Außenhandel in einer neuen Realität - Neue Allianzen statt Abschottung
„Der deutsche Außenhandel stabilisiert sich, aber von einer Trendwende sind wir noch weit entfernt. Unsere aktuelle BGA-Unternehmerbefragung zeigt: Die Stimmung hellt sich auf, gleichzeitig bleiben Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und die Belastungen am Standort Deutschland enorm. Unsere Unternehmen haben gelernt, damit umzugehen. Sie diversifizieren, suchen neue Märkte und stellen ihre Geschäftsmodelle neu auf. Jetzt muss Europa größer denken: mit einem starken Binnenmarkt, einem erweiterten europäischen Partnerraum und einer Handelsallianz der offenen Märkte. Wir müssen Abhängigkeiten durch mehr Partner reduzieren – nicht durch weniger Handel“, so Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin auf der Pressekonferenz zur BGA- Unternehmensbefragung und Lage im Außenhandel.
„Unser Außenhandels-Klimaindikator steigt von 73 auf 87,3 Punkte. Deshalb heben wir unsere Prognose für 2026 leicht an und erwarten bei den Exporten ein Plus von 1 Prozent, bei den Importen weiterhin 3 Prozent. Das ist ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung. Gerade die Rückgänge unserer Exporte in die USA und nach China zeigen, wie volatil die Lage bleibt“, so der Unternehmer.
Und weiter: „Europa braucht deshalb eine neue handelspolitische Strategie. Die EU und die Staaten des CPTPP könnten den Kern einer Handelsallianz der offenen Märkte bilden, weitere verlässliche Partner hinzukommen. Gleichzeitig sollten wir neue Formen einer assoziierten Mitgliedschaft schaffen. Länder wie Kanada oder Großbritannien könnten damit enger an unseren Wirtschaftsraum gebunden werden, ohne dass es nur die Wahl zwischen Freihandelsabkommen und EU-Vollmitgliedschaft gibt. Je größer das Netz unserer verlässlichen Handelspartner ist, desto geringer wird die Abhängigkeit vom einzelnen Markt – und desto größer Europas wirtschaftliches Gewicht.“
„Dabei dürfen wir Resilienz nicht mit Abschottung verwechseln. Europa muss sich gegen nachweislich unfairen Wettbewerb wehren können. Aber neue Zölle, Local-Content-Vorgaben und zusätzliche Herkunftsnachweise dürfen nicht zum Ersatz für eigene Wettbewerbsfähigkeit werden. Wer Importe verteuert, verteuert europäische Produktion und schwächt damit unsere Exporte. Handelsschutz darf Zeit für Transformation kaufen. Er darf Transformation nicht ersetzen“, fordert der BGA-Präsident.
„Besonders deutlich wird die Notwendigkeit zur Diversifizierung im Verhältnis zu China. Im ersten Halbjahr gingen die deutschen Exporte nach China um 13,5 Prozent zurück, während die Importe um 8,8 Prozent stiegen. Mehr als die Hälfte unserer befragten Unternehmen ist direkt oder indirekt stark oder sehr stark von China abhängig. Die Antwort darauf darf nicht Decoupling heißen. Wir brauchen alternative Beschaffungsmärkte und neue Absatzmärkte – und gleichzeitig einen besseren Zugang europäischer Unternehmen zum chinesischen Markt. De-Risking darf nicht Decoupling bedeuten und strategische Unabhängigkeit nicht Autarkie“, so Jandura.
„Unsere Unternehmen stellen sich auf die neue Weltlage ein. Jetzt muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: weniger Standortkosten und Bürokratie zu Hause, mehr Märkte und verlässliche Partner nach außen. Europas Stärke liegt in Offenheit und Diversifizierung – nicht in neuen Grenzen“, so Jandura abschließend.
7. Oktober 2026


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