KFW-Unternehmensbefragung
Das Finanzierungsumfeld für Unternehmen hat sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar eingetrübt, nachdem sich das Finanzierungsklima bis Anfang 2022 vom Corona-Schock erholt hatte. Dies zeigen die Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2024, die KfW Research gemeinsam mit dem BGA und weiteren 16 Spitzen-, Fach- und Regionalverbänden der deutschen Wirtschaft im Frühjahr 2024 durchgeführt hat. Durch die gleichzeitig schwierige konjunkturelle Lage ließ in einigen Teilen des Unternehmenssektors auch die Kreditnachfrage nach. Trotz der Herausforderungen stabilisierte sich aber die Eigenkapitalsituation der Unternehmen.
Beurteilten in der Befragung im Frühjahr 2022 noch 43 Prozent der Unternehmen den Kreditzugang als leicht, waren es aktuell nur knapp 35 Prozent. Vor allem im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor war das Finanzierungsklima in diesem Frühjahr angespannt. Durch die im Juni 2024 eingeleitete Zinswende könnte sich das Finanzierungsklima in der kommenden Zeit wieder etwas erholen. Dies wird jedoch stark davon abhängen, wie die Entwicklung der Inflation aber auch die Entwicklung der konjunkturellen Lage weitergeht.
Die Stabilisierung der Eigenkapitalsituation der Unternehmen nach dem Corona-Schock setzte sich im vergangenen Jahr fort. Rund 37 Prozent der befragten Unternehmen meldeten im Frühjahr 2024, dass ihre Eigenkapitalquote innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate gestiegen sei. Lediglich 24 Prozent berichteten von einer Verschlechterung. In der Vorerhebung lagen diese Anteile noch bei jeweils rund 34 Prozent. Die aktuelle Befragung bestätigt, dass die Innenfinanzierung weiterhin die mit Abstand wichtigste Rolle in der Unternehmensfinanzierung spielt. Daneben kommt auch Bankkrediten sowie Darlehen und Einlagen von Gesellschaftern und Familienangehörigen eine hohe Bedeutung zu. Andere Finanzierungsformen sind dagegen von untergeordneter Relevanz.
Weiterer Schwerpunkt der Unternehmensbefragung stellt das Thema Nachhaltigkeit dar. Nach der Umfrage rückt dieses auch bei den Unternehmen weiter stärker in den Fokus. Für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hat das Thema aktuell einen (sehr) hohen Stellenwert. Als wichtigste Gründe, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver auseinanderzusetzen, nannten jeweils rund 70 Prozent aller befragten Unternehmen Kundenanforderungen sowie gesellschaftliche Verantwortung. Auch gesetzliche Vorgaben (60 Prozent) und die Senkung von Betriebskosten (56 Prozent) sind für die Mehrheit der Unternehmen wichtige Motive sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Das Thema spielt insbesondere bei Kreditverhandlungen eine immer größere Rolle. Mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent), das in den zwölf Monaten vor der Befragung Kreditverhandlungen geführt hat, gab an, dass in den Verhandlungen das Thema Nachhaltigkeit adressiert wurde. Dabei ging es sich am häufigsten um Daten zu Treibhausgasemissionen sowie zum Energieverbrauch, aber teilweise auch um die Vorlage eines ESG-Ratings oder einer Zertifizierung. In der letzten Erhebung im Jahr 2022 war die Adressierung nur für rund 18 Prozent der Unternehmen der Fall. Vergleichsweise häufig spielten Nachhaltigkeitsaspekte bei Kreditverhandlungen von größeren Unternehmen eine Rolle.
Viele Unternehmen rechnen damit, dass sie zukünftig im Rahmen von Kreditverhandlungen voraussichtlich häufiger auf das Thema Nachhaltigkeit angesprochen werden. Vier von zehn befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Transparenzanforderungen zur Nachhaltigkeit im Zuge von Kreditverhandlungen künftig zunehmen werden. Derzeit sieht sich aber nur jedes dritte Unternehmen hinsichtlich Nachhaltigkeitskennzahlen gut oder sehr gut aufgestellt bzw. vorbereitet. Insbesondere im Segment der größeren Unternehmen zeigen sich ausgeprägte Lücken zwischen erwarteter Relevanz des Themas und Vorbereitungsstand.
Die KFW-Umfrage zeigt mit Blick auf die betrachteten Wirtschaftssektoren, dass sich die Unternehmen des Groß- und Außenhandels in dem schwierigen Umfeld im Vergleich gut behaupten konnten. 44 Prozent der Groß- und Außenhändler gaben an, dass das Finanzierungsumfeld leicht ist, und bei nur 12 Prozent ist diese schwierig. Damit liegt der Groß- und Außenhandel deutlich über dem Durchschnitt und schneidet auch deutlich besser als alle anderen Branchen ab. Dies gilt auch für die Entwicklung der Eigenkapitalquote. 50 Prozent der Groß- und Außenhändler gaben an, dass sich ihre Eigenkapitalquote verbessert hat, während sie sich bei 19 Prozent verschlechterte. Wichtigste Finanzierungsquelle für die Groß- und Außenhändler ist die Innenfinanzierung (88 Prozent). Im Vergleich mit den anderen Wirtschaftssektoren ist auch die Bedeutung des kurz- und mittelfristigen Kredits (52 Prozent), von Darlehen und Einlagen von Familie und Gesellschaftern (48 Prozent) sowie der Lieferantenkredit (29 Prozent) bedeutend. Zudem erfährt auch das Factoring mit 11 Prozent im Groß- und Außenhandel einen hohen Zuspruch, nur vom verarbeitenden Gewerbe wird dieses Finanzierungsinstrument noch etwas stärker genutzt (14 Prozent).
