Europa braucht eine Kurskorrektur
„Europa steht wirtschaftlich enorm unter Druck – durch geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise, gestörte Handelsrouten und eine schwächere Nachfrage aus wichtigen Märkten wie den USA und China. Gerade in dieser Phase multipler Krisen brauchen Unternehmen vor allem eines: Luft zum Atmen. Nur mit flexiblen, offenen und belastbaren Lieferketten können wir die Versorgung sichern und Risiken abfedern. Jetzt ist der Moment für eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur in Europa: mehr Offenheit, mehr Partnerschaften und weniger Regulierung“, fordert Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), anlässlich der Rede des deutschen Bundeskanzlers vor dem Europäischen Rat.
Jandura weiter: „Deutschland braucht jetzt eine klare wirtschaftspolitische Antwort auf die Wirtschaftskrise: eine Exportoffensive und zugleich eine spürbare Stärkung des europäischen Binnenmarkts. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist derzeit zu schwach – hier liegt ein entscheidender Hebel für Wachstum und Stabilität. Die Reformen für einen wirksameren Binnenmarkt und mehr Wettbewerbsfähigkeit in Europa dürfen nicht weiter aufgeschoben werden.“
„Gleichzeitig müssen wir in der Handelspolitik vorankommen. Die absehbare Einigung der Europäischen Union auf ein Freihandelsabkommen mit Australien ist ein wichtiges und ermutigendes Signal. Solche Abkommen stärken die Resilienz unserer Wirtschaft, eröffnen neue Absatzmärkte und helfen, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren. Europa muss seine Handelspolitik insgesamt strategischer ausrichten und zügig weitere Partnerschaften voranbringen. Wir brauchen darüber hinaus engere Kooperationen mit gleichgesinnten Partnern – etwa im Rahmen einer Handelsallianz mit dem transpazifischen Bündnis CPTPP. Parallel dazu muss die Global-Gateway-Initiative deutlich stärker priorisiert werden. Gezielte Infrastrukturinvestitionen in Partnerländern – insbesondere entlang des mittleren Korridors – sichern kritische Lieferketten, schaffen logistische Alternativen und eröffnen neue Exportchancen für europäische Unternehmen“, so der Außenhandelspräsident.
„Was die mittelständischen Unternehmen jetzt aber ganz konkret von Brüssel brauchen, ist Entlastung – keine Vereinfachung, keine temporäre Pause, sondern echte Deregulierung. Der Green Deal der Vorjahre hat sich zum Industriekiller in Europa entwickelt. Wir brauchen deshalb einen klaren Regulierungstopp. Mehr Bürokratie, erzwungene Local-Content-Vorgaben und komplexe Nachweispflichten sind der falsche Weg. ‚Buy European‘ ist kein Ersatz für fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Europa muss Wachstum ermöglichen, nicht behindern“, so Jandura abschließend.


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