mehr Verlässlichkeit durch das Abkommen ist eine wichtige Voraussetzung – entscheidend bleiben Partnerschaft, Marktkenntnis und ein langer Atem.


Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 594
marcus.schwenke@bga.de

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