02.10.2026

BGA-Großhandelsumfrage: Bundesregierung muss auf Reformkurs bleiben

„Die Stimmung im Großhandel hellt sich leicht auf, und wir heben unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,8 Prozent an. Das ist eine gute Nachricht – aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an den Rahmenbedingungen für den Mittelstand bislang kaum etwas verbessert hat. Unsere Unternehmen haben sich auf schwierige Bedingungen eingestellt, sie passen Lieferketten und Geschäftsmodelle an und behaupten sich in einem herausfordernden Umfeld. Gleichzeitig stützen zusätzliche staatliche Ausgaben die Konjunktur. Was wir dagegen noch nicht sehen, ist ein Aufschwung, der von nachhaltigen Reformen und besseren Standortbedingungen getragen wird. Genau das muss sich ändern: Wir brauchen weniger Bürokratie, niedrigere Belastungen und mehr Freiräume für private Investitionen“, fordert Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in Berlin anlässlich der Ergebnisse der neuen Großhandelsbefragung des BGA.

 

Die Stimmung im Großhandel hat sich im Sommer 2026 verbessert. Die Unternehmen sind weniger pessimistisch als noch zum Jahreswechsel 2025/26. Der BGA-Klimaindikator steigt zur Jahresmitte deutlich von 70,6 auf 84,4 Punkte. Werte unter 100 Punkten zeigen allerdings weiterhin eine überwiegend pessimistische Stimmung an.

 

Besonders deutlich fällt die Verbesserung im Produktionsverbindungshandel aus. Hier steigt der Klimaindikator von 68,6 auf 88,7 Punkte. Im Konsumgütergroßhandel und im baunahen Großhandel bleibt die Stimmung mit jeweils 74,9 Punkten dagegen deutlich gedämpfter.

 

„Die Unternehmen warten nicht darauf, dass sich die Bedingungen verbessern. Sie reagieren, diversifizieren ihre Lieferketten, erschließen neue Märkte und stellen ihre Geschäftsmodelle neu auf. Dass sich die Stimmung stabilisiert, ist deshalb vor allem auch eine Leistung der Unternehmen selbst. Die wirtschaftspolitische Wende, die dem Mittelstand dauerhaft neue Dynamik geben könnte, ist bei ihnen bislang kaum angekommen“, so Jandura.

 

Die reale Umsatzentwicklung im Großhandel bleibt schwach. Preisbereinigt stiegen die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 lediglich um 1 Prozent und liegen damit knapp unter dem Ergebnis für 2025. Für das Gesamtjahr erwartet der BGA deshalb real ein Ergebnis knapp unter dem Vorjahresniveau. Auch von den zusätzlichen schuldenfinanzierten Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur kommen bei vielen Großhändlern bislang kaum direkte Impulse an. Zwar tragen die zusätzlichen staatlichen Ausgaben zur konjunkturellen Stabilisierung bei. Ein selbsttragender Aufschwung, der auf höheren privaten Investitionen und verbesserten Standortbedingungen beruht, ist daraus jedoch noch nicht entstanden. Der hohe Wettbewerbs- und Kostendruck begrenzt weiterhin die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Auch der Beschäftigungsabbau setzt sich fort. 47 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen rechnen nicht mit personellen Veränderungen im zweiten Halbjahr 2026. 19 Prozent der Unternehmen wollen ihre Beschäftigung ausweiten, während 34 Prozent einen Abbau planen.

 

„Die bessere Stimmung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmen bei Beschäftigung und Ausbildung auf die Bremse treten. Wer Menschen einstellen und junge Menschen ausbilden soll, braucht vor allem eines: verlässliche Perspektiven. Wenn mehr Unternehmen Stellen abbauen als neue schaffen wollen, ist das ein Warnsignal, das die Politik ernst nehmen muss“, so Jandura weiter.

 

Besonders kritisch bewerten viele Personenunternehmen die steuerpolitische Entwicklung. Sie sehen sich gegenüber Kapitalgesellschaften benachteiligt und teilweise mit zusätzlichen Belastungen statt mit Entlastungen konfrontiert. Aus Sicht des BGA braucht es deshalb Fortschritte bei der Rechtsformneutralität und praxisgerechte Regelungen bei Umwandlungen, Thesaurierungsbegünstigung und Körperschaftsteueroption. Auch bei Deregulierung und Vereinfachung in den verschiedenen Rechtsbereichen erwarten die Unternehmen schnellere Fortschritte.

 

„Wer erfolgreichen Mittelstand stärker belastet, nimmt ihm genau das Geld, das morgen für Investitionen und Arbeitsplätze gebraucht wird. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet diejenigen bestraft werden, die Gewinne im Unternehmen lassen und damit Wachstum finanzieren. Mittelstandspolitik heißt, Investitionen zu ermöglichen – nicht Erfolg abzustrafen,“ so Dr. Dirk Jandura.

 

Die detaillierten Ergebnisse der BGA-Konjunkturumfrage sind in der aktuellen Ausgabe „Trends & Analysen Großhandel 2/2026“ dargestellt. Die Publikation ist auf der Internetseite des BGA abrufbar (https://shorturl.at/wT3IF).

Iris von Rottenburg
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