WAA berät, welcher Wirtschaftspartner wir sein wollen
In seiner 254. Sitzung wählte der Wirtschaftsausschuss für Außenhandelsfragen (WAA) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen neuen Vorsitzenden. Dr. Gereon Schulze Althoff war in der ersten Sitzung, in der vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 laufenden Berufungsphase, von dem neu zusammengesetzten Gremium gewählt worden. Sein Stellvertreter wurde Guido Seedler. Inhaltlich berieten die Teilnehmer über die Frage, welcher Wirtschaftspartner Deutschland sein will.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeslandwirtschaftsminister, Claudia Müller, gab dabei zunächst einen Impuls zur Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie den Beratungsbedarf des BMEL. In der anschließenden Diskussion wurde die Bedeutung des internationalen Agrarhandels betont. Zudem forderten die Teilnehmer, administrative Anforderungen in dieser Hinsicht auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in Deutschland handhabbar zu gestalten. Beispielhaft wurde auf die Probleme bei der Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) hingewiesen. In diesem Zusammenhang wurde auch angesprochen, dass KMU sich enormen Anforderungen ihrer Handelspartner ausgesetzt sehen. Es wurde hervorgehoben, dass die Einhaltung von Standards Kosten verursache, die bezahlt werden müssten. Der Staat müsse versuchen, die Bürokratie zu verringern. Zudem sollten Standards preislich abgebildet werden. Überdies solle die Politik darauf drängen, dass auch Drittstaaten höhere Standards etablieren. Gleichzeitig müsse der EU-Markt für Produzenten aus Drittstaaten attraktiv bleiben. Anderenfalls drohe die EU ihren Einfluss zu verlieren, wenn sich die Hersteller außerhalb der EU wegen zu hoher europäischer Hürden anderen Absatzmärkten zuwenden würden. Ebenso wurde die Bedeutung des Zugangs für deutsche Produkte zu Drittlandsmärkten betont.
In einem zweiten Vortrag referierte Prof. Dr. Harald Grethe von der Humboldt Universität zu Berlin über die Frage, ob und wenn ja, wie eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft bei offenen Außengrenzen funktionieren könne. In der anschließenden Diskussion wurde unter anderem darüber beraten, ob es sinnvoll sei, in Deutschland bzw. der EU-Agraranbauflächen zu reduzieren, da dies zu Knappheiten beitrage. Auch über die Frage, ob und in welchem Ausmaß Tierhaltung sinnvoll sei, wurde diskutiert. Es wurde betont, dass landwirtschaftliche Produktion am besten dort erfolgen solle, wo die klimatischen Bedingungen es am besten zulassen. Ebenso wurde die Finanzierbarkeit der Produktion und Planungssicherheit für die Landwirte angemahnt. Zudem wurde kritisiert, dass Eingriffe in den Markt immer auch Auswirkungen auf andere Aspekte haben, dies aber oft nicht ausreichend berücksichtigt werde.
Darüber hinaus wurde in der WAA-Sitzung über den aktuellen Stand der jeweils laufenden Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten, Chile, Mexiko und Australien sowie über die letzte Sitzung des EU-Rats Landwirtschaft und Fischerei, die am 23. Januar 2024 stattfand, berichtet. Abschließend wurde über den Stand der WTO-Verhandlungen, die europäische CSDDD-Richtlinie sowie die EU-Verordnung zur Vermeidung von Zwangsarbeit informiert.


Sebastian Werren
Abteilungsleiter Agrar + Ernährungswirtschaft
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 561
sebastian.werren@bga.de

Wirtschaftssicherheit darf Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel.
mehr
Belastungsprogramm für den Mittelstand
Einkommensteuertarifreform
mehr
Flexiblere Arbeitszeit – nicht mit der SPD-Basis
Eine langjährige BGA-Forderung
mehr
Afrika als Zukunftsmarkt der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft
262. Sitzung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen
mehr
Evaluation der EU-Dual-Use-Verordnung
BGA fordert EU-einheitliche Durchsetzung vor weiteren Änderungen
mehr
Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
TBI Transatlantic Dialogue 2026
mehr
Irischer Haushaltsvorschlag spart an Europas Zukunft
Er hält an neuen Unternehmensabgaben fest
mehr
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel
Wer den Zugang zu wettbewerbsfähigen Vorprodukten verteuert oder beschränkt, schwächt auch unsere Exportwirtschaft.
mehr
Erfolgreiches Sourcing braucht den Perspektivwechsel
Interview mit Dr. Julia Bellinghausen (IPD) & Marcus Schwenke (BGA e.V.)
mehr
Wirtschaftsforscher legen Herbstgutachten vor
Aufschwung mit Strukturproblemen
mehr
„REGELUNGEN ZU ELEKTRONISCHEN RECHNUNGEN AB 1. JANUAR 2027“
Workshop gemeinsam mit Deloitte
mehr
Mehr Planungssicherheit für die Infrastruktur
Stellungnahme des BGA zum Infrastrukturgesellschaftsfinanzierungsänderungsgesetz - Finanzierung der Autobahn GmbH
mehr
BGA-Unternehmertag 2026
Systemrelevant für Deutschlands Zukunft
mehr
State of the Union 2026
Mehr Wettbewerbsfähigkeit und neue internationale Partnerschaften
mehr
Veranstaltung zu EU-Mercosur
Vom politischen Rahmen zu konkreten Geschäftschancen
mehr
Arzneimittelversorgung braucht faire Regeln
PHAGRO-Vorsitzender Freitag formuliert Erwartungen des Pharmagroßhandels an Gesundheitsminister Linnemann.
mehr
Verbände fordern Senkung der Stromsteuer statt neuer Belastungen
Aus Sicht der Verbände wäre eine Verteuerung von Strom das falsche Signal.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Unternehmen brauchen wieder mehr Freiraum für Investitionen und Wachstum.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Europa braucht messbare Ergebnisse.
mehr
BGA-Unternehmertag: Großhandel mahnt vor Kanzler Merz Reformen für Mittelstand an
Unter dem Motto „Systemrelevant.“ hat der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin seinen Unternehmertag veranstaltet.
mehr