Steuerpolitik wachstumsfördernd gestalten
"Mit den Expansionszielen von US-Präsident Donald Trump und dem Einsatz von Zollpolitik als Instrument dieser Politik wird die dringliche Anforderung an wirtschafts- und wachstumsfördernde Impulse immer deutlicher. Wer mehr Gerechtigkeit will, setzt mit Umverteilung die falschen Signale. Es geht um mehr Innovationen, Investitionen und Arbeitsplätze. Dazu sollten Bundesregierung und Koalition nicht nur Ihre steuerpolitischen Versprechen in der Koalitionsvereinbarung einhalten, sondern auch wirksam und praxisgerecht ausgestaltet", so Thorsten Klindworth, Vorsitzender des BGA- Ausschusses Steuern und Finanzen und BGA- Vizepräsident, und weiter: "Die aktuelle BGA-Konjunkturumfrage hat gezeigt, dass der Investitionsbooster an den Anforderungen weitgehend vorbei geht und die Unternehmen klar auf Entlastungen warten."
In der Steuerpolitik stehen vor diesem Hintergrund aus BGA-Sicht in diesem Jahr fünf Aspekte im Fokus. Schwerpunkt für die Unternehmen ist eine Unternehmensteuerstrukturreform. Nach dem sogenannten Investitionsbooster aus verbesserter Abschreibung und stufenweiser Senkung der Körperschaftsteuer und der Thesaurierungsbesteuerung muss die Bundesregierung nun die angekündigte Unternehmensteuerstrukturreform auf den Weg bringen. "Die Absenkung bringt wenig, wenn die Rahmenbedingungen die Anwendung nicht erleichtern und somit attraktiver machen", so Klindworth. Es bedarf hierzu Anpassungen im Umwandlungssteuerrecht, bei der Körperschaftsteueroption und der Thesaurierungsbegünstigung sowie auch grundlegender weiterer Schritte wie von den Kommissionen beim BMF zur "Vereinfachten Unternehmensteuer" und zur "Bürgernahen Einkommensteuer" bereits 2024 vorgeschlagen.
Beim Einkommensteuertarif erfolgte die letzte Anpassung 2026 entsprechend dem Progressionsbericht und dem Existenzminimumsbericht. "Mehr nicht. Dies ist lediglich Umsetzung von verfassungsrechtlichen Vorgaben. Politisch klug wäre, durch eine darüberhinausgehende Entlastung Anreize zu setzen, so dass sich Leistung stärker lohnt", so Klindworth. In diesem Jahr werden aktuelle Berichte vorgelegt. Die Koalition hat eine Einkommensteuertarifreform für Mitte der Legislaturperiode zugesagt, mit der kleine und mittlere Einkommen entlastet werden sollen. Klindworth weiter: "Wir müssen darauf achten, dass diese zum einen kommt und zum anderen auch wirkliche Entlastungen bringt. Zudem geht es um Entlastungen für KMU, die vielfach nicht von der Senkung der Körperschaftsteueroption oder der Thesaurierungsbesteuerung begünstigt werden. Wir werden daher dafür eintreten, dass die SPD-Überlegungen zu einer Erhöhung im oberen Bereich sich nicht durchsetzen. Auch eine Einarbeitung des Solidaritätszuschlages in den Tarif sehen wir kritisch. Der Solidaritätszuschlag muss entfallen und nicht zementiert werden. "
In der ersten Jahreshälfte, eventuell sogar im ersten Quartal 2026 wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur steuerlichen Behandlung von Betriebsvermögen erwartet. Klindworth: "Unser Ziel ist es, entsprechend der jüngsten Sitzung des Ausschusses vom 4. November 2025, dass betriebliches Vermögen auch künftig erbschaftsteuerfrei übergehen kann. Die Unternehmen dürfen nicht durch den Entzug von betrieblich gebundenem Vermögen geschwächt werden. Die Überlegungen der SPD sind damit nicht vereinbar. Hier sollte das Urteil des Verfassungsgerichts erst einmal abgewartet werden."
Bei der Frage zur Versorgung mit Gütern im B2B-Bereich aus Drittstaaten steht für den BGA nun die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung hinsichtlich der Direktverrechnung von Einfuhrumsatzsteuer und entsprechendem Vorsteuerabzug auf der Agenda. Klindworth: "Die erneute Zusage im Koalitionsvertrag muss eingehalten werden und in dieser Legislaturperiode in die Praxis umgesetzt werden."
"Vereinfachungen und Entbürokratisierungen müssen auch im Steuerrecht wirksam und praxistauglich realisiert werden", so Klindworth abschließend und verweist beispielhaft auf die überschießenden Regelungen des Steueroasenabwehrgesetzes. Vor dem aktuellen Hintergrund müsse überlegt werden, wie Deutschland und die EU rechtliche Vorgaben wettbewerbsförderlicher ausgestalten können. Mit dem Steueroasenabwehrgesetz wurden vier Maßnahmen umgesetzt, europarechtlich wäre eine erforderlich gewesen.


Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 571
michael.alber@bga.de

Krise in der Golf-Region
Wenig Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft
mehr
USA-Reise: Ungewissheit beenden
Es geht um Planungssicherheit für unsere exportorientierten Unternehmen.
mehr
Das Tariftreuegesetz schafft zusätzliche Bürokratie
Die Soziale Marktwirtschaft raucht wieder mehr Raum
mehr
BMWE erwartet konjunkturelle Erholung in 2026
BGA ist skeptisch bei dieser Einschätzung
mehr
German-Albanian Business Conference 2026
Save the Date für den 30. April 2026 in Berlin
mehr
Die Schiene als Schlüsselrolle für nachhaltige Lieferketten
19. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr
mehr
Sanktionen im Fokus
Austausch mit dem BMWE
mehr
Für freien Handel: „Handels-NATO“ als Antwort auf Zölle
Die Ergebnisse der BGA-Außenhandelsumfrage
mehr
Bericht der Europäischen Kommission
Single Market and Competitiveness Report 2026 veröffentlicht
mehr
AK Zoll
Bericht des BGA aus dem Austausch mit der Generalzolldirektion
mehr
Großhandel sichtbar machen – seien Sie dabei!
Retail & Wholesale Week von EuroCommerce
mehr
BGA-Europaausschuss:
Aktuelle EU-Gesetzgebung und Fragen der Handlungsfähigkeit
mehr
260. WAA-Sitzung
BMLEH und Wirtschaft beraten über Zusammenarbeit beim Export
mehr
„Weckruf zur Bekämpfung des Fahrermangels im Straßengüterverkehr“
Verbändeinitiative zum Lkw-Fahrermangel
mehr
Dieser Sozialstaat bremst uns aus
Ich fordere die Bundesregierung auf, mutige Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie wehtun.
mehr
Ein neues Zeitalter
Geschäftsführerkonferenz am 13./14. Januar in Berlin
mehr
Wirtschaftsdynamik – weiterhin Fehlanzeige
Leichte Belebung, aber kein Grund zur Erleichterung
mehr
Kartellrecht und Werbung mit Nachhaltigkeitsaussagen
BGA-Rechtsausschuss tagte am 14. Januar 2026
mehr
Steuerpolitik wachstumsfördernd gestalten
Ausschussvorsitzender Thorsten Klindworth zur aktuellen BGA-Umfrage
mehr
Großhandel in der Krise
BGA-Pressekonferenz Großhandel am 13. Januar 2026
mehr