Konjunkturelle Schwächephase hält weiter an!
Die deutsche Wirtschaft befindet sich zu Beginn des dritten Quartals weiterhin in einer Stagnation. Dies ist zusammenfassend die Bewertung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMW) zur wirtschaftlichen Lage im September 2024 in Deutschland. Rückläufige Auftragsbestände und eine tendenziell weiter schwache Auftragslage dämpfen die exportorientierte Industrie. Auch bei den konsumnahen Dienstleistungsbereichen Handel, Verkehr, Gastgewerbe wird die Lage weiter ungünstig beurteilt. Trotz der rückläufigen Inflation und der deutlich gestiegenen Kaufkraft im Zuge der höheren Reallöhne hat sich die Stimmung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern eingetrübt. Eine konjunkturelle Erholung dürfte wohl erst gegen Jahresende eintreten.
Zu Beginn des dritten Quartals ist die Produktion wieder gesunken, während die Auftragseingänge zum zweiten Mal in Folge expandierten. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im um 2,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gedrosselt. Im Dreimonatsvergleich lag sie damit um 2,7 Prozent im Minus. Auch wenn die Auftragseingänge zu Beginn des dritten Quartals im Plus lagen, ging die Bestelltätigkeit ohne die stark schwankenden Großaufträge um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück.
Aktuelle Stimmungs- und Frühindikatoren deuten keine kurzfristige konjunkturelle Erholung an. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August zum dritten Mal in Folge gefallen, die Unternehmen bewerteten zuletzt sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen pessimistischer. Im Verarbeitenden Gewerbe gab der Index besonders deutlich nach, was zum Teil auf die erwartete Wachstumsverlangsamung in wichtigen Absatzmärkten, insbesondere den USA und China, zurückzuführen sein dürfte. Das BMWK geht davon aus, dass sich die sich die industrielle Schwächephase zunächst fortsetzen und die exportorientierte deutsche Industrie dämpfen dürfte. Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute würden daher in ihren Herbstprognosen von einer fortgesetzten wirtschaftlichen Stagnation in der zweiten Jahreshälfte und einer konjunkturellen Belebung erst im Verlauf des kommenden Jahres ausgehen.
Die Stimmung der privaten Haushalte in Deutschland hat sich zuletzt wieder eingetrübt. Das HDE-Konsumbarometer ging im September weiter zurück, nachdem es im August vorübergehend stagniert hatte. Auch für das GfK-Konsumklima wird ein Rückgang für September prognostiziert. Insgesamt machen die Frühindikatoren aktuell wenig Hoffnung auf ein spürbares Anziehen der Verbraucherausgaben in Deutschland. Selbst merkliche reale Lohnsteigerungen können die Verbraucherstimmung angesichts gestiegener Sorgen um den Arbeitsplatz offenbar nicht heben, so die Einschätzung des BMWK. Erfreulich ist, dass die Inflationsrate im August mit +1,9 Prozent erstmals seit März 2021 wieder unter der Zielmarke von 2 Prozent liegt. Zwar hat sich der Preisdruck bei Nahrungsmitteln mit 1,5 Prozent leicht erhöht, aber er war weiterhin unterdurchschnittlich. Gleichzeitig haben sich die preisdämpfenden Effekte durch billigere Energie spürbar verstärkt. So gingen die Energiepreise im Vorjahresvergleich um 5,1 Prozent zurück. Die Inflation dürfte nach Einschätzung des BMWK im weiteren Jahresverlauf moderat bleiben.
Die schwache Konjunktur zeigt sich zunehmend am Arbeitsmarkt. Sie lässt die Arbeitslosigkeit weiter steigen und bremst den Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit zunehmend ab: Die registrierte Arbeitslosigkeit nahm im August saisonbereinigt um 2.000 Personen zu. Die konjunkturelle Kurzarbeit ist im Juni auf 232 Tausend Personen gestiegen, die Anzeigen von Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit legten im Juli gegenüber dem Vormonat weiter um 5.000 Personen zu. Die Frühindikatoren deuten auf keine baldige Trendwende hin, so dass derzeit von keiner Belebung am Arbeitsmarkt in der zweiten Jahreshälfte auszugehen ist.
Die kritische Einschätzung des BMWK zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland wird vom BGA geteilt. Nach der jüngsten BGA-Konjunkturumfrage hat sich die Stimmung im Großhandel weiter eingetrübt. Auch entwickeln sich die Umsätze unter dem vom BGA für 2024 erwarteten Wachstumspfad. Während sich die Stimmung im Produktionsverbindungshandel als Indikator für die Industrieproduktion und den Export auf schwachem Niveau stabilisiert, ist die Stimmung im baunahen Großhandel weiter abgesackt und - wie auch vom BMWK ausgeführt - zeichnet sich auch im Konsumgütergroßhandel eine Stimmungseintrübung ab. Der BGA sieht sich durch die ausbleibende konjunkturelle Erholung in seinen Forderungen nach Impulsen für mehr Dynamik durch Verbesserung der Angebotsbedingungen bestätigt. Die Konjunkturanalyse des BGA in den Trends und Analysen Großhandel wird in Kürze veröffentlicht.


Michael Alber
Geschäftsführer
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michael.alber@bga.de

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