Bundeswirtschaftsministerium erwartet Lösen aus Stagnation
Jüngste Konjunkturindikatoren deuten eine Trendwende an, auch wenn das Gesamtbild noch uneinheitlich ist, so die optimistische Einschätzung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Günstige Witterungsbedingungen und Nachholeffekte zu Jahresende begünstigten die Produktion in der Industrie und im Bau. Die Stimmung in der Industrie und bei den privaten Verbrauchern habe sich seit Jahresbeginn deutlich aufgehellt. Dennoch sind die Risiken angesichts der nach wie vor schwachen Auftragslage und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten hoch. Dies geht zusammenfassend aus der Einschätzung des BMWK zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im April 2024 hervor.
Die Konjunkturindikatoren zeigen allerdings insgesamt noch ein gemischtes Bild. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im Februar gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent ausgeweitet. Damit ist der zweite spürbare Anstieg in Folge zu verzeichnen. Auch der Ausstoß der Industrie erhöhte sich erneut (+1,9 Prozent). Das Baugewerbe zog mit +7,9 Prozent kräftig an, nachdem schon im Januar ein Plus von 2,9 Prozent erzielt worden war. Innerhalb der Industrie entwickelten sich die Wirtschaftszweige jedoch unterschiedlich: Maßgebliche Produktionsausweitungen waren in den Wirtschaftszweigen Chemische Erzeugnisse (+4,6 Prozent), pharmazeutische Erzeugnisse (+6,4 Prozent) und im gewichtigen Bereich Kfz/Kfz-Teile (+5,7 Prozent) zu verzeichnen. Dagegen wurde die Produktion im ebenfalls bedeutsamen Bereich Maschinenbau (-1,0 Prozent) sowie bei elektrischen Ausrüstungen (-2,7 Prozent) und Druckerzeugnissen (-2,6 Prozent) gedrosselt.
Der Warenhandel tendierte zuletzt, unter monatlichen Schwankungen tendenziell positiv. Im Januar hatte der weltweite Warenhandel um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zugenommen und aktuelle Frühindikatoren weisen auf eine weitere Belebung hin. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index hat im Februar seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und liegt nun bei 129,5 Punkten. Gleichzeitig bleiben die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe – ohne Berücksichtigung der hohen monatlichen Schwankungen durch Großaufträge – in der Tendenz weiter abwärtsgerichtet und verringern die Auftragsbestände in den Unternehmen. Die Auftragseingänge sind im Februar gegenüber dem Vormonat zwar leicht gestiegen (+0,2 Prozent), im Januar hatte es aber nach einem kräftigen Anstieg im Dezember (+12,0 Prozent) einen deutlichen Rücksetzer (-11,4 Prozent) gegeben. Zuletzt war im Inland ein Orderplus zu verzeichnen (+1,5 Prozent), während aus dem Ausland weniger Bestellungen eingingen (-0,7 Prozent). Hier schlug ein kräftiges Minus aus dem Euroraum zu Buche (-13,1 Prozent). Aus dem Nicht-Euroraum kam es zu einem Orderzuwachs von 7,8 Prozent.
Auch bei den Auftragseingängen war innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes im Februar in den einzelnen Bereichen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Deutliche Orderzuwächse meldeten der Maschinenbau (+10,7 Prozent), die pharmazeutischen Erzeugnisse (+6,6 Prozent) und die chemischen Erzeugnisse (+3,1 Prozent). Auftragsrückgänge waren hingegen in den Bereichen elektrische Ausrüstungen (-1,9 Prozent), Metallerzeugnisse (-5,3 Prozent) sowie vor allem im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile (-8,1 Prozent) zu beobachten. Mit den aktuellen Daten verfestigen sich die Anzeichen einer allmählichen industriellen Stabilisierung.
