Ein neues Zeitalter
Die BGA-Geschäftsführerkonferenz bot ein vielfältiges Programm mit starkem Praxisbezug. Den Auftakt machte ein Blick auf die Zukunft der Sozialversicherungen, den Tino Sorge, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit, aus politischer Perspektive beleuchtete. Ergänzt wurde das Programm durch Impulse zu KI in der Rechtsberatung, zur Mitgliederbindung sowie zu erfolgreichen Finanzierungsstrategien.
Hauptgeschäftsführer Antonin Finkelnburg eröffnete den Tag mit einer Einführung und Einschätzung zur Lage Deutschlands. Er führte aus, dass das Jahr 2025 international von großer Unsicherheit geprägt sei, ausgelöst durch US-Zölle und die zunehmende Infragestellung des Multilateralismus. Auf EU-Ebene sorgten demnach das Omnibus-Verfahren, abgeschwächte Nachhaltigkeitsvorgaben, Verzögerungen bei der EUDR sowie ein komplexer und schlecht kommunizierter CBAM für zusätzliche Belastungen. Neue und laufende Freihandelsabkommen, unter anderem mit Mercosur, Indonesien, Malaysia, Singapur und Indien, setzten wichtige handelspolitische Impulse, auch wenn das Zollabkommen mit den USA Einschränkungen enthalte.
National gebe es nach seiner Einschätzung zwar positive Signale wie verbesserte Investitionsabschreibungen, Entlastungen bei der Stromsteuer für produzierende Unternehmen, Maßnahmen zur Planungsbeschleunigung und zusätzliche Mittel für die Infrastruktur. Dem stünden jedoch fehlende Entlastungen für Groß-, Außenhandel und Mittelstand, steigende Sozialabgaben, ein höherer Mindestlohn sowie ein verfehltes Rentenpaket gegenüber. Politische Streitigkeiten innerhalb der Bundesregierung verstärkten zusätzlich die Verunsicherung. Der Blick auf das Jahr 2026 sei von offenen Reformfragen bei Arbeitszeit, Steuern, Energie und Rente geprägt. Klar sei nach seinen Worten, dass ohne echte strukturelle Reformen ein wirtschaftlicher Aufbruch nicht gelingen werde.
Parl. Staatssekretär Tino Sorge zu Gast beim BGA
Auf der Geschäftsführerkonferenz war Tino Sorge, parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit zu Gast. Ein Kernthema des Austauschs war die Frage, wie die stetig steigenden Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung wieder sinken können. Die vom Gesundheitsministerium eingesetzte "FinanzKommission Gesundheit" soll bis März 2026 kurzfristig wirksame und bis Ende des Jahres grundlegende Reformvorschläge dazu erarbeiten. Aus Sicht des BGA müssen vor allem Effizienzpotentiale gehoben, Eigenverantwortung gestärkt und versicherungsfremde Leistungen ordnungspolitisch korrekt finanziert werden. Das zweite, intensiv diskutierte Thema war der hohe Krankenstand in den Unternehmen, der diese organisatorisch und finanziell massiv belastet. Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung wurde ebenso kritisiert wie der für Arbeitgeber verschlechterte Informationsgehalt der elektronischen Krankschreibung, der es seit einigen Jahren faktisch unmöglich macht, eventuelle Missbräuche zu aufzudecken.
KI in der Rechtsberatung
Christoph Meineke von den Unternehmerverbänden Niedersachsen beleuchtete in seinem Vortrag den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Rechtsberatung. Anhand von Erfahrungen aus seiner eigenen Kanzlei zeigte er, dass KI bereits heute unterstützend eingesetzt wird, Anwälte jedoch nicht ersetzen kann. Zwar habe ChatGPT große Aufmerksamkeit erzeugt, schnell sei jedoch deutlich geworden, dass KI trotz ihrer Leistungsfähigkeit fehleranfällig bleibt. Ihr Mehrwert liege daher vor allem in der Unterstützung juristischer Arbeit. Entscheidend für verlässliche Ergebnisse seien die Auswahl des KI-Systems, die zugrunde liegenden Datenquellen und die Qualität der Prompts. Unklare oder unpräzise Eingaben führten zu entsprechend unzuverlässigen Resultaten. Richtig eingesetzt könne KI die Rechtsberatung deutlich effizienter machen, die fachliche Verantwortung bleibe jedoch beim Anwalt.
Wie werden Mitglieder zu Fans
Den zweiten Tag eröffnete Stefan Eser, Leiter Emotionale Mitgliederbindung bei 2HMforum. Er stellte unter dem Titel: „Wie werden Mitglieder zu Fans“ bei der Konferenz sein Verbandskonzept zur nachhaltigen Mitgliederbindung vor. Im Mittelpunkt steht dabei der Ansatz, Mitglieder nicht nur zufriedenzustellen, sondern sie emotional an den Verband zu binden. Auf Basis seines sogenannten Fan-Prinzips zeigte er auf, wie aus Mitgliedern überzeugte Unterstützer werden können, die langfristig treu bleiben und sich stärker engagieren. Entscheidend seien dabei die Qualität der Kontakte entlang der gesamten Mitgliederreise sowie ein klarer Fokus auf relevante Touchpoints. Eser machte deutlich, dass emotionale Bindung ein zentraler Erfolgsfaktor für stabile und zukunftsfähige Verbände ist und gezielt gemessen und gesteuert werden kann.
Neue Finanzierungsmodelle für Verbände
In weiteren Vorträgen standen neue Finanzierungsmodelle für Verbände jenseits klassischer Mitgliedsbeiträge im Mittelpunkt. Bert Bergfeld vom Großhandelsverband Heim und Farbe e. V. zeigte auf, wie sein Verband auf sinkende Mitgliederzahlen, veraltete Beitragsstrukturen und begrenzte Wachstumspotenziale reagiert. Neben Seminaren setzt der Verband auf zusätzliche Einnahmequellen, insbesondere durch die Gründung der Tochtergesellschaft XPIM. Diese wird gemeinsam von Herstellern, Handelsunternehmen und dem Verband getragen und verfolgt das Ziel, einen neutralen Branchenstandard zu etablieren. Über eine digitale Plattform werden Logistik-, E-Commerce- und Unternehmensdaten gebündelt und so Sichtbarkeit, Effizienz und Wachstum gefördert. Zugleich dient XPIM als Brücke zur Gewinnung neuer ordentlicher Mitglieder. Ergänzend stellte Dr. Andreas Rademachers vom VGKL die Plattform „Labortechnik“ vor, die sich von einem redaktionellen Katalog zu einem Onlineshop entwickelt hat. Das Projekt erzielt inzwischen einen Umsatz von rund 0,6 Millionen Euro.


Antonin Finkelnburg
Hauptgeschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 531
antonin.finkelnburg@bga.de

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