Europa braucht offene Märkte
Die Europäische Union greift zunehmend zu handelspolitischen Schutzinstrumenten. Solche Maßnahmen können kurzfristig politisch sinnvoll erscheinen, doch sie bergen das Risiko, den Außenhandel und die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf längere Sicht zu schwächen. Wenn Märkte enger werden und europäische Anbieter gezielt bevorzugt werden, steigen für Unternehmen oft Kosten, Unsicherheit und der Druck auf internationale Lieferketten.
Besonders deutlich wird das im Stahlbereich. Die Verknappung von Zollkontingenten betrifft nicht nur China, sondern auch Partner wie Brasilien. Für Unternehmen bedeutet das weniger Spielraum bei der Beschaffung und mehr Aufwand bei der Planung grenzüberschreitender Geschäfte. Gerade in einem Umfeld, in dem verlässliche Handelsbeziehungen an Bedeutung gewinnen, können solche Eingriffe spürbare Folgen haben. Hinzu kommt, dass Maßnahmen zum Schutz einzelner Branchen an anderer Stelle neue Belastungen für den Handel auslösen können.
Auch das geplante Industrial Accelerator Act sollte vor diesem Hintergrund genau beobachtet werden. Wenn Förder- und Beschaffungsvorgaben so ausgestaltet sind, dass enge Handelspartner faktisch benachteiligt werden, kann das die wirtschaftliche Zusammenarbeit erschweren. Europa braucht eine starke Industriepolitik, sollte dabei aber darauf achten, den Handel nicht durch zusätzliche Hürden zu belasten. Industriepolitische Ziele dürfen nicht in verdeckte Marktbeschränkungen münden.
Für die europäische Wettbewerbsfähigkeit bleibt entscheidend, dass Resilienz nicht mit Abschottung verwechselt wird. Eine tragfähige Handelspolitik braucht offene Märkte, Planungssicherheit und faire Rahmenbedingungen. Dazu gehören bessere Standortbedingungen, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise, mehr Innovation und strategisch kluge Partnerschaften. Nur so lässt sich die industrielle Basis stärken, ohne die Offenheit aufzugeben, von der der europäische Außenhandel lebt.


Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 594
marcus.schwenke@bga.de


Einkommensteuerreform muss Mittelstand entlasten
Regierungskoalition in der Pflicht: Sorgen und Nöte des Mittelstands ernst nehmen und echte steuerliche Entlastungen schaffen.
mehr
Großhandel eine unterschätzte, aber unverzichtbare Wirtschaftsgröße
Neue Studie des BGA in Zusammenarbeit mit dem IW Consult
mehr
EBD-De-Briefing zum Europäischen Rat beim BGA und HDE
Welche Impulse setzt der Europäische Rat für Europas Wettbewerbsfähigkeit – und was bedeuten sie für den Handel?
mehr
EU-Kanada-Gipfel: BGA begrüßt geplantes Abkommen zu digitalem Handel
Weniger Hürden, mehr Handel: EU und Kanada gehen voran.
mehr
Handelsschutz darf nicht zur industriepolitischen Allzweckwaffe werden
Europa muss sich gegen unlautere Handelspraktiken wehren können.
mehr
Investitionsprüfung: Sicherheit stärken, ohne den Groß- und Außenhandel unnötig zu belasten
Der Entwurf des Investitionsprüfungsgesetzes wirft Fragen zur Verhältnismäßigkeit und Praxistauglichkeit auf.
mehr
Bundesregierung hebt Wachstumsprognose an
Entwarnung bleibt aus
mehr
Rohstoffe sichern, Lieferketten diversifizieren: Neue Wege der Handelsförderung
Parlamentarisches Frühstück des BGA zur Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit
mehr
Beseitigung der steuerlichen Benachteiligung von Personenunternehmen
Neun von zehn Personenunternehmen sehen sich durch die Einkommensteuerreform 2027 ungerecht behandelt.
mehr
Wirtschaftssicherheit darf Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel.
mehr
Belastungsprogramm für den Mittelstand
Einkommensteuertarifreform
mehr
Flexiblere Arbeitszeit – nicht mit der SPD-Basis
Eine langjährige BGA-Forderung
mehr
Afrika als Zukunftsmarkt der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft
262. Sitzung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen
mehr
Evaluation der EU-Dual-Use-Verordnung
BGA fordert EU-einheitliche Durchsetzung vor weiteren Änderungen
mehr
Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
TBI Transatlantic Dialogue 2026
mehr
Irischer Haushaltsvorschlag spart an Europas Zukunft
Er hält an neuen Unternehmensabgaben fest
mehr
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel
Wer den Zugang zu wettbewerbsfähigen Vorprodukten verteuert oder beschränkt, schwächt auch unsere Exportwirtschaft.
mehr
Erfolgreiches Sourcing braucht den Perspektivwechsel
Interview mit Dr. Julia Bellinghausen (IPD) & Marcus Schwenke (BGA e.V.)
mehr
Wirtschaftsforscher legen Herbstgutachten vor
Aufschwung mit Strukturproblemen
mehr
„REGELUNGEN ZU ELEKTRONISCHEN RECHNUNGEN AB 1. JANUAR 2027“
Workshop gemeinsam mit Deloitte
mehr