WAA diskutiert über Wirtschaftsdiplomatie
Im Mittelpunkt der 261. Sitzung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen (WAA) beim BMLEH stand die Frage, wie die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit den Agrar-Attachés an den deutschen Botschaften weiter verbessert werden kann. Im Rahmen der Sitzung am 3. Juni 2026 wurden hierzu zunächst mehrere Impulse und Praxisbeispiele vorgestellt.
Seitens des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wurde das Ernährungs- und Landwirtschafts-Referenten-Konzept des Ministeriums vorgestellt. Gegenwärtig gibt es an 17 Standorten in der EU und weltweit EL-Referentinnen und -Referenten, die insgesamt rund 40 Länder abdecken; zu diesen zählen sieben der zehn größten Flächenländer. Zudem entsendet das BMLEH auch EL-Referentinnen an die drei Ständigen Vertretungen bei der EU, der WTO und der FAO.
Weiter stellte das BMLEH vor, wie Agrar-Attachés in Aktivitäten zur Exportförderung eingebunden werden sollen. Diese sollen sowohl Entwicklungen in den Einsatzländern beobachten als auch Reisen in die Zielländer unterstützen. Zudem sollen sie die Marke „Made in Germany“ sichtbarer machen und stärker in Markterkundungsreisen eingebunden werden. Darüber hinaus arbeitet das Ministerium an einheitlichen Kommunikationsmaterialien für die Agrarexportförderung und will Agrar-Attachés stärker bei Veranstaltungen in den Zielländern unterstützen.
Der letzte Impuls des BMLEH ging auf die bilateralen Kooperationsprogramme (BKP) des Hauses ein und informierte darüber, dass alle agrarpolitischen Dialoge im Rahmen der BKP seit 2026 eine feste Wirtschaftskomponente hätten. Entsprechende Projekte sollen künftig noch besser mit den EL-Referenten in den Zielländern abgestimmt werden.
Weiterer Input kam von den deutschen Agrar-Attachés aus Jakarta und Tokio, die über ihre Tätigkeiten in Indonesien und Japan berichteten.
Abgerundet wurden die Eingangsstatements durch Beiträge der französischen Agrar-Attachée in Deutschland, Avril Gommard, sowie von Steffen Reiter, HGF des Verbands der Fleischwirtschaft. Die französische Diplomatin berichtete aus ihrer täglichen Arbeit und stellte unter anderem das Programm „Taste France“ vor, durch das französische Agrar- und Lebensmittelprodukte beworben werden. Reiter betonte, dass Wirtschaftsdiplomatie auch an deutschen Interessen und der Frage der Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet werden solle. Er lobte bereits vorhandene Strukturen, deren Potenzial aber noch besser ausgeschöpft werden könne. Proaktive Wirtschaftsdiplomatie müsse beim Marktzugang unterstützen, als Informations- und Netzwerkplattform dienen sowie deutsche Produkte vermarkten.
In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass für unterschiedliche Branchen in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft unterschiedliche Anforderungen im Zuge der Wirtschaftsdiplomatie berücksichtigt werden müssen. Es wurde die Bitte geäußert, Kontaktdaten der EL-Referentinnen und -referenten und sonstige relevante Informationen im Netz besser auffindbar zu machen. Weiter sollen Agrar-Attachés europäische Regelungsvorhaben, die globale Lieferketten betreffen, in ihren Einsatzländern flankieren und begleiten, um neue Handelshemmnisse zu vermeiden. Zudem wurde angemahnt, dass sich EL-Referenten neben dem Marktzugang auch mit Fragen zur Erschließung von Beschaffungsmärkten befassen sollen.
Abschließend informierte das BMLEH die Teilnehmenden über den aktuellen Stand hinsichtlich der Handelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten, mit Mexiko, mit Indonesien, mit Indien sowie den Philippinen. Zudem wurden aktuelle Entwicklungen im Handel mit Brasilien, mit dem Vereinigten Königreich sowie den Vereinigten Staaten angesprochen. Ebenfalls wurde auf die Folge der Lage im Nahen Osten für die Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie über die Situation in der WTO berichtet.


Sebastian Werren
Abteilungsleiter Agrar + Ernährungswirtschaft
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 561
sebastian.werren@bga.de

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