Wirtschaftsdynamik – weiterhin Fehlanzeige
Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich im vierten Quartal 2026 mit einem realen BIP-Zuwachs von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal wieder leicht belebt. Im Gesamtjahr 2025 lag das preisbereinigte BIP um 0,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Positive Wachstumsimpulse dürften dabei von einer steigenden Industrieproduktion ausgegangen sein, die sich verwendungsseitig teilweise in einer Belebung der Ausrüstungsinvestitionen niederschlagen dürfte. Vom Außenhandel dürfte kein Wachstumsbeitrag zu erwarten sein. Mit zunehmender Realisierung der fiskalischen Impulse dürfte sich die konjunkturelle Entwicklung zu Jahresbeginn weiter stabilisieren und im Jahresverlauf an Dynamik gewinnen. Dennoch legt die tendenzielle Eintrübung der Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft und den privaten Haushalten zum Jahresende noch keine breite konjunkturelle Belebung nahe, was die Unsicherheiten für die kurzfristigen Wachstumsperspektiven unterstreicht. Dies ist zusammenfassend die Einschätzung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Januar 2026 nach einer Mitteilung vom 15. Januar 2026.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im November zum dritten Mal in Folge gestiegen. Im Vormonatsvergleich lag sie um 0,8 Prozent höher. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die Industrie, die ihre Ausbringung um 2,1 Prozent gegenüber dem Vormonat ausweitete. Ausschlaggebend war hier wie schon in den Monaten zuvor eine Produktionssteigerung im Bereich der Investitionsgüterproduzenten (+4,9 Prozent). Die Produktion von Konsum- und Vorleistungsgütern wurde hingegen gedrosselt (-0,3 Prozent bzw. -0,8 Prozent). Auch die Ausbringung im Bau wurde zuletzt um 0,8 Prozent nach einem Anstieg im Vormonat zurückgefahren. Dabei wurde sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau weniger produziert (-0,9 Prozent bzw. -0,1 Prozent). Am deutlichsten nahm die Produktion im Energiesektor mit -7,8 Prozent ab.
Ähnlich wie die Produktion setzten auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im November ihre Erholung fort. So stieg das Ordervolumen gegenüber Oktober um deutliche 5,6 Prozent. Der stärkste Nachfrageimpuls stammte erneut aus dem Inland, von wo die Bestellungen um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zulegten. Die Nachfrage aus dem Ausland zog allerdings ebenfalls spürbar mit +4,9 Prozent an.
Die realen Umsätze im Einzelhandel sind im November um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, nachdem der Oktoberwert mehrfach nach oben revidiert wurde. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im November ein Plus von 1,4 Prozent, wobei der Handel mit Nicht-Lebensmitteln um 2,7 Prozent zulegte und der Umsatz mit Lebensmitteln um 0,3 Prozent zurückging. Das Stimmungsbild deutet am aktuellen Rand insgesamt auf eine gedämpfte Konsumentwicklung um die Jahreswende 2025/26 hin, so die BMWE-Einschätzung.
Zum Jahreswechsel 2025/26 zeichnet sich keine Belebung am Arbeitsmarkt ab. Der Arbeitsmarkt tritt zum Jahresende weiterhin auf der Stelle. Die Arbeitslosigkeit stieg im Dezember um drei Tausend Personen. Die Zahl der Erwerbstätigen verblieb im November mit minus ein Tausend Personen in etwa auf Vormonatsniveau und auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagnierte im Oktober. Die Frühindikatoren deuten zu Jahresbeginn auf eine weiterhin gedämpfte Arbeitskräftenachfrage hin. Eine baldige Trendwende am Arbeitsmarkt ist daher zu Jahresbeginn noch nicht absehbar, so das BMWE zur Arbeitsmarktentwicklung.
Auch die Unternehmensinsolvenzen steigen weiter. Nach deramtlichen Statistik ist ihre Anzahl im Oktober 2025 um 8,7 Prozent gegenüber dem Monat September auf 2.108 beantragte Verfahren gestiegen. Verglichen mit Oktober 2024 lag sie 4,8 Prozent höher. Damit steigt auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten. Als Ursachen werden unter anderem die weiterhin gedämpfte gesamtwirtschaftliche Entwicklung, strukturelle Herausforderungen, gestiegene Kosten und geopolitische Unsicherheiten benannt.
Die Inflation sank im Dezember 2025 auf 1,8 Prozent und liegt damit erstmals seit Herbst 2024 wieder unter zwei Prozent. Rückläufige Energiepreise und unterproportionale Zuwächse bei Nahrungsmitteln dämpfen den Verbraucherpreisanstieg. In den kommenden Monaten dürfte die Inflation weiter um oder leicht unter zwei Prozent liegen.
Der BGA teilt die Einschätzung einer aktuell verhaltenen Entwicklung, allerdings sieht er auch keine baldige Belebung der Konjunktur unter den aktuellen Rahmenbedingungen. Insbesondere noch durch den geplanten Einsatz von Zollinstrumenten durch US-Präsident Donald Trump zur Verfolgung geopolitischer Ziele ist neue Verunsicherung über Verlässlichkeit und Belastbarkeit der außenwirtschaftlichen Beziehungen entstanden. Ein Lichtblick mag die Entwicklung der Inflation sein, Arbeitslosigkeit und Insolvenzen weisen dagegen in die falsche Richtung. Und auch die Entwicklung in den einzelnen Branchen weist nach Einschätzung des BGA noch nicht auf eine bevorstehende Erholung hin, auch wenn die BIP-Entwicklung im Jahr 2025 insgesamt statistisch schwach positiv ausgefallen ist. Nach Einschätzung des BGA deutet die BGA-Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel 2025/26 eher auf eine Fortsetzung der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung. Um diese aktuelle Stagnation zu überwinden, müssen aus Sicht des BGA in dem durch die Drohungen von US-Präsident Donald Trump veränderten wirtschaftlichen Umfeld weitergehende wirtschaftspolitische Maßnahmen werden, als es der Koalitionsvertrag vorsieht. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen grundlegend attraktiver und einfacher werden.


Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
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michael.alber@bga.de

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