Für freien Handel: „Handels-NATO“ als Antwort auf Zölle
Mit der aktuelle BGA-Außenhandelsumfrage stellt der BGA den Klimaindikator und die Prognose für 2026 und die Situation im Außenhandel vor. Die Ergebnisse zeichnen ein deutlich eingetrübtes Bild: Die Stimmung im Außenhandel verschlechtert sich weiter. Der Außenhandels-Klimaindikator sinkt erneut und signalisiert eine anhaltend negative Entwicklung. Zugleich zeigen die Zahlen, wie stark geopolitische Spannungen, protektionistische Tendenzen und strukturelle Wettbewerbsnachteile die deutschen Außenhandelsunternehmen belasten. Vor diesem Hintergrund fordert der BGA eine klare wirtschaftspolitische Kurskorrektur in Deutschland und Europa, um Wettbewerbsfähigkeit, strategische Handlungsfähigkeit und Freihandel nachhaltig zu stärken.
„2026 erwarten wir keine Trendwende im Außenhandel. Der Außenhandels-Klimaindikator zeigt klar nach unten. Die Erträge und Umsätze stehen unter Druck, Aufträge und Auslastung bleiben schwach. Umso dringlicher ist es, die eigene wirtschaftliche Stärke und Wettbewerbsfähigkeit wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Die EU muss den Freihandel strategisch vorantreiben. Wenn Zölle als politische Waffe genutzt werden, kann Europa gemeinsam gegensteuern. Denkbar wäre eine „Handels-NATO“ aus EU und CPTPP – ohne Russland, China und die USA – mit einem Artikel-5-Mechanismus, der WTO-widrige Zollangriffe als Angriff auf alle wertet und kollektive Gegenmaßnahmen auslöst. Machtpolitik per Zoll-Diktat darf keinen Platz mehr haben“, fordert BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura.
Jandura weiter: „Die Umfrage zeigt uns deutlich unsere Schwachstellen: Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig, wir sind zu abhängig von unseren großen Handelspartnern und wir sind als EU nicht handlungsfähig genug, um den internationalen Krisen zu begegnen. Das verunsichert unsere Unternehmerinnen und Unternehmer stark. Der Außenhandels-Klimaindikator sank um 3,0 Punkte von 76,0 auf 73,0 Punkte. (Der Klimaindikator des Außenhandels bildet die Stimmungslage aus tatsächlicher Geschäftslage und Geschäftserwartung ab. Werte unter 100 stehen für eine negative Entwicklung). Die Lage im Außenhandel verschärft sich spürbar: 76 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen eine rückläufige oder stark rückläufige Geschäftsentwicklung für 2025. Das sind zehn Prozent mehr als ein halbes Jahr zuvor.
„Für die BGA-Außenhandelsprognose erwarten wir 2026 im Export lediglich ein Plus von 0,6 Prozent, während die Importe um rund 3 Prozent steigen werden. Unsere Exporte stagnieren faktisch, während die Importe deutlich stärker wachsen. Der starke Euro schmälert die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter auf preissensiblen Märkten und frisst Margen auf“, so der Außenhandelspräsident.
„Die geopolitischen Unsicherheiten treffen den Außenhandel zunehmend ins Mark: 62 Prozent der Unternehmen sehen langfristige unternehmerische Entscheidungen durch den rasanten Wandel der Handelsbedingungen erheblich erschwert. Gleichzeitig treiben die Unternehmen ihre Diversifizierungsstrategien voran. Hier sehen sie das größte Potenzial in Asien, dem Nahen und Mittleren Osten, Südamerika und Nordafrika – die USA rangieren erst auf Platz fünf. Insgesamt zeichnet sich damit keine abrupte Abkehr vom US-Markt ab, aber eine vorsichtigere, selektivere und risikobewusstere Ausrichtung deutscher Unternehmen: Die USA bleiben ein wichtiger Absatz- und Investitionsmarkt. Sie werden jedoch zunehmend unter dem Gesichtspunkt politischer und handelspolitischer Risiken bewertet.“
Zu China kommentiert Jandura: „Die Debatte über China braucht endlich politische Klarheit statt pauschaler Schlagworte. 57 Prozent der Außenhandelsunternehmen geben an, sich im Wettbewerb mit chinesischen Produkten behaupten oder ihre Marktposition sogar ausbauen zu können. Der BGA fordert daher einen strategisch-pragmatischen Kurs gegenüber China: gezieltes Derisking dort, wo Abhängigkeiten kritisch sind und Kooperation dort, wo sie wirtschaftlich trägt. Pauschaler Protektionismus oder eine politische Abkopplung würden Europas Wettbewerbsfähigkeit schwächen und die Kosten für Unternehmen und Verbraucher deutlich erhöhen. Die EU muss stattdessen faire Wettbewerbsbedingungen durchsetzen und zugleich die eigene wirtschaftliche Stärke, den Binnenmarkt und die Standortattraktivität konsequent ausbauen.“
„Auch im europäischen Binnenmarkt gibt es viel zu tun. Mit 56 Prozent ist es der wichtigste und größte Exportmarkt für Deutschland. Deshalb erwarten die Unternehmen jetzt entschlossene Reformen: 67 Prozent fordern bessere Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit durch Bundesregierung und EU-Kommission. Die Hälfte setzt auf Diversifizierung und dadurch den Abbau von Abhängigkeiten. Um das volle Potenzial des EU-Binnenmarktes zu verbessern, müssen Handelshemmnisse, nationale Sonderwege und unnötiges Goldplating konsequent beendet werden. Europäische Regeln dürfen nicht durch zusätzliche nationale Bürokratie verschärft werden. Nur mit weniger Bürokratie, einem funktionierenden Binnenmarkt und einer klaren Reformagenda kann Europa seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken. Mit der Abschaffung des Lieferkettengesetzes könnten wir anfangen“, so der Unternehmer.


Iris von Rottenburg
Abteilungsleiterin Kommunikation
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Frederike Röseler
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