EU erwägt stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen gegenüber China
Die Europäische Kommission bereitet derzeit ein Maßnahmenpaket vor, mit dem die handelspolitischen Schutzinstrumente der EU gestärkt und wirtschaftliche Abhängigkeiten von China reduziert werden sollen. Hintergrund sind wachsende Sorgen über chinesische Überkapazitäten in der Industrie, zunehmende Importe besonders günstiger Produkte sowie Exportbeschränkungen bei kritischen Rohstoffen.
Zu den diskutierten Maßnahmen gehören neue Schutzuntersuchungen in weiteren Wirtschaftssektoren. Diese könnten zur Einführung von Zollkontingenten führen, wenn nachgewiesen wird, dass Importe europäischen Unternehmen schaden. Zudem treibt die Kommission die Arbeiten an einem möglichen „Überkapazitätsinstrument“ voran, das die Auswirkungen stark subventionierter Produktion in strategisch wichtigen Branchen adressieren soll. Mehrere Mitgliedstaaten haben sich bereits für einen häufigeren Einsatz handelspolitischer Schutzmaßnahmen sowie für die Entwicklung zusätzlicher Instrumente zum Schutz der europäischen Industrie ausgesprochen.
Nach einer Grundsatzdebatte zu den EU-China-Beziehungen am 29. Mai bekräftigte die Kommission ihren Ansatz des „De-Risking statt Decoupling“ („Risiken reduzieren statt Entkopplung“). Gleichzeitig räumte sie ein, dass die derzeitigen Handels- und Investitionsbeziehungen mit China in ihrer jetzigen Form nicht nachhaltig sind. Auch Deutschland zeigt sich inzwischen offener für stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen, was die Wahrscheinlichkeit weiterer EU-Initiativen in den kommenden Monaten erhöht. Die Diskussionen dürften beim G7-Gipfel sowie im Europäischen Rat im Juni fortgesetzt werden.
Grundsätzlich begrüßt der BGA die Pläne der Kommission, warnt aber vor einem neuen Reflex zu mehr Protektionismus. Schutzinstrumente dürfen aus seiner Sicht nur gezielt, faktenbasiert und WTO-konform eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht Abschottung, sondern mehr Resilienz, Diversifizierung und Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Jede Maßnahme muss auch die Interessen von Handel, Importunternehmen und Verbrauchern mitdenken sowie dem Prinzip der Reziprozität folgen.


Alexander Hoeckle
Abteilungsleiter Außenwirtschaft + Zoll
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 565
alexander.hoeckle@bga.de

Zwangsarbeit Vorwand, um US-Protektionismus zu rechtfertigen
Ausgerechnet der Europäischen Union Untätigkeit vorzuwerfen, ist unglaubwürdig.
mehr
CO₂-Zertifikatehandel betrifft zunehmend den Außenhandel
Vom Industrie- zum Handelsthema
mehr
Zugang zum Fahrer-Beruf wird erleichtert
Wichtiger Schritt gegen den Fahrermangel
mehr
BGA-Konjunkturumfrage zur Jahresmitte 2026 startet in Kürze
Sie geht vom 3. – 24. August 2026
mehr
CBAM: BGA fordert praxistaugliche Regeln für den Kauf und Rückkauf von Zertifikaten
Lediglich einen Rückkaufsantrag pro Jahr stellen können ist zu wenig.
mehr
Weniger Bürokratie, mehr Tempo für (Groß) Handel und Logistik
Verkehrsreformen beschlossen
mehr
EU-Bauproduktenverordnung: BGA sieht Nachbesserungsbedarf
Deutliche Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen
mehr
Aktuelle Entwicklungen zum Vereinfachungspaket
BGA-Webinar zum EUDR-Vereinfachungspaket
mehr
Was ab Freitag gelten könnte
US-Zölle vor dem nächsten Umbau
mehr
EU und Mexiko modernisieren ihre Handelsbeziehungen
EU-Rat hat dem Interims-Handelsabkommen zugestimmt
mehr
Erster wegweisender Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel in Bayern
Es ist davon auszugehen, dass dieses Ergebnis Grundlage für weitere Abschlüsse in den anderen Tarifgebieten sein wird.
mehr
Entlastungspaket: Der große Hebel fehlt
Für den Groß- und Außenhandel bleibt das Paket deutlich hinter den Erwartungen zurück.
mehr
Europa braucht offene Märkte
Handelspolitische Schutzinstrumente sind nicht die Lösung.
mehr
Digitaler Handel braucht Verlässlichkeit
Transatlantischer Datenschutzrahmen gerät erneut unter Druck.
mehr
Marktüberwachung effizienter gestalten
Staatsmodernisierung konkret.
mehr
Grünes Licht für Neue Genomische Techniken
Europäisches Parlament ebnet den Weg für die Verordnung.
mehr
Reformpaket bringt erste Fortschritte
Zentrale Entlastungen für den Mittelstand fehlen.
mehr
Schiedsgerichtsbarkeit und bevorstehende Insolvenzrechtsnovelle
BGA-Rechtsausschuss tagt in Berlin.
mehr
KI und Cyber Security
Neue Herausforderungen für Unternehmen.
mehr
Endlich Fortschritt, Entlastungen fehlen
Der Mittelstand braucht umgehend Reformen
mehr