Das Thema Nachhaltigkeit hat dagegen im Groß- und Außenhandel im Moment noch vergleichsweise unterdurchschnittliche Bedeutung. Perspektivisch holen die Unternehmen im Groß- und Außenhandel auf. In den kommenden drei bis fünf Jahren sehen sie am stärksten einen steigenden Stellenwert der Thematik. Sie reagieren damit auf Anforderungen der Kunden (73 Prozent), gesellschaftliche Verantwortung (70 Prozent) und gesetzliche Vorgaben (68 Prozent). Aktuelles Haupthindernis, sich mit dem Thema zu befassen, sind mit Abstand mangelnde personelle Ressourcen (66 Prozent). Allerdings wurde bei den Groß- und Außenhändlern auch überdurchschnittlich häufig in Kreditverhandlungen das Thema Nachhaltigkeit adressiert (35 Prozent).
Kurz zusammengefasst steht der Groß- und Außenhandel damit im aktuell schwierigen Umfeld finanziell gut da, eine sichere Finanzierung mit den besonderen Anforderungen an kurz- und mittelfristige Finanzierungen hat für die Unternehmen hohen Stellenwert. Auch stellen sich die Unternehmen im Groß- und Außenhandel den Anforderungen aus der steigenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsanforderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Banken. Der BGA begleitet dabei die Unternehmen der Wirtschaftsstufe mit politischen Initiativen sowie Veranstaltungen und Informationen zu den Nachhaltigkeitsthemen von Lieferkettensorgfaltspflichten über Nachhaltigkeitsberichterstattung bis hin zu C02-Grenzausgleichsmechanismen, Verpackungsverordnung und EU-Entwaldungsverordnung.
Weitere, vertiefende Informationen zur Unternehmensbefragung zur Unternehmensfinanzierung 2024 können unter https://www.kfw.de/ProzentC3Prozent9Cber-die-KfW/KfW-Research/Unternehmensbefragung.html abgerufen werden.


Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 571
michael.alber@bga.de

Wirtschaftssicherheit darf Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel.
mehr
Belastungsprogramm für den Mittelstand
Einkommensteuertarifreform
mehr
Flexiblere Arbeitszeit – nicht mit der SPD-Basis
Eine langjährige BGA-Forderung
mehr
Afrika als Zukunftsmarkt der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft
262. Sitzung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen
mehr
Evaluation der EU-Dual-Use-Verordnung
BGA fordert EU-einheitliche Durchsetzung vor weiteren Änderungen
mehr
Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
TBI Transatlantic Dialogue 2026
mehr
Irischer Haushaltsvorschlag spart an Europas Zukunft
Er hält an neuen Unternehmensabgaben fest
mehr
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel
Wer den Zugang zu wettbewerbsfähigen Vorprodukten verteuert oder beschränkt, schwächt auch unsere Exportwirtschaft.
mehr
Erfolgreiches Sourcing braucht den Perspektivwechsel
Interview mit Dr. Julia Bellinghausen (IPD) & Marcus Schwenke (BGA e.V.)
mehr
Wirtschaftsforscher legen Herbstgutachten vor
Aufschwung mit Strukturproblemen
mehr
„REGELUNGEN ZU ELEKTRONISCHEN RECHNUNGEN AB 1. JANUAR 2027“
Workshop gemeinsam mit Deloitte
mehr
Mehr Planungssicherheit für die Infrastruktur
Stellungnahme des BGA zum Infrastrukturgesellschaftsfinanzierungsänderungsgesetz - Finanzierung der Autobahn GmbH
mehr
BGA-Unternehmertag 2026
Systemrelevant für Deutschlands Zukunft
mehr
State of the Union 2026
Mehr Wettbewerbsfähigkeit und neue internationale Partnerschaften
mehr
Veranstaltung zu EU-Mercosur
Vom politischen Rahmen zu konkreten Geschäftschancen
mehr
Arzneimittelversorgung braucht faire Regeln
PHAGRO-Vorsitzender Freitag formuliert Erwartungen des Pharmagroßhandels an Gesundheitsminister Linnemann.
mehr
Verbände fordern Senkung der Stromsteuer statt neuer Belastungen
Aus Sicht der Verbände wäre eine Verteuerung von Strom das falsche Signal.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Unternehmen brauchen wieder mehr Freiraum für Investitionen und Wachstum.
mehr
Europas Wirtschaft stärken – jetzt müssen auf Worte Taten folgen
Europa braucht messbare Ergebnisse.
mehr
BGA-Unternehmertag: Großhandel mahnt vor Kanzler Merz Reformen für Mittelstand an
Unter dem Motto „Systemrelevant.“ hat der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin seinen Unternehmertag veranstaltet.
mehr