17.09.2026

BGA-Unternehmertag 2026

Unter dem Motto „Systemrelevant.“ kamen beim BGA-Unternehmertag 2026 in Berlin Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands, die zunehmenden geopolitischen Herausforderungen sowie die Frage, wie Deutschland und Europa resilienter werden können. Moderiert wurde die Veranstaltung von Gordon Repinski, International Political Anchor Politico fürPOLITICO, WELT und Business Insider.

 

Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte den Groß- und Außenhandel als systemrelevanten Pfeiler der deutschen Wirtschaft und hob dessen Bedeutung für Resilienz, Versorgungssicherheit und stabile Lieferketten hervor. Wirtschaftliche Stärke und Resilienz entstünden durch internationale Zusammenarbeit. „Der Weg zu mehr Resilienz in Deutschland und Europa führt nicht über Abschottung, sondern über mehr Partnerschaften. Ein starker europäischer Binnenmarkt macht uns auch international stärker“, betonte er.

 

Merz bekannte sich zu offenen Märkten und regelbasiertem Freihandel und sprach sich für weitere Handelsabkommen aus. Zugleich kündigte er weitere Reformen für den Wirtschaftsstandort Deutschland an. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollten beschleunigt, Unternehmen steuerlich entlastet und Bürokratie abgebaut werden. Auch angesichts der infolge der Eskalation im Mittleren Osten gestiegenen Kraftstoffpreise stellte der Bundeskanzler kurzfristige Entlastungsmaßnahmen in Aussicht. Abschließend sagte Merz: „Wir haben allen Grund, stolz auf unser Land zu sein. Wir wollen wieder modern und fortschrittlich werden.“

 

Jandura fordert Allianz für offenen Handel

Zuvor hatte BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung des Groß- und Außenhandels für die deutsche Wirtschaft unterstrichen: „Wir sind der Mittelstand. Wir sind systemrelevant. Wer die Axt an den Mittelstand legt, vernichtet Tausende Arbeitsplätze und gefährdet die wirtschaftliche Substanz unseres Landes.“ Die mittelständisch geprägten Unternehmen seien ein unverzichtbarer Bestandteil der wirtschaftlichen Infrastruktur und sicherten täglich Lieferketten, Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze. Umso wichtiger seien verlässliche Rahmenbedingungen, konsequenter Bürokratieabbau und mehr Tempo bei internationalen Handelsabkommen. „Wir brauchen mehr und vor allem schneller abgeschlossene Handelsabkommen. Europa muss eine Allianz für offenen Handel schmieden – mit allen Partnern, die weiter auf offene Märkte und regelbasierten Handel setzen.“

 

Murat Bayram, Geschäftsführer der EMR European Metal Recycling GmbH und Präsident der Circular Metal Association (CMA), unterstrich die wirtschaftliche und strategische Bedeutung der Recyclingwirtschaft für Europa. Die Branche könne heute mehr recycelte Rohstoffe für neue Wertschöpfungsketten bereitstellen, als innerhalb Europas nachgefragt werde. Umso wichtiger seien offene Märkte und internationaler Handel. Zugleich warnte Bayram davor, auf globalen Protektionismus mit neuen europäischen Schutzmechanismen zu reagieren: „Derisking ja – Decoupling nein. Europas Antwort auf Protektionismus darf nicht noch mehr Protektionismus sein. Wir müssen Europa stärker machen, damit es weniger Schutz braucht.“

 

In der Paneldiskussion zum Außenhandel „Zwischen Handelskriegen und Protektionismus: Ist die Zeit der offenen Märkte zu Ende?“ wurde deutlich, wie eng wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Handelspolitik und geopolitische Stabilität miteinander verknüpft sind. Botschafter Prof. Dr. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, warb für eine stärkere europäische Zusammenarbeit: „Nichts würde die Mächte in Moskau und Washington mehr beeindrucken, als ein starkes, wehrfähiges Bündnis aus engagierten Partnern. Heben wir die EU endlich auf die nächste Ebene.“ Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung,Dr. Nils Schmid, hob hervor, dass strategische Partnerschaften mit Ländern wie Kanada insbesondere bei kritischen Rohstoffen, Zukunftstechnologien und Sicherheitsfragen an Bedeutung gewinnen. Dr. Peter Bielert, Geschäftsführer der F. Reyher Nchfg. GmbH & Co. KG, betonte aus Sicht der Wirtschaft, dass zusätzliche regulatorische Anforderungen Unternehmen zunehmend belasteten. Offene Märkte, diversifizierte Lieferketten und eine handlungsfähige europäische Handelspolitik seien entscheidende Antworten auf die aktuellen Herausforderungen.

 

„Deutschland muss aufhören, nur Konsument von Innovationen zu sein, und selbst welche hervorbringen“, sagte Jens Hungershausen, CIO des Hamburger Farbengroßhändlers MEGA eG, im Gespräch mit Gordon Repinski. Hungershausen, zugleich Vorstandsvorsitzender der DSAG, kritisierte zudem, dass die Politik die Kosten der Bürokratie für Unternehmen massiv unterschätze. Gerade digitale Unternehmen müssten Berichtspflichten aufwendig in ihre Prozesse integrieren. Er forderte daher bessere Standards für die Kommunikation zwischen Staat und Unternehmen.

 

Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, unterstrich die Bedeutung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für den Mittelstand. Im Mittelpunkt standen Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren sowie mehr Digitalisierung und unternehmerische Freiräume.

 

Im zweiten Panel diskutierten Andreas Audretsch MdB, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, FDP-Bundesvorsitzender Wolfgang Kubicki und Volker Schlinge, Geschäftsführer von METRO Deutschland, über notwendige Reformen für den Wirtschaftsstandort und den Mittelstand. Kubicki bezweifelte die Wirksamkeit der geplanten Bürokratieentlastungen und kritisierte die Abkehr von fossilen und nuklearen Energieträgern. Audretsch verteidigte den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Ziel, Energieabhängigkeiten zu verringern, und forderte eine stärkere Digitalisierung staatlicher Strukturen. Schlinge betonte, dass politische Maßnahmen vor allem die Handlungsfähigkeit der Unternehmen stärken müssten. Unternehmen hätten ein eigenes Interesse daran, Ressourcen effizient einzusetzen und zu wachsen – dafür müsse die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

 

Der Unternehmertag zeigte, dass Wirtschaft und Politik vor gemeinsamen Aufgaben stehen. Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung, offene Märkte und internationale Partnerschaften wurden dabei immer wieder als zentrale Hebel für mehr Wachstum und Zukunftsfähigkeit genannt. Entscheidend wird nun sein, die angekündigten Reformen zügig umzusetzen.

 

Wir danken allen Gästen, Referentinnen und Referenten, Sponsoren und unserem Medienpartner Politico für ihre Beiträge und den offenen Austausch. Der BGA-Unternehmertag 2026 hat wertvolle Impulse gesetzt und einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Dialog zwischen Wirtschaft und Politik gerade in herausfordernden Zeiten ist.

 

 

 

Antonin Finkelnburg
Hauptgeschäftsführer
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