22.01.2026

Großhandel in der Krise

Auf der BGA-Auftaktpressekonferenzstellte BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura die Ergebnisse der BGA-Unternehmerumfrage vor, präsentierte die wirtschaftliche Lage im Großhandel und formulierte die daraus resultierenden Forderungen des Großhandels. Die am 13. Januar stattfindende Pressekonferenz fand digital statt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, die Situation ist beunruhigend.

Gründe hierfür liegen nach Einschätzung der Unternehmen des Großhandels in der nach wie vor hohen Bürokratie und der nur langsam voranschreitenden Digitalisierung auch in der Verwaltung. Aus Sicht der Großhändler müssen die großen Themen wie Arbeitskosten, Steuerreformen und Abbau der Bürokratie an erster Stelle stehen. Nur so kann der Standort Deutschland wieder gestärkt werden und Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. Die bisher von der Regierung angestoßenen Projekte berücksichtigen den Mittelstand nicht.  „Die wirtschaftliche Lage des deutschen Großhandels ist dramatisch. Ändern sich nicht endlich die politischen Rahmenbedingungen für den Mittelstand, müssen wir mit noch mehr Insolvenzen und noch mehr Arbeitsplatzverlust rechnen. Auch die Prognose für das kommende Jahr fällt schlecht aus. Die Politik ist gefordert, endlich auch den Mittelstand zu entlasten“, fordert BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura.

Unterstrichen wird dies auch von dem BGA-Klimaindikator. Der Klimaindikator des Großhandels bildet die Stimmungslage aus tatsächlicher Geschäftslage und Geschäftserwartung ab. Werte unter 100 stehen für eine negative Entwicklung.
„Die Umfrageergebnisse und der daraus resultierende BGA-Klimaindikator sprechen eine klare Sprache: Mit 70,6 Punkten steht er auf einem niedrigen Stand wie zu Coronazeiten. Unsere Unternehmen sind nicht nur von der wirtschaftlichen Lage überfordert, sie haben inzwischen keine Puffer mehr. Wenn der Staat nicht endlich die richtigen strukturellen Reformen anpackt, droht eine tiefere Krise, die besonders den Mittelstand in Deutschland gefährdet“, so der Großhandelspräsident.

Was bedeutet das für das vor uns liegende Jahr 2026? Im vergangenen Jahr waren wir bei unserer Prognose mit 0 % Wachstum negativer unterwegs als unsere Unternehmen. Und haben leider Recht behalten: „Unsere Unternehmen sind weiterhin enorm belastet von übermäßiger Bürokratie und Regulierung, hohen Kosten am Standort und schwacher Nachfrage. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind für den Mittelstand wirkungslos. Entsprechend fällt auch unsere Prognose für den Großhandel in 2026 aus, wir rechnen mit lediglich 0,7 % Wachstum. Das ist näher an Stagnation als an Aufschwung.“
Um dies einzuordnen: Seit mehreren Jahren stabilisiert der Konsumgütergroßhandel die Umsatzzahlen des gesamten Großhandels. Der Konsum in Deutschland befindet sich auf einem niedrigen Niveau, ist aber – noch – stabil. Verdeckt werden dadurch die starken Einbrüche im Produktionsverbindungshandel. Das sind Großhändler im Bereich Maschinenteile, Chemie. Also alles, was die Industrie benötigt, um zu produzieren. Und genau hier fehlen Aufträge. Die moderaten Wachstumsprognosen für die kommenden Jahre bauen auf staatlichen Konsum und den Einsatz des Sondervermögens im Infrastrukturbereich. Das ist kein echtes organisches Wachstum, das ist ein schuldenfinanzierter Anschub. Und Schulden setzen zwar kurzfristige Impulse, beheben aber langfristig keine strukturellen Schwächen.

„Über die Hälfte der Unternehmen im Großhandel hat im vergangenen Jahr Umsatz- und Ertragsrückgänge verzeichnet. Weitere Rückgänge werden auch 2026 erwartet. Ohne ein klares Signal für Wachstum und Stabilisierung drohen Insolvenzen und der Verlust von Arbeitsplätzen in zahllosen mittelständischen Betrieben, die für die deutsche Wirtschaft von fundamentaler Bedeutung sind. Seit Beginn der Rezession in 2023 haben wir bereits über 2.000 Großhandelsunternehmen verloren. Was wir brauchen, sind keine Wahlgeschenke, sondern strukturelle Maßnahmen, die den Standort wirklich stärken und den Mittelstand von Bürokratie, hohen Arbeitskosten und überhöhten Energiekosten entlasten“, so der Unternehmer.

„Die dringendsten Herausforderungen sind bekannt, doch bisher fehlt es an einem klaren politischen Kurs, um diese anzugehen. Wir brauchen jetzt eine Regierung, die nicht nur Krisenbewältigung betreibt, sondern auch die langfristigen Weichen für Wachstum stellt“, so der BGA-Präsident abschließend. „Wir als Großhandel sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, aber dafür muss auch die Politik endlich Mut zu unbequemen Entscheidungen zeigen und die strukturellen Mängel im Wirtschaftsrahmen angehen.“

Zum Abschluss: Es viele Bereiche, die Mut machen:die verabschiedeten Omnibusverfahren in Brüssel, angeschobene und inzwischen auch erfolgreich abgeschlossene Infrastrukturprojekte. Die Modernisierungsagenda ist ein richtiger Schritt. Er zeigt, die Bundesregierung hat sich auf den Weg gemacht. Jetzt müssen wir alle aber diesen Weg auch gemeinsam weitergehen. Als Großhandel wollen wir unseren Beitrag leisten. Auch wenn wir kritisch sind, wir sind nicht der Gegner. Wir möchten wieder investieren, in unsere Mitarbeiter und in dieses Land.

Die Zahlen des Pressetextes stammen aus der aktuellen Großhandelsumfrage des BGA. Für die repräsentative Umfrage wurden im Dezember 2025 Mitgliedsunternehmen des BGA befragt.

Hier gelangen Sie zum Material der Pressekonferenz.
 

Iris von Rottenburg
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