Ein bisschen Licht aber noch viel Schatten
Das OZG-Folgegesetz – das sogenannte OZG 2.0 – hat der Bundestag mit der Mehrheit der Ampel am 23. Februar verabschiedet. Das Gesetz geht in die richtige Richtung, aber der große Sprung nach vorn ist es nicht.
Ein Rückblick: Das ursprüngliche Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte 575 Verwaltungsbündel bis Ende 2022 digitalisieren und damit den so dringend nötigen Anstoß in Richtung Verwaltungsmodernisierung im Bund, den Ländern und den Kommunen geben. Das Ergebnis war ernüchternd. In der Umsetzung hängt es zwischen Bundes- und Landesministerien. Bis zum Stichtag stand nur ein kleiner Teil der Leistungen zur Verfügung. Und Bund und Länder wurden beim Monitoring der Fortschritte auch kreativ und meldeten sogenannte Fachverfahren auch dann als deutschlandweit einsatzbereit, wenn sie nur in einer einzigen Kommune potenziell einsatzfähig war. Das größte Problem aber: Das OZG adressierte nur Antragsstrecken und zum Teil die Auslieferung. Der Verwaltungskern wurde nicht angetastet und blieb damit analog. Das öffentliche Feedback war desaströs und Ergebnis einer viel zu spät sensibilisierten Öffentlichkeit.
Das OZG 2.0 soll nun vieles besser machen. Der wichtigste Punkt: Der Bund erhält ein paar mehr Kompetenzen und legt endlich verpflichtende Standards für den Datenaustausch fest, auf die sich Anbieter kommunaler IT einstellen müssen. Die Umsetzungsfrist ist mit 2 Jahren begrüßenswert kurz. Alle anderen Fristen des OZG 2.0 belaufen sich auf 4 Jahre. Ob sie sich einhalten lassen, wird sich zeigen. Auch dass der ursprünglich gestrichene Rechtsanspruch, zumindest für Bundesleistungen, nun doch kommt, begrüßt der BGA. Verbindlicher wäre ein Anspruch auf allen Ebenen gewesen, da der Großteil aller Verwaltungsakte in kommunaler Verantwortung liegt – auch jene, von denen Unternehmen abhängig oder betroffen sind. Das Entfallen des Schriftformerfordernisses ist allerdings erfreulich, aber ein längst überfälliger Schritt, den führende Digitalnationen in Europa - wie Estland – schon vor 10 Jahren gegangen sind.
Der große Wurf ist das OZG 2.0 aber nicht. Die Verantwortungsdiffusion zwischen Bund, Ländern und den Kommunen bleibt im Wesentlichen. Und Deutschland erfüllt noch immer nicht die technischen Voraussetzungen für eine moderne Verwaltung, denn die Registermodernisierung lahmt noch immer. Ohne sie werden Mehrfachdatenerhebungen durch Behörden - von denen insbesondere mittelständische Unternehmen massiv betroffen sind - und hinkende Kommunikation zwischen Ämtern weiter der Normalfall bleiben. Hier schimmern Fortschritte nur leicht am Horizont und der Bund hat angesichts der Haushaltslage die Mittel für Verwaltungsdigitalisierung massiv gekürzt.
Im Ergebnis ist OZG 2.0 ambitionsschwach und nur ein kleiner Fortschritt. Seine Wirkung ist zu schwach und wird erst in mittelbarer Zukunft zu spüren sein. Im Monitoring fehlt der Bundesregierung hier weiterhin der Mut, sich selbst dem Druck einer ehrlichen und frühen Evaluation auszusetzen. Ob der erwartete Push auch für Landes- und Kommunalverwaltungen messbar sein wird, bleibt abzuwarten.


Michael Nitsche
Abteilungsleiter Digitalpolitik
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 582
michael.nitsche@bga.de

Wirtschaftssicherheit darf Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel.
mehr
Belastungsprogramm für den Mittelstand
Einkommensteuertarifreform
mehr
Flexiblere Arbeitszeit – nicht mit der SPD-Basis
Eine langjährige BGA-Forderung
mehr
Afrika als Zukunftsmarkt der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft
262. Sitzung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen
mehr
Evaluation der EU-Dual-Use-Verordnung
BGA fordert EU-einheitliche Durchsetzung vor weiteren Änderungen
mehr
Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
TBI Transatlantic Dialogue 2026
mehr
Irischer Haushaltsvorschlag spart an Europas Zukunft
Er hält an neuen Unternehmensabgaben fest
mehr
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel
Wer den Zugang zu wettbewerbsfähigen Vorprodukten verteuert oder beschränkt, schwächt auch unsere Exportwirtschaft.
mehr
Erfolgreiches Sourcing braucht den Perspektivwechsel
Interview mit Dr. Julia Bellinghausen (IPD) & Marcus Schwenke (BGA e.V.)
mehr
Wirtschaftsforscher legen Herbstgutachten vor
Aufschwung mit Strukturproblemen
mehr
„REGELUNGEN ZU ELEKTRONISCHEN RECHNUNGEN AB 1. JANUAR 2027“
Workshop gemeinsam mit Deloitte
mehr
Mehr Planungssicherheit für die Infrastruktur
Stellungnahme des BGA zum Infrastrukturgesellschaftsfinanzierungsänderungsgesetz - Finanzierung der Autobahn GmbH
mehr
BGA-Unternehmertag 2026
Systemrelevant für Deutschlands Zukunft
mehr
State of the Union 2026
Mehr Wettbewerbsfähigkeit und neue internationale Partnerschaften
mehr
Veranstaltung zu EU-Mercosur
Vom politischen Rahmen zu konkreten Geschäftschancen
mehr
Arzneimittelversorgung braucht faire Regeln
PHAGRO-Vorsitzender Freitag formuliert Erwartungen des Pharmagroßhandels an Gesundheitsminister Linnemann.
mehr
Verbände fordern Senkung der Stromsteuer statt neuer Belastungen
Aus Sicht der Verbände wäre eine Verteuerung von Strom das falsche Signal.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Unternehmen brauchen wieder mehr Freiraum für Investitionen und Wachstum.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Europa braucht messbare Ergebnisse.
mehr
BGA-Unternehmertag: Großhandel mahnt vor Kanzler Merz Reformen für Mittelstand an
Unter dem Motto „Systemrelevant.“ hat der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin seinen Unternehmertag veranstaltet.
mehr