Wirtschaftsforscher legen Herbstgutachten vor
Unter dem Titel „Aufschwung mit Strukturproblemen“ haben die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer im Auftrag der Bundesregierung erstellten Gemeinschaftsdiagnose – dem sogenannten Herbstgutachten – die wirtschaftliche Lage analysiert und ihre Prognose für die weitere Entwicklung vorgelegt. Ihr Befund: Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Ende 2025 wieder im Aufschwung. Erstmals liegt die Wirtschaftsleistung wieder über dem Niveau vor Ausbruch der Gaspreiskrise. Getragen wird die Erholung vor allem von den Exporten und der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum bleiben dagegen schwach. Hinzu kommt der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock, der die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich bremst. Im dritten Quartal 2026 dürfte sich die Erholung daher vorübergehend verlangsamt haben; das Bruttoinlandsprodukt legte voraussichtlich nur um 0,1 Prozent zu.
Für die kommenden Quartale erwarten die Institute wieder mehr Dynamik. Ab dem vierten Quartal 2026 soll die Konjunktur an Fahrt gewinnen – gestützt durch die expansive Finanzpolitik, eine robuste Weltkonjunktur und die Normalisierung der Pegelstände für die Binnenschifffahrt. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt soll nach Einschätzung der Institute 2026 um 1,3 Prozent, 2027 um 1,1 Prozent und 2028 um 0,4 Prozent wachsen. Gegenüber dem Frühjahrsgutachten wurde die Prognose für 2026 damit um 0,7 Prozentpunkte angehoben. Trotzdem bleibt der Aufschwung im historischen Vergleich ungewöhnlich schwach. Ein wesentlicher Grund ist das demografisch bedingt rückläufige Potenzialwachstum. Die Verbraucherpreise dürften in diesem Jahr um 2,8 Prozent und im kommenden Jahr um 3,2 Prozent steigen. Auch am Arbeitsmarkt kommt die Erholung nur mit Verzögerung an: Für 2026 erwarten die Institute eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent, die bis 2028 auf 5,8 Prozent sinken soll.
Mit Blick auf die Finanzpolitik fällt die Bewertung der Institute deutlich kritischer aus. Das Finanzierungsdefizit des Staates steigt der Gemeinschaftsdiagnose zufolge von 4,1 Prozent auf 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2028. Ab 2029 zeichnet sich zudem ein erheblicher Konsolidierungsbedarf ab. Gleichzeitig sehen die Institute verschiedene Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch für die öffentlichen Finanzen. Dazu zählen insbesondere der Konflikt im Nahen Osten, anhaltend hohe Energiepreise sowie eine mögliche Korrektur der derzeitigen KI-Euphorie.
Aus Sicht des BGA fällt die Prognose dennoch zu optimistisch aus. Nach Einschätzung der Großhändler in der BGA-Konjunkturumfrage vom Sommer 2026 ist ein reales Wirtschaftswachstum von mehr als einem Prozent nicht zu erwarten. Zu groß sind aus ihrer Sicht die geopolitischen Risiken, die eher noch zunehmen dürften. Gleichzeitig bestehen die strukturellen Herausforderungen fort. Auch die schuldenfinanzierten Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben setzen im Groß- und Außenhandel bislang kaum spürbare Impulse.
Hinzu kommt die Zurückhaltung der Verbraucher. Steigende Preise sowie die Unsicherheit über Einkommen und Arbeitsplätze dämpfen die Konsumneigung. Das zeigt sich auch an der Sparneigung, die inzwischen so hoch ist wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Aus Sicht des BGA braucht es deshalb dringend Strukturreformen, konsequenten Bürokratieabbau und attraktive Standortbedingungen. Nur so lassen sich wieder mehr Wachstum und wirtschaftliche Dynamik mobilisieren.


Michael Alber
Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 571
michael.alber@bga.de

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