Dagegen bleibt die Entwicklung im Einzelhandel trotz allmählicher Stabilisierung der Kaufkraft und anhaltendem Beschäftigungsaufbau bis zuletzt schwach. Die realen Umsätze sind im Februar gegenüber dem Vormonat deutlich um 1,7 Prozent gesunken, nachdem sie in den vorangegangenen drei Monaten bereits rückläufig waren. Gegenüber Februar 2023 meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzminus von 2,6 Prozent. Insgesamt bewegen sich die Frühindikatoren für den privaten Konsum leicht aufwärts, dies jedoch auf niedrigem Niveau. Nach GfK hat das Konsumklima im April erneut leicht zugenommen, wobei eine sinkende Sparneigung sowie verbesserte Erwartungen der Einkommensentwicklung sich nach Einschätzung des BMWK positiv bemerkbar machen.
Die Inflation weist seit März 2023 im Trend einen rückläufigen Trend aus. Diese ging im März auf 2,2 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Wert seit April 2021. Die Preise für Nahrungsmittel nahmen mit -0,7 Prozent erstmals seit Februar 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat ab. Auch die Energiepreise sind gegenüber dem Vorjahresmonat erneut gesunken, zuletzt um 2,7 Prozent. Auch auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist eine weiter nachlassende Preisdynamik zu beobachten. Die Erzeugerpreise lagen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,1 Prozent niedriger. Im Januar hatte die Rate bei -4,4 Prozent gelegen. Die Einfuhrpreise lagen im Februar um 4,9 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Und die Großhandelspreise sind im Februar im Vorjahresvergleich um 3,0 Prozent gefallen.
Stimmungsbasierte Frühindikatoren deuten – so das BMWK - aktuell eine konjunkturelle Trendwende an: Die Geschäftserwartungen in den Unternehmen haben sich laut ifo Geschäftsklima im März spürbar aufgehellt und auch die aktuelle Geschäftslage verbesserte sich. Vor dem Hintergrund der insgesamt leicht verbesserten Indikatoren gehen die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer jüngsten Gemeinschaftsdiagnose für das erste Quartal 2024 von einer wirtschaftlichen Stagnation aus, bevor es im weiteren Jahresverlauf im Zuge rückläufiger Inflation, steigender Löhne und Einkommen, einer anhaltend stabilen Arbeitsmarktentwicklung und zunehmenden Impulsen von der Außenwirtschaft zu einer spürbaren konjunkturellen Belebung kommt.
Der BGA blickt dagegen noch verhalten auf die aktuellen Wirtschaftsindikatoren. Aus der jüngsten Umsatzentwicklung im Großhandel und seiner Teilzweige als Frühindikatoren der wirtschaftlichen Entwicklung lässt sich aktuell noch keine Trendwende erkennen. Er teilt aber die Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute, zunächst von einer stagnativen Entwicklung auszugehen, bevor es im weiteren Jahresverlauf zu einer konjunkturellen Aufwärtsentwicklung kommen kann. Voraussetzung, dass die Konjunkturlokomotive Fahrt aufnimmt, ist jedoch nicht nur eine Stabilisierung des wirtschaftlichen Umfeldes, sondern sind auch deutliche Impulse durch die Politik.
Die angekündigte Verbesserung der Angebotsbedingungen steht aus. Zwar wurde das Wachstumschancengesetz beschlossen, signifikanten Impulse dürften davon nach Einschätzung des BGA jedoch nicht ausgehen, da die steuerlichen Maßnahmen zu kurz greifen. Und auch die erwarte Bürokratieentlastung lässt weiter auf sich warten. Das vorliegende Bürokratieentlastungsgesetz BEG IV ignoriert bislang weitgehend die Anforderung der Wirtschaft und auch des BGA an eine spürbare Entlastung. Stattdessen droht mit der Umsetzung der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) neue milliardenschwere, unverständliche Rechtsbürokratie.
(Quelle: BMWK)


Michael Alber
Geschäftsführer
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michael.alber@bga.de

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