05.03.2026

Iran-Krise hat bisher wenig Auswirkungen auf Groß- und Außenhandel

Der US-Iran-Konflikt bleibt eine humanitäre Katastrophe für die betroffene Bevölkerung, die unter Gewalt, Unsicherheit und massiven Einschränkungen des täglichen Lebens leidet. Für Deutschland hat es zunächst weniger direkte handelsbezogene als vielmehr energie- und lieferkettengetriebene Auswirkungen. Der zentrale Risikofaktor ist die Straße von Hormus, über die ein großer Teil des weltweiten Ölhandels läuft. Steigende Energiepreise, höhere Frachtkosten durch Kriegsrisikoprämien und mögliche Umwege im Seeverkehr belasten insbesondere die exportorientierte und energieabhängige deutsche Wirtschaft. Entscheidend für das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen wird sein, wie lange der Konflikt andauert und ob er sich regional ausweitet. Der direkte Handel mit Iran ist dagegen vergleichsweise gering: Von Januar bis August 2025 exportierte Deutschland Waren im Wert von 657 Mio. Euro (-26 %), während Importe aus Iran bei 160 Mio. Euro lagen. BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura hierzu in einer Pressemitteilung:

„Wir erleben seit einigen Jahren eine zunehmende Verdichtung internationaler Krisen und geopolitischer Spannungen. Das betrifft grundsätzlich auch globale Lieferketten und kann kurzfristig Auswirkungen auf Warenverfügbarkeiten haben. Mit Blick auf die aktuelle Krise im Iran sehen wir jedoch, dass die deutsche Wirtschaft bislang noch nicht in gravierendem Maße betroffen ist. Mit Sorge blicken wir allerdings auf weitere Einschränkungen zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus. Der freie und sichere Seehandel ist eine tragende Säule der Weltwirtschaft. Wenn Handelswege oder wirtschaftliche Beziehungen gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt werden, schadet das der Stabilität globaler Märkte und untergräbt Vertrauen. Eine Instrumentalisierung von Handelsströmen zur Ausübung politischen Drucks lehnen wir ausdrücklich ab“, fordert BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura mit Blick auf die aktuelle Krise in der Golfregion.

„Der Groß- und Außenhandel hat in den vergangenen Jahren seine Strukturen konsequent diversifiziert und flexibilisiert. Diese Anpassungsfähigkeit sorgt dafür, dass Waren auch unter schwierigen geopolitischen Rahmenbedingungen dorthin gelangen, wo sie benötigt werden. Gleichwohl beobachten wir einzelne, punktuelle Auswirkungen. So kann es beispielsweise im Blumen-Großhandel durch die Unterbrechung wichtiger Flugrouten aus Afrika über Dubai zu Verknappungen und in der Folge zu möglichen Preisanstiegen, besonders im Bereich der Rosen, kommen. Nach derzeitigem Stand bleiben solche Effekte jedoch auf einzelne Segmente begrenzt“, so der Großhändler.

Und weiter: „Insgesamt zeigt sich: Die deutsche Wirtschaft ist heute deutlich widerstandsfähiger gegenüber internationalen Krisen als noch vor einigen Jahren. Der Großhandel übernimmt hierbei eine zentrale Rolle als Stabilitätsanker innerhalb der Lieferketten. Unabhängig von der wirtschaftlichen Bewertung sind unsere Gedanken bei den Menschen vor Ort. Wir hoffen sehr, dass die Krise bald beendet werden kann und sich die Lage nachhaltig stabilisiert.“
 

Alexander Hoeckle
Abteilungsleiter Außenwirtschaft + Zoll
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 565
alexander.hoeckle@bga.de

Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
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