Lieferkettentag 2025
Der Lieferkettentag 2025 war eine hochkarätige und diskussionsstarke Fachveranstaltung, die die akuten Herausforderungen und den tiefgreifenden Wandel globaler Lieferketten ins Zentrum rückte. Am 7. (Vorabendempfang) und 8. Oktober in Berlin versammelten sich Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, um zentrale Fragen rund um Resilienz, Marktmechanismen und die Zukunft der Globalisierung interaktiv zu diskutieren. Die Eröffnungskeynote hielt Staatsministerin Serap Güler, CDU, die über strategische Risiken sprach.
Der Hamburger Unternehmer Dr. Peter Bielert, Geschäftsführer des Schraubengroßhandels REYHER, begrüßte beim vorabendlichen get together in „seiner“ Landesvertretung die Gäste und verdeutlichte am Beispiel seines Unternehmens die Dimension der Importe: 80 Tonnen Schrauben jährlich, überwiegend aus China. „Das Fehlen einer kleinen Schraube kann durch Lieferkettenprobleme in China oder Taiwan zum Produktionsstopp in Deutschland führen“, so Bielert. Auch wurde deutlich, wie zentral stabile Liefernetzwerke sind: „Sie sind strategische Lebensadern unserer Wirtschaft“, betonte Gunnar Schmidt, Finanzvorstand des BME. Unterbrochene Lieferketten hätten Dominoeffekte auf Produktion, Preise und Beschäftigung. Im Gespräch mit Bundestagsabgeordnetem Nicolas Zippelius forderte Politico-Redakteurin Carlotta Diederich Antworten auf Deutschlands Rolle in der neuen globalen Ordnung. Zippelius mahnte: „Wir brauchen eine langfristige Strategie – so wie es ist, reicht es nicht.“ Bürokratieabbau bleibe eine europäische Herausforderung.
Der Lieferkettentag 2025 der Verbände BGA, BME und DER MITTELSTANDSVERBUND spiegelte die tiefgreifenden Umbrüche wider: Handelskonflikte, geopolitische Machtverschiebungen und die Fragmentierung wirtschaftlicher Kooperationen prägen die globalen Lieferketten wie nie zuvor. Die Agenda spannte sich von der möglichen Zeitenwende der Globalisierung über digitale Wertschöpfung und die Datenökonomie in der Lieferkette bis hin zu strategischen Zukunftsfragen für Europa und der Rolle des US-Dollars als Leitwährung.
Der Tag begann mit einer politisch pointierten Keynote von Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die strategische Risiken und Resilienzthemen in den Vordergrund rückte. „Lieferketten sind heute strategische Machtstrukturen, die über Freiheit, Sicherheit und Wohlstand entscheiden“, so Güler. Der russische Angriffskrieg, der Systemwettbewerb mit China und weltweite Protektionstendenzen zeigen die Verletzlichkeit offener Volkswirtschaften wie der deutschen. Um Resilienz zu stärken, braucht es Diversifizierung, neue Partnerschaften mit Ländern des Globalen Südens, eine starke europäische Handelspolitik und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Wenn Außenpolitik und Außenwirtschaft zusammengedacht werden, kann Deutschland Abhängigkeiten verringern und zugleich neue Märkte und Chancen erschließen.
© Kamil Janus
Es folgte ein kurzweiliges Interview mit Dr. Peter Bielert, einem der größten Schraubenhändler Europas. Er machte deutlich wie kluge Logistik, zielgerichteter IT-Einsatz und ein breites Importportfolie helfen, die Herausforderungen der Zeit zu meistern.
© Kamil Janus
Dieses aufgreifend folgte ein intensives Panel zur Handelspolitik 2025 („Ist die Globalisierung am Ende?“), in dem Vertreter wie Fritz Graf von der Schulenburg (Jebsen & Jessen/BDEx), Christian Stoffel (Coface Finanz) und Tilman Kuban MdB die Wettbewerbsfähigkeit und die geopolitische Positionierung Deutschlands debattierten. Tilman Kuban MdB überzeugte mit einer klaren, schonungslosen Analyse der aktuellen Lage, auch zu den Zollgesprächen mit den USA: Wer einen schlechten Skat hat, kann sich nicht hinterher über schlechte Ergebnisse beschweren. BGA-Vizepräsident von der Schulenburg ergänzt ebenso deutlich mit Blick auf die Veränderungen im Außenhandel und die Regulierung: „Früher haben wir von der Freiheit der globalen Märkte profitiert. Heute wirtschaften wir mit angezogener Handbremse“. Auch die hausgemachten Probleme der Politik in Deutschland und der EU machen den Unternehmen weiterhin zu schaffen: Die teilweise unklaren Signale zu EUDR, LKSG, CBAM, Data Act & Co stehen einer durchschlagenden Entbürokratisierung im Wege.
© Kamil Janus
Ein zentrales Thema des Lieferkettentags 2025 war die Datenökonomie im Groß- und Außenhandel. Im Panel mit Prof. Dr. Sanaz Mostaghim (Fraunhofer IVI), Ole Behrens-Carlsson (Nortal) und Dr. Bernd Schönwälder (Unite) wurde deutlich: Datenaustausch und digitale Lösungen entlang der Lieferketten sind zu einem strategischen Erfolgsfaktor geworden.
© Kamil Janus
„Der Großhandel ist die drittgrößte Wirtschaftsstufe Deutschlands – und sitzt auf riesigen Mengen ungenutzter Daten“, betonte Behrens-Carlsson. Diese Informationen zu erschließen, biete enormes Potenzial für neue Geschäftsmodelle und mehr Wertschöpfung. Zugleich gewinnen Fragen des Datenmanagements angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und neuer EU-Vorgaben wie CBAM, EUDR, CSDDD und dem EU Data Act weiter an Bedeutung.
Das Panel zeigte eindrucksvoll, dass die Entwicklung einer europäischen Datenökonomie nicht nur regulatorische Pflicht, sondern vor allem eine Chance ist, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu sichern. In der anschließenden Mittagspause nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, diese Themen im persönlichen Austausch zwischen Mittelstand und Großhandel zu vertiefen – wie zahlreiche LinkedIn-Beiträge dokumentierten.
Die Finanzierung in der neuen Ära wurde von Dr. Ulrich Kater (DEKA-Bank) thematisiert, insbesondere die Zukunft der Leitwährung US-Dollar und ihre Implikationen für weltweite Handelsströme. In der abschließenden Podiumsdiskussion („Ist Europa unter den Bus gefallen?“) analysierten Experten wie Barbara Gessler (EU-Kommission), Dr. Michaela Lissowsky (FNF), Greta Koch (Büro Axel Voss, MdEP) und Uffe Grøn-Sørensen (Königliche Dänische Botschaft) die Neuaufstellung Europas im globalen Kontext.
Der Lieferkettentag 2025 hat deutlich gezeigt: Unternehmen stehen an der Schwelle zu einer neuen Epoche, die strategisches Umdenken, digitale Souveränität und stärkere europäische Kooperation dringender denn je erfordert. Der intensive Dialog unter den Teilnehmern und die vielschichtigen Impulse aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft bieten eine breite Basis, um die Resilienz der deutschen und europäischen Lieferketten auch in Zukunft zu sichern. Sind und bleiben die Lebensadern unserer Volkswirtschaft.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle Teilnehmenden, Sponsoren, Partner sowie unseren Medienpartner POLITICO, die diesen Tag möglich gemacht haben – und an die inspirierenden Rednerinnen und Redner, die klare Impulse gesetzt haben.
Als Teilnehmer des Lieferkettentags 2025 erhält man jetzt die exklusive Möglichkeit, POLITICO Pro Industrie & Handel vier Wochen lang kostenlos und unverbindlich zu testen. Nach der Testphase gilt für Teilnehmende ein Rabatt von 20 Prozent auf den Jahrespreis. Sichern Sie sich Ihren Informationsvorsprung HIER. Der Testzugang endet automatisch, eine Kündigung ist nicht notwendig. Bei allen Fragen rund um POLITICO Pro steht Ihnen Alexander Tönjes gerne zur Verfügung: atoenjes@politico.eu oder +49 30 59 00 318 21.
Die wichtigsten Impressionen und Themen sind auf der offiziellen Website hier, sowie in den zahlreichen LinkedIn-Einträgen von BGA, Mittelstandsverbund, BME, Teilnehmern und Rednern dokumentiert.


Iris von Rottenburg
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