Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
Unter dem Titel „Trade and the New Geoeconomic Order“ hat die Transatlantic Business Initiative (TBI) am 7. Oktober in Berlin hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Think Tanks zusammengebracht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen unter dem Eindruck geopolitischer Spannungen, einer zunehmend aktiven Industriepolitik und neuer handelspolitischer Konflikte verändern.
Die Veranstaltung fand beim Bundesverband deutscher Banken statt und bot Raum für einen intensiven Austausch über die Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Zu den Gästen gehörten unter anderem Andrew Puzder, US-Botschafter bei der Europäischen Union, sowie Glenn Nye vom Center for the Study of the Presidency & Congress. Auch die bevorstehenden US-Midterm-Wahlen und ihre mögliche Bedeutung für die weitere Ausrichtung der amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik spielten in den Diskussionen eine Rolle.
Für den BGA moderierte Marcus Schwenke, Abteilungsleiter Außenhandelspolitik, Importförderung sowie Entwicklungszusammenarbeit und Projekte, das Panel „Tariffs, Trade, and Trust: Navigating Transatlantic Economic Tensions“. Gemeinsam mit Emily Benson, Head of Strategy bei Minerva Technology Futures, Jean P. Froehly, Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung der Deutschen Botschaft in Washington, Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, sowie Dr. Andreas Schumacher, Executive Vice President Strategy, Mergers & Acquisitions bei Infineon, diskutierte er die aktuellen Spannungen im transatlantischen Wirtschaftsverhältnis. Die Zusammensetzung des Panels verband damit Perspektiven aus Washington, Brüssel, der deutschen Außenpolitik und der Unternehmenspraxis.
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, ob die gegenwärtige US-Handelspolitik lediglich Ausdruck einer vorübergehenden politischen Phase ist oder einen tiefergehenden strukturellen Wandel markiert. Diskutiert wurden dabei nicht nur Zölle, sondern auch Industriepolitik, Investitionsentscheidungen, Exportkontrollen, wirtschaftliche Sicherheit und die zunehmende Verknüpfung von Handelspolitik mit geopolitischen Zielen. Gerade für Unternehmen wird dabei die Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen immer wichtiger.
Auch die strategische Konkurrenz mit China zog sich als roter Faden durch die Diskussion. Deutlich wurde, dass Washington von Europa in Fragen der wirtschaftlichen Sicherheit und bei strategischen Technologien zunehmend eine engere Abstimmung erwartet. Gleichzeitig verfolgen sowohl die USA als auch die EU eigene industriepolitische Ziele und konkurrieren um Investitionen und Produktionskapazitäten. Für europäische Unternehmen stellt sich damit immer stärker die Frage, wie sich Resilienz und Diversifizierung stärken lassen, ohne globale Wertschöpfungsketten unnötig zu fragmentieren.
Intensiv diskutiert wurde zudem, wo die Grenze zwischen legitimer wirtschaftlicher Sicherheit und Protektionismus verläuft. Dies betrifft nicht nur die amerikanische Handelspolitik, sondern zunehmend auch Europa selbst. Mit Instrumenten wie Investitionskontrollen, Local-Content-Ansätzen oder einer stärkeren industriepolitischen Steuerung gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Europa seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit stärken kann, ohne seine Offenheit und die Vorteile internationaler Arbeitsteilung aufs Spiel zu setzen.
Ein zentrales Fazit der Veranstaltung war, dass die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen trotz der aktuellen Konflikte weiterhin von außergewöhnlicher Tiefe und gegenseitiger Abhängigkeit geprägt sind. Gerade deshalb bleiben Dialog, Berechenbarkeit und verlässliche Regeln entscheidend. Die zentrale Herausforderung wird darin bestehen, legitime Sicherheits- und Wettbewerbsinteressen mit offenen Märkten und möglichst stabilen Rahmenbedingungen zu verbinden.
Der BGA wird sich auch weiterhin im Rahmen der TBI dafür einsetzen, die Interessen der deutschen Außenwirtschaft in den transatlantischen Dialog einzubringen und den Austausch mit Politik und Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks zu vertiefen.


Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 594
marcus.schwenke@bga.de

Neue Impulse!
Import Promotion Desk stellt nachhaltige und innovative Tourismusangebote auf der World Travel Market London vor
mehr

Evaluation der EU-Dual-Use-Verordnung
BGA fordert EU-einheitliche Durchsetzung vor weiteren Änderungen
mehr
Handelspolitik, wirtschaftliche Sicherheit und Vertrauen im Fokus
TBI Transatlantic Dialogue 2026
mehr
Wirtschaftssicherheit darf Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen
BGA warnt vor handelspolitischem Kurswechsel.
mehr
Erfolgreiches Sourcing braucht den Perspektivwechsel
Interview mit Dr. Julia Bellinghausen (IPD) & Marcus Schwenke (BGA e.V.)
mehr
Veranstaltung zu EU-Mercosur
Vom politischen Rahmen zu konkreten Geschäftschancen
mehr
Außenhandel setzt weiter auf Reformen
Volatile Zahlen zeigen Zustand der deutschen Wirtschaft.
mehr
Ananas, Süßkartoffeln, Software, Biokohle – und ein Kindergarten.
Erfolgreiche Fortschrittsprüfung bei PartnerAfrica-Projekt des BGA in Ghana
mehr
CO₂-Zertifikatehandel betrifft zunehmend den Außenhandel
Vom Industrie- zum Handelsthema
mehr
CBAM: BGA fordert praxistaugliche Regeln für den Kauf und Rückkauf von Zertifikaten
Lediglich einen Rückkaufsantrag pro Jahr stellen können ist zu wenig.
mehr
Was ab Freitag gelten könnte
US-Zölle vor dem nächsten Umbau
mehr
EU und Mexiko modernisieren ihre Handelsbeziehungen
EU-Rat hat dem Interims-Handelsabkommen zugestimmt
mehr
Digitaler Handel braucht Verlässlichkeit
Transatlantischer Datenschutzrahmen gerät erneut unter Druck.
mehr
Marktüberwachung effizienter gestalten
Staatsmodernisierung konkret.
mehr
Außenwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit enger verzahnen
Es braucht engere Zusammenarbeit der Akteure in der Praxis.
mehr
EU baut Handelsbeziehungen zu Südkorea und Afrika aus
Die EU setzt verstärkt auf den Ausbau strategischer Partnerschaften.
mehr
EU erwägt stärkere handelspolitische Schutzmaßnahmen gegenüber China
Abhängigkeit soll hiermit reduziert werden
mehr
Fortschritte beim EU-US-Handelsabkommen
Aber neue Zolldrohungen sorgen für Unruhe.
mehr
Deutsch-Amerikanischer Wirtschaftstag 2026 am 9. Juni in Mainz
Wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und den USA fördern
mehr
BGA-Lieferantentrainings gehen in die nächste Runde
Trainings in Südafrika, Ecuador und Argentinien
mehr