Engpässe im zweiten Halbjahr möglich
Die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten und der Sperrung der Straße von Hormus belasten den Groß- und Außenhandel zunehmend. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) unter rund 200 überwiegend mittelständischen Unternehmen der Branche. Die Befragung wurde zwischen dem 27. April und dem 4. Mai durchgeführt und gilt damit als repräsentativ für die Wirtschaftsstufe.
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei den Logistik- und Energiekosten. Nahezu alle befragten Unternehmen (90 Prozent) berichten von steigenden Transportkosten. Anders als vielfach erwartet, betreffen die Belastungen inzwischen nicht mehr nur die Seeschifffahrt, sondern insbesondere den Straßengüterverkehr. Gleichzeitig klagen 77 Prozent der Unternehmen über deutlich höhere Energiepreise.
Am stärksten betroffen sind Transportdienstleistungen (64 Prozent), gefolgt von Energieprodukten (45 Prozent) sowie Chemieerzeugnissen. Vor allem bei Energie- und Chemieprodukten führen eingeschränkte Verfügbarkeiten zunehmend zu Problemen. Insbesondere petrochemische Erzeugnisse fehlen, da Produktionsprozesse in Asien infolge unterbrochener Öllieferungen beeinträchtigt werden. Die Auswirkungen reichen inzwischen bis in zahlreiche Industrien hinein – etwa in die Verpackungswirtschaft, in der bestimmte Folien und Kunststoffe zeitweise nicht mehr produziert werden können.
Trotz der angespannten Lage ist die Versorgungslage derzeit noch stabil. Rund 85 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lagerbestände als „gut gefüllt“ oder „ausreichend“. Gleichzeitig reagieren viele Unternehmen bereits mit umfangreichen Gegenmaßnahmen. Fast die Hälfte der Befragten baut zusätzliche Lagerbestände auf, um Lieferausfälle zu vermeiden. Ein Drittel versucht, Lieferketten durch stärkere Diversifizierung widerstandsfähiger zu machen. Dennoch berichtet bereits ein Viertel der Unternehmen von Produktionsausfällen.
Die steigenden Kosten entlang der Lieferkette werden inzwischen breit weitergegeben. Sowohl Fracht- als auch Energiekosten schlagen sich zunehmend in den Preisen für Unternehmen und Endverbraucher nieder. Die Mehrheit der Großhändler gibt die höheren Belastungen derzeit noch an ihre Kunden weiter. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass diese Entwicklung die Nachfrage zunehmend belastet.
Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen mit einer weiteren Verschärfung der Situation. 92 Prozent erwarten weiter steigende Einkaufs- und Beschaffungskosten, 68 Prozent gehen von zunehmender Preisvolatilität aus. Rund 60 Prozent der Befragten rechnen damit, dass steigende Preise und schwaches Wachstum zu sinkender Nachfrage und ausbleibenden Aufträgen führen werden.
Besonders problematisch ist die Entwicklung für mittelständische Unternehmen. Der Aufbau zusätzlicher Lagerbestände bindet erhebliche finanzielle Mittel und verschärft die ohnehin angespannte Liquiditätslage vieler Betriebe. Bereits 40 Prozent der Unternehmen erwarten negative Auswirkungen auf ihre Finanzierungssituation. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stoßen nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation zunehmend an ihre Belastungsgrenzen.
Vor diesem Hintergrund fordert der BGA ein entschlossenes politisches Handeln. Aus Sicht des Verbandes muss die Bundesregierung ihre diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Konflikts und zur Sicherung internationaler Handelsrouten intensivieren. Gleichzeitig fordert der Verband strukturelle Entlastungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die hohen Energie- und Standortkosten. Der BGA spricht sich für eine nachhaltige Senkung der Energiesteuern auf ein wettbewerbsfähiges europäisches Niveau aus. Kurzfristige Einzelmaßnahmen reichten nicht aus, um die Belastungen dauerhaft abzufedern. Darüber hinaus fordert der Verband umfassende Bürokratieentlastungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie die Abschaffung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes.
Der BGA warnt zudem davor, die aktuellen Entwicklungen als kurzfristigen Kriseneffekt zu betrachten. Die Störungen im Welthandel, beschädigte Produktionskapazitäten sowie dauerhaft hohe Energiepreise könnten die globalen Lieferketten noch lange belasten. Die Krise entwickle sich zunehmend zu einem strukturellen Risiko für Handel, Industrie und Verbraucher – mit spürbaren Folgen für Wachstum, Inflation und Wettbewerbsfähigkeit.


Frederike Röseler
Pressesprecherin
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
+49 178 276 6013
frederike.roeseler@bga.de

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