Wirtschaftsperspektiven bleiben verhalten
In der aktuellen wirtschaftlichen Lage treffen verschiedene Entwicklungen aufeinander. Während die binnenwirtschaftliche Dynamik langsam wieder an Fahrt aufgenommen hat, bleiben die außenwirtschaftlichen Perspektiven ungünstig. Die Weltkonjunktur schwächelt weiterhin, was sich in einer niedrigen Auslandsnachfrage und sinkenden Exporten bemerkbar macht. Aufgrund dessen dürfte die konjunkturelle Entwicklung vorerst verhalten bleiben, erst ab dem Jahreswechsel ist voraussichtlich wieder mit einer spürbaren Belebung der Konjunkturindikatoren zu rechen. Dies ist zusammenfassend die Bewertung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im September 2023.
Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im Juli saison- und kalenderbereinigt um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Im Dreimonatsvergleich liegen sie damit um 1,2 Prozent niedriger. Dabei nahmen die Exporte in den Euroraum im Juli um 1,7 Prozent zu, während die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder um 2,5 Prozent zurück gingen. Die Nachfrage aus den beiden wichtigen Handelspartnern China und USA nahmen dabei jeweils um 1,2 Prozent bzw. 5,2 Prozent zu. Ähnlich entwickelten sich die Importe, die im Dreimonatsvergleich um 1,7 Prozent nachgaben, wobei die Einfuhren aus den EU-Ländern 2,9 Prozent zulegten. In realer Betrachtung dürften die Rückgänge der Exporte und Importe etwas schwächer ausgefallen sein. Denn sowohl die Einfuhr- als auch die Ausfuhrpreise gingen leicht zurück (-0,5 Prozent bzw. -0,3 Prozent).
Die Produktion im produzierenden Gewerbe ist im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent erneut leicht gesunken. In der Industrie kam es zu einem Minus von 1,8 Prozent, im Baugewerbe hingegen erhöhte sich der Ausstoß um 2,6 Prozent. Die Herstellung im Bereich Kfz und Kfz-Teile nahm um 9,4 Prozent deutlich ab, auch die energieintensiven Industriezweige verzeichneten nach der Stabilisierung im Vormonat ein leichtes Minus von 0,6 Prozent. Während die Auftragseingänge im Juni noch ein kräftiges Plus von 7,6 Prozent verzeichneten, nahmen Sie im Juli deutlich um 11,7 Prozent ab. Dies ist allerdings auf Sondereffekte durch Großaufträge im Vormonat zurückzuführen. Ohne Großaufträge nahmen die Bestellungen um 0,3 Prozent zu. Insgesamt bleibt die Industriekonjunktur zum Beginn des dritten Quartals eingetrübt. Eine nachhaltige Belebung der Produktion ist noch nicht absehbar.
Auch im Einzelhandel sind die preisbereinigten Umsätze im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent gefallen, nachdem sie bereits im Vormonat leicht um 0,2 Prozent zurück gingen. Im Dreimonatsvergleich sind die Umsätze dagegen um 1,8 Prozent gestiegen. Zum Vorjahresmonat sind die Umsätze um 2,2 Prozent gefallen, was vor allem die hohen Preissteigerungen widerspiegelt. Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnet im Juli im Vergleich zum Vormonat ein reales Umsatzplus von 2,0 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat allerdings einen Rückgang von 1,7 Prozent. Aufgrund der hohen Teuerungsrate bei Lebensmitteln verzeichnet diese Sparte seit 25 Monaten Umsatzrückgänge im Vorjahresvergleich. Die Teuerungsrate von Lebensmitteln liegt im August mit 9,0 Prozent nach wie vor deutlich über der Gesamtrate, der Preisdruck lässt allerdings nach, im Juni lag der Anstieg noch bei 13,7 Prozent. Der ifo-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel hat sich im August zum vierten Mal in Folge verschlechtert und verharren im negativen Bereich. Insgesamt sprechen die Frühindikatoren in den kommenden Monaten für eine gedämpfte Entwicklung der privaten Konsumausgaben.
Die Inflation lässt weiter nach und liegt im August bei 6,1 Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel bleibt unverändert bei 5,5 Prozent. Die Energiepreise legen mit 8,3 Prozent wieder stärker zu als die Gesamtrate und als in den drei Vormonaten, was auf den Basiseffekt durch den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 zurück zu führen ist. Insgesamt zeigt die Entwicklung auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen einen nachlassende Preisdynamik. Sowohl die Erzeuger- und die Einfuhr- als auch die Großhandelspreise liegen im Juli unterhalb des Vorjahresniveaus (-6,0 Prozent, -13,2 Prozent bzw. -2,8 Prozent). Wirtschaftsforschungsinstitute gehen für das gesamte Jahr 2023 von einer Inflation von 6,0 Prozent bis 6,1 Prozent aus.
Der BGA teilt die verhaltene Einschätzung des BMWK und geht vorerst nicht von einer Belebung der Konjunktur aus. Während die nachlassende Preisdynamik den Konsum etwas beleben könnte, wirken geopolitische Unsicherheiten, eine schwache Weltwirtschaft und geldpolitische Straffungen dämpfend auf die Konjunktur. Daher sieht der BGA politische Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen als dringend erforderlich, damit der Standtort Deutschland konkurrenzfähig bleibt und mehr wirtschaftliche Dynamik erreicht werden kann.


Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 571
michael.alber@bga.de

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