BGA in Brüssel:
Praxis trifft Politik: Till Blässinger zur Realität im Großhandel
Im Rahmen der Retail & Wholesale Week unseres europäischen Dachverbandes EuroCommerce war der BGA in dieser Woche im Europäischen Parlament in Brüssel vertreten. Die dreitägige Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter des Großhandels mit politischen Entscheidungsträgern zusammen und bot mit Ausstellungen, Fachsessions und Side Events eine wichtige Plattform für den direkten Austausch zu aktuellen wirtschafts- und handelspolitischen Themen.
Ein besonderer Fokus lag auf einer vom BGA organisierten „Hear from the Expert“-Session zum Großhandel. BGA-Vizepräsident Till Blässinger, CEO der Blässinger Group, brachte dabei die Perspektive eines familiengeführten mittelständischen Unternehmens ein. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte er die zentrale Rolle des Großhandels für funktionierende Lieferketten und das tägliche Leben. Gleichzeitig machte er deutlich, wie stark Unternehmen durch europäische Regulierung belastet werden – insbesondere in einem Umfeld, das bereits durch enge Margen, geopolitische Spannungen und zunehmende Komplexität geprägt ist.
Seine zentrale Botschaft: Europa braucht eine vorausschauende, praxisnahe Gesetzgebung sowie einen spürbaren Bürokratieabbau, der tatsächlich in den Unternehmen ankommt. Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft müssen stärker in den Fokus rücken, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Flankiert wurde die Veranstaltung durch intensive politische Gespräche des BGA, unter anderem mit der Europaabgeordneten Marion Walsmann sowie Michael Hager, Kabinettschef von Kommissar Valdis Dombrovskis. Im Mittelpunkt stand dabei erneut die Problematik der Weitergabe von Berichtspflichten entlang der Lieferketten. Was politisch gut gemeint ist, führt in der Praxis weiterhin zu erheblichen Belastungen – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Berichtspflichten werden häufig genau dorthin weitergereicht, wo sie laut Gesetzgebung eigentlich nicht ankommen sollten.
Die Gespräche in Brüssel haben gezeigt: Das Problem ist auf politischer Ebene bekannt, jedoch fehlen vielfach konkrete und belastbare Praxisnachweise. Teilweise besteht sogar die Einschätzung, dass die Herausforderungen bereits durch regulatorische Anpassungen – etwa im Rahmen von „Omnibus I“ – gelöst seien. Die Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Gerade der Groß- und Außenhandel ist hiervon besonders betroffen. Als verbindendes Element zwischen Industrie, Landwirtschaft, Handwerk und Einzelhandel sorgen rund 139.000 Unternehmen mit etwa zwei Millionen Beschäftigten täglich für funktionierende Lieferketten – national wie international. Zusätzliche Bürokratie wirkt sich daher entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus.
Um die politischen Prozesse wirksam zu begleiten, ist der BGA auf konkrete Beispiele aus der Praxis angewiesen. Besonders hilfreich sind aktuelle Fragebögen oder vergleichbare Abfragen, in denen Unternehmen – insbesondere KMU – zur Abgabe von Compliance- oder Nachhaltigkeitsinformationen aufgefordert werden, obwohl sie formal nicht betroffen sind. Diese können selbstverständlich geschwärzt oder anonymisiert werden.
Der Austausch in Brüssel hat einmal mehr unterstrichen, wie wichtig der direkte Dialog mit der europäischen Politik ist. Der BGA wird sich weiterhin mit Nachdruck für praktikable Lösungen, weniger Bürokratie und einen starken europäischen Binnenmarkt einsetzen – gemeinsam mit der Unterstützung seiner Mitglieder.


Lisa-Marie Kallies
Büroleiterin + Abteilungsleiterin Europa
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 552
lisa-marie.kallies@bga.de

Vanessa Kassem
Referentin Außenwirtschaft + Zoll + Europa
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 591
vanessa.kassem@bga.de

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