17.09.2026

State of the Union 2026

In ihrer Rede zur Lage der Union am 16. September 2026 hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit Europas in den Mittelpunkt der europäischen Agenda für das kommende Jahr gestellt. Für Groß- und Außenhandel sind insbesondere die angekündigten Maßnahmen zur Stärkung des Binnenmarkts, zur Vereinfachung und zum Ausbau internationaler Partnerschaften relevant.

 

Binnenmarkt und Bürokratieabbau

Die Kommission will die Überarbeitung des Binnenmarkts bis 2027 auf Grundlage der „One Europe One Market Roadmap“ vorantreiben. Zudem soll ein "Pakt gegen Gold-Plating" sicherstellen, dass Mitgliedstaaten EU-Vorgaben nicht durch zusätzliche nationale Anforderungen verschärfen. 

 

Strategische Rohstoffe und Lieferketten

Mit einer geplanten European Corporation of Critical Raw Materials sollen Beschaffung und Bevorratung kritischer Rohstoffe für Bereiche wie Elektromobilität, Chips, Batterien, Cleantech und Verteidigung gestärkt werden. Damit will die Kommission strategische Abhängigkeiten reduzieren und Lieferketten widerstandsfähiger machen.

 

Handelspolitische Maßnahmen

Mit Blick auf die internationale Position Europas kündigte von der Leyen eine stärkere Diversifizierung der Partnerschaften an. Besonders hervorzuheben ist der Vorschlag, Kanada die Tür für eine assoziierte Mitgliedschaft in der EU zu öffnen (die erste ihrer Art) und gemeinsam einen „Alliance for the Future“ aufzubauen. Vorgesehen sind unter anderem eine engere wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit sowie eine stärkere Integration der Verteidigungsindustrien. Auch die Diversifizierung von Handelswegen soll vorangetrieben werden. Die Kommission will insbesondere in den „Middle Corridor“ zwischen Europa, dem Südkaukasus und Zentralasien investieren, um Handelsrouten auszubauen und Transportzeiten zu verkürzen.

 

Die Kommission will Europas wirtschaftliche Resilienz weiter stärken und strategische Abhängigkeiten reduzieren, insbesondere auch die Handelsungleichheiten zu China. Gleichzeitig betonte von der Leyen die Bedeutung globaler Partnerschaften und des regelbasierten internationalen Handelssystems. Für den Groß- und Außenhandel wird damit entscheidend sein, dass wirtschaftliche Sicherheit mit offenen Märkten, verlässlichen Lieferketten und zusätzlichen Handelschancen verbunden wird.

 

Ausblick

Für Unternehmen kommt es nun darauf an, dass die angekündigten Initiativen tatsächlich zu weniger Fragmentierung, einfacheren Verfahren, besseren Rahmenbedingungen für Investitionen und neuen internationalen Geschäftsmöglichkeiten führen. Der BGA hat sich hierzu am 16. September in einer Pressemitteilung geäußert.

Vanessa Kassem
Referentin Außenwirtschaft + Zoll + Europa
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 591
vanessa.kassem@bga